Der bayerische Stromanbieter Jurastrom, eine Vertriebsmarke der Firma Jura Energie, hat mitten in der Energiekrise von Festpreis- auf variable Tarife umgestellt. Damit gibt das Unternehmen Börsenstrompreise direkt an die Kunden weiter.
Kunden profitieren vor allem dann von variablen Tarifen, wenn die Strompreise an der Kurzfristbörse Epex Spot deutlich unter den am Terminmarkt gehandelten Preisen liegen. Zurzeit jedoch ist das Gegenteil der Fall, was insbesondere Anbietern mit Festpreistarifen, die vorwiegend kurzfristig beschaffen, zu schaffen macht.
Jurastrom: Kundenwunsch nachgekommen
Die ZfK wollte von Jurastrom wissen, warum es gerade jetzt auf dynamische Tarife umgestellt hat. Mehrere Anfragen blieben jedoch unbeantwortet.
Auf seiner Website schreibt das Unternehmen, dem Wunsch vieler Kunden nach mehr Preisflexibilität und einem verbesserten Marktzugang nachgekommen zu sein. Demnach profitierten Kunden seit dem 1. November noch mehr von tagesaktuellen Strompreisen, heißt es weiter.
Grundgebühr: 19,95 Euro pro Monat
Die Preisbestandteile setzen sich laut Website aus dem Day-Ahead-Preis sowie aus einer Gebühr für Verwaltung, Beschaffung und Service von 7,14 Cent pro kWh brutto zusammen. Dazu kommt eine Grundgebühr von 19,95 Euro pro Monat.
Zum Vergleich: Das Start-up Tibber, das ebenfalls dynamische Tarife anbietet, berechnet eine Grundgebühr von 3,99 Euro pro Monat zuzüglich Messstellen- und Netznutzungsgebühren.
Drei Optionen
Jurastrom bietet drei Optionen an. Für die erste Option ist kein Smart Meter notwendig. Das Unternehmen nimmt in diesem Fall im Zweifel das vom Verband der Elektrizitätswirtschaft ermittelte Standardlastprofil als Berechnungsgrundlage.
Für Option zwei ist eine Preisfixierung vorgesehen, um sich vor starken Preissteigerungen abzusichern.
Smart Meter notwendig
Für die dritte Option ist der Besitz oder die Anschaffung eines Smart Meters notwendig. Erst dann lassen sich üblicherweise die Vorteile variabler Tarife samt Mitnahme günstiger Börsenstrompreise auch erst vollständig ausschöpfen.
Negative Börsenstrompreise gibt Jurastrom im Übrigen nicht vollständig weiter, sondern verrechnet sie mit null Cent, wie aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen hervorgeht.
Beschwerden häufen sich
Stand Freitagvormittag ließen sich auf den Seiten von Jurastrom keine neuen Verträge abschließen. Auch Tarife ließen sich nicht berechnen.
Derweil häufen sich Beschwerden über das Unternehmen. Auf dem Portal Trustpilot wird Jurastrom zu 98 Prozent mit "ungenügend" bewertet (insgesamt 172 Bewertungen).
"Sehr, sehr schlechter Kundenservice"
Einzelne Nutzer klagen über einen "sehr, sehr schlechten Kundenservice", nicht ausgezahltes Guthaben und eine plötzliche Abschlagserhöhung.
Auch die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat reagiert. Sie gibt auf einer eigenen Internetseite Tipps, wie Jurastrom-Kunden nicht ausgezahltes Guthaben zurückholen können.
Jahresgebühr fällig
Auch der ZfK wurden von "www.Verbraucher-Stromanbieter.de" mehrere Kundenschreiben zugespielt, die von Jurastrom stammen sollen und vom 12. Oktober datieren. Darin kündigt das Unternehmen den Wechsel zu Börsenstrompreisen vor.
Zugleich verweist das Unternehmen darauf, dass schon am 1. November die Jahresgrundgebühr von insgesamt 239,40 Euro sowie der erste Abschlag fällig würden.
Strompreis-Grafik endet im Januar
Bemerkenswert auch: Im angehängten Prospekt zeigt Jurastrom eine Grafik zur Strompreisentwicklung am Spotmarkt seit 2005. Allerdings endet die Zeitachse nicht etwa im Oktober, als am Spotmarkt nach einem steilen Aufwärtstrend Rekordwerte erzielt wurden, sondern bereits im Januar. (aba)



