Der Energieanbieter Jura Power, der in den vergangenen Wochen aus mindestens vier Verteilnetzen geflogen ist, fühlt sich ungerecht behandelt.
Aktueller Anlass ist die Kündigung des Netznutzungsvertrags durch die bayerischen Netzbetreiber N-Ergie und Bayernwerk. Jura Power ist vor allem über seine Marke Jurastrom bekannt und sitzt im bayerischen Neumarkt in der Oberpfalz.
Netzentgelte "vollständig" bezahlt
Tatsache sei, dass Jura Power beiden Unternehmen die Netzentgelte zur Stromdurchleitung per Vorauskasse "vollständig" bezahlt habe, heißt es auf der Website des Anbieters. Dennoch verweigerten die Netzbetreiber die Strombelieferung. "Beide Netzbetreiber missbrauchen ihre Monopolstellung der Netznutzung."
Nach eigenen Angaben nutzt das Unternehmen weiterhin das Netz von mehr als 400 Unternehmen in ganz Deutschland, um eigene Kunden zu beliefern.
N-Ergie reagiert
Die Nürnberger N-Ergie hatte Jura Power Anfang Juli den Netznutzungsvertrag Strom gekündigt. "In der Regel gehen solchen Kündigungen nicht gezahlte Entgelte voraus", teilte eine Sprecherin des städtischen Netzbetreibers mit. Eine niedrige dreistellige Zahl an Kunden sei betroffen gewesen.
"Jura Power wurde von der N-Ergie Netz über die Hintergründe aller Schritte jeweils umfassend und fristgerecht informiert", beteuert die Sprecherin.
Bayernwerk und Westnetz
Bayernwerk hatte auf ZfK-Anfrage angegeben, dass Jura Power vertragliche Vereinbarungen nicht erfüllt habe. 500 Kunden seien im Netzgebiet betroffen gewesen. Bayernwerk ist eine Tochter des Energiekonzerns Eon und nach eigenen Angaben größter Regionalnetzbetreiber im Freistaat.
Auch Westnetz hat Jura Power den Netznutzungsvertrag gekündigt, wie das Unternehmen der ZfK bestätigte. Das Unternehmen gehört ebenfalls zu Eon und ist größter Verteilnetzbetreiber Deutschlands. Es machte keine Angaben dazu, wie viele Kunden betroffen seien.
Solche Kündigungen "keine Seltenheit"
Bereits im Juni hatte die Stadtwerketochter Netz Leipzig den Lieferantenrahmenvertrag Strom mit Jura Power gekündigt. Auch damals hieß es, dass der Anbieter seine vertraglichen Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllt habe.
Jura Power wies damals auf ZfK-Nachfrage darauf hin, dass solche Kündigungen gerade in Post-Corona-Zeiten und in einem sowieso schon stark sensibilisierten Energiemarkt "keine Seltenheit" darstellten.
"Jura Power nie von Zahlungsunfähigkeit bedroht"
"Auch wir sind als ganzheitlicher Energieversorger nicht von den Auswirkungen der Coronapandemie im laufenden Geschäftsbetrieb verschont geblieben. Fakt ist: Jura Power war zu keinem Zeitpunkt von Zahlungsunfähigkeit bedroht." (aba)



