Mit dem Beginn der Corona-Pandemie hat Homeoffice stark zugenommen. Das verbessert für viele die Work-Life-Balance: Berufstätige sparen wertvolle Zeit durch den Wegfall des Arbeitsweges, können die Arbeit flexibler auf den Tag verteilen und Familie und Beruf besser in Einklang bringen. Nach dem Abklingen der akuten Phase der Pandemie bevorzugen die meisten eine Mischform aus Büro und Zuhause. Das hat eine Studie von Immowelt ergeben.
Etwa 44 Prozent der Befragten wünschen sich ein Modell mit ausgeglichenen Arbeitszeiten im Büro und im Homeoffice. 15 Prozent möchten nicht mehr in den eignen vier Wänden arbeiten, 20 Prozent wollen fünf Tage Homeoffice.
Jüngere sind mobiler als Ältere
„Viele Befragte geben an, in Zukunft weniger Kompromisse bei den eigenen Wohnverhältnissen machen zu wollen, da sie aufgrund der Pandemie mehr Zeit zu Hause verbringen“, sagt Jan-Carl Mehles, Leiter der Marktforschung bei Immowelt und Koautor einer repräsentativen Umfrage, die das Immobilienportal zusammen mit dem ifo Institut unter 18.000 Teilnehmern zu deren Wohnortpräferenzen durchgeführt hat. Danach planen 13 Prozent der Großstädter, innerhalb der nächsten zwölf Monate die Großstadt zu verlassen.
Einen großen Einfluss auf die Umzugsbereitschaft hat das Alter. Von den 18- bis 39-Jährigen haben etwa 18 Prozent diesen Plan. Bei den 60- bis 69-Jährigen (elf Prozent) und den über 70-Jährigen (fünf Prozent) kommt ein Wegzug seltener in Frage.
Umzugswünsche von Familien mit Kindern
Kinder im Haushalt regen ebenso zum Nachdenken über die Wohnverhältnisse an: Kinderlose Großstädter planen nur zu zehn Prozent einen Wegzug aus der Stadt binnen der nächsten zwölf Monate. Bei einem Kind im Haushalt steigt der Wert auf 18 Prozent und bei zwei oder mehr Kindern verdoppelt er sich auf 22 Prozent. Auch junge Menschen in der Familiengründungsphase planen vermehrt, den städtischen Raum zu verlassen.
Die Gründe, dem Stadtleben den Rücken zu kehren, sind oftmals die naheliegenden: Eine geringere Siedlungsdichte ermöglicht auf dem Land eine größere Wohnung und höhere Chancen auf einen eigenen Garten. Den Wunsch nach mehr Naturnähe und einer Aufwertung der eigenen Wohnverhältnisse geben jeweils fast zwei Drittel der befragten Großstädter als Grund für die konkreten Umzugspläne an. Störfaktoren am bisherigen Wohnort (58 Prozent), mehr Wohnfläche (57 Prozent) sowie ein besseres Wohnumfeld für die Familie (56 Prozent) werden in der urbanen Zielgruppe ebenfalls häufig als Umzugsgrund genannt.
Kleinstädte und Speckgürtel
Eine große Stadtflucht deutet sich in Deutschland aber nicht an. Die abgeschiedene Idylle auf dem Land sucht von den Städtern kaum jemand. Wer kurz- oder langfristig einen Umzug aus der Großstadt plant, möchte vorrangig in eine kleinere Großstadt (38 Prozent) ziehen. Weitere 30 Prozent wollen im Speckgürtel bleiben. Nur elf Prozent der befragten Großstädter, die konkrete Umzugspläne hegen, wollen aufs Land ziehen.
Es sind also vor allem die suburbanen Räume und Städte zwischen 100.000 und 500.000 Einwohnern, die verstärkt ins Blickfeld der Großstad-Bevölkerung rücken. Diese Gebiete versprechen durch die zumeist weniger dichte Bebauung eine bessere Wohnsituation, bieten aber zugleich die Vorteile einer städtischen Infrastruktur und schnelle Erreichbarkeit der größeren Zentren. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass eine bessere Anbindung des suburbanen an den urbanen Raum und ein Ausbau der Bildungsinfrastruktur in den betroffenen Kommunen an Bedeutung gewinnen werden“, sagt Mathias Dolls, ifo-Forscher und Koautor der Studie. (hp)



