Die Übernahme eines US-Solar-Spezialisten macht das arabische Emirat Katar zum mit Abstand größten Aktionär von RWE. Die Essener teilten am Wochenende die Übernahme von Con Edison Clean Energy Businesses mit, einem "im US-Markt führender Betreiber und Entwickler von Solaranlagen und Speichern". Bewertet wird der Konzern bei der Transaktion mit 6,8 Milliarden US-Dollar.
Für die Übernahme will RWE zunächst einen Brückenkredit verwenden. Dieser soll zum Teil durch die Emission einer Pflichtwandelschuldverschreibung mit einem Gesamtnennbetrag von knapp 2,5 Milliarden Euro und einer Laufzeit von bis zu einem Jahr refinanziert werden. Zeichner des Papiers wird Qatar Holding, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Qatar Investment Authority, sein. Die Schuldverschreibung wird in neue Inhaberstückaktien der RWE Aktiengesellschaft gewandelt, die voraussichtlich knapp zehn Prozent des aktuellen Grundkapitals entsprechen.
Bewertung des Deals vernünftig
Bei Branchenkennern kam der Zukauf gut an. Vincent Ayral von der US-Bank JPMorgan schrieb von einem strategisch "großartigen" und passenden Schritt. Für Ahmed Farman vom Analysehaus Jefferies ist die Bewertung des Deals vernünftig. Die Übernahme werde sich positiv auf die Gewinnentwicklung des Versorgers auswirken und verschaffe RWE eine führende Position in den USA auf dem dortigen Markt für Erneuerbare Energien, urteilte der Experte. Zudem impliziere der Kauf einen Anstieg der im vergangenen Jahr auf dem Kapitalmarkttag veröffentlichten Wachstumsziele für die Erneuerbaren um ein Fünftel.
Die USA böten aktuell ein von der Regierung gewolltes attraktives Umfeld für Erneuerbare Energien, stellte RBC-Experte John Musk derweil fest. Für ihn kommt die Übernahme daher zum rechten Zeitpunkt, um von dem regulatorischen Umfeld zu profitieren. Mit der Stärkung der Solarenergie durch den Zukauf ergebe sich zudem für RWE eine bessere technische Ausgewogenheit, befand der Branchenkenner.
In der Energiekrise stärker abgesichert
Ähnlich äußerte sich Sam Arie von der Schweizer UBS, der mit der Übernahme auch mehr regionale Ausgewogenheit sieht. Da RWE künftig zu jeweils einem Drittel in Europa, Großbritannien und den USA engagiert sei, verschaffe dies dem Konzern mehr Flexibilität bei Investitionen.
Auch in der aktuellen Energiekrise sieht der UBS-Experte RWE stärker abgesichert: Die politischen Entscheidungsträger in Deutschland müssten sich womöglich "zweimal überlegen, ob sie neue Steuern auf unerwartete Gewinne erheben, falls RWE darauf reagiert und seine Investitionskraft in andere Bereiche lenkt", warnte er. (dpa/hil)



