Stromanbieter Immergrün hat nach einer Abmahnung und heftiger Kritik durch die Verbraucherzentrale NRW offenbar weiteren Kunden angekündigt, die Stromlieferung einzustellen. Das Portal "www.Verbraucherhilfe-Stromanbieter.de" hat von mehreren entsprechenden Schreiben erfahren.
Auch die ZfK erhielt Einsicht in eine E-Mail, die am Montag, 18. Oktober, nach 21 Uhr verschickt wurde und von Kundenservice des Unternehmens stammen soll. Demnach endet die Stromlieferung zum 28. Oktober, 24 Uhr.
Verbraucherzentrale: Kündigung nur zum Laufzeitende möglich
Die Abmahnung der Verbraucherzentrale NRW bezog sich auf die intransparente Kommunikation von Immergrün zu erfolgten Preiserhöhungen sowie die unzureichende Information über das Sonderkündigungsrecht, das Kunden durch die Preisänderung zustehe.
Die Lieferstopps waren nicht Teil der Abmahnung. Allerdings hält die Verbraucherzentrale auch diese für unzulässig. Eine ordentliche Kündigung der Verträge sei dem Unternehmen nur zum Laufzeitende möglich.
Immergrün-Abmahnung am Montag
Die Verbraucherzentrale NRW hatte die Immergrün-Abmahnung im Laufe des Montags in einer Pressemitteilung veröffentlicht.
Die ZfK bat Immergrün um eine Stellungnahme, erhielt aber bislang keine Rückmeldung.
"Kritisieren Vorgehen scharf"
Immergrün ist schon länger im Visier von Verbraucherschützern, unter anderem wegen intransparenter Preiserhöhungen und nicht gezahlter Boni. Anfang Oktober geriet das Unternehmen in die Schlagzeilen, weil es als einer der ersten Anbieter bundesweit einseitig Kundenverträge gekündigt hatte.
Dies rief die Verbraucherzentrale NRW auf den Plan. "Wir kritisieren das Vorgehen von Immergrün scharf und haben das Unternehmen abgemahnt", teilte Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, am Montag per Presseaussendung mit.
"Preiserhöhungen völlig intransparent"
"Die Preiserhöhungen sind völlig intransparent und unzureichend kommuniziert worden. Der kurzfristige Belieferungsstopp ohne ausreichende Begründung setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf."
Immergrün ist eine Marke der Rheinischen Elektrizitäts- und Gasversorgungsgesellschaft. Aktuelle Geschäftszahlen zu diesem Unternehmen liegen nicht vor.
Eigenkapital 2018: 4,8 Mio. Euro
Die letzten im Bundesanzeiger einsehbaren Zahlen stammen aus dem Jahr 2018. Damals hieß das Unternehmen noch 365 AG. Das Eigenkapital betrug knapp 4,8 Mio. Euro (Umsatz: 311 Mio. Euro). Die Verbindlichkeiten beliefen sich auf 90 Mio. Euro, der Jahresüberschuss lag bei 720.000 Euro. (aba)
Korrektur: In einer ersten Fassung wurde der Eindruck erweckt, als habe die Verbraucherzentrale NRW Immergrün auch wegen des Lieferstopps abgemahnt. Dies war jedoch nicht Teil der Abmahnung.



