Auf die Frage nach den größten Hürden beim Sparen von Energie gab etwas mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Befragten an, es vor allem als persönlich unkomfortabel zu empfinden - etwa weil sie bei runtergedrehter Heizung frieren oder eigentlich lieber mit dem Auto als mit der Bahn gefahren wären.

Auf die Frage nach den größten Hürden beim Sparen von Energie gab etwas mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Befragten an, es vor allem als persönlich unkomfortabel zu empfinden - etwa weil sie bei runtergedrehter Heizung frieren oder eigentlich lieber mit dem Auto als mit der Bahn gefahren wären.

Bild: © lovelyday12/Adobestock

In den letzten fünf Jahren haben nur rund ein Zehntel (12 Prozent) der knapp 2,57 Mio. kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in eine oder mehrere Maßnahmen der energetischen Sanierung für eine Energieeinsparung ihrer Betriebsstätten investiert. Aber bereits Ende 2021, also noch vor den aktuellen Energiepreissteigerungen, planen mehr als ein Drittel (37 Prozent) der KMUs eine oder mehrere Investitionen für Energiesparmaßnahmen in den nächsten 5 Jahren durchzuführen, wie eine Untersuchung von Sirius Campus ergeben hat.

Vor allem bei mittleren Unternehmen mit 50 bis 249 MitarbeiterInnen ist die Investitionsbereitschaft sehr groß. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) sehen demnach große Chancen in energetischen Sanierungen, hauptsächlich um Energie zu sparen (36 Prozent) und den Klimaschutz zu unterstützen (30 Prozent). Aber auch monetäre Anreize wie die Nutzung von staatlichen Förderungen (28 Prozent) und das allgemeine Motiv Geld zu sparen (28 Prozent) bringen die Entscheider in den KMUs dazu, Investitionen für energetische Sanierungen in Betracht zu ziehen.

E-Autos sind Treiber

"Wir gehen davon aus, dass im Kontext der aktuellen Energiepreissteigerungen die Investitionsbereitschaft noch weiter gestiegen ist", sagt Oliver Gaedeke, Studienleiter und Geschäftsführer der Sirius Campus. In der ausführlichen Marktuntersuchung "Monitor zur Klimawende" des Forschungs- und Beratungsinstituts Sirius Campus aus Köln wurden im September 600 Entscheider für das Gebäudemanagement von kleinen und mittleren Unternehmen bis 249 MitarbeiterInnen repräsentative im Herbst 2021 befragt.

Einer der wichtigsten Treiber für die Beschäftigung mit Energiesparmaßnahmen seien demnach Anschaffungspläne für Firmenfahrzeuge. Förderungen bei Anschaffung und Besteuerung sowie niedrigere Betriebskosten für reine E-Autos sind dabei die stärksten Motivatoren für die Entscheider in den KMUs.

CO2-Preis wirkt als Anreiz

So plant jeweils rund ein Viertel der Unternehmen in den nächsten 12 Monaten vollständige Elektro-Autos (27 Prozent) oder Plug-in-Hybrid-Autos (37 Prozent) anzuschaffen. Auch andere Förderungen wie etwa Einspeisevergütungen für Photovoltaik oder der H2-Technologie machen KMUs aufmerksam, sich mit den Möglichkeiten für ihre Betriebsstätten vertraut zu machen und entsprechende Planungen aufzusetzen.

Ebenso wirksam wie fördernde Regulierungen seien jedoch auch Regeln zur realistischen Abbildung von Gemeinschaftskosten, wie es durch die CO2-Bepreisung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes erfolgt. Insbesondere Unternehmen mit hohem Energieverbrauch haben dadurch eine hohe Planungsaktivität für Energiesparmaßnahmen entwickelt. Dies betrifft natürlich hauptsächlich größere Unternehmen mit höherem Energieverbrauch in der Produktion.

Marktlücke bei Experten

Dabei hatten in den vergangen fünf Jahren nur rund ein Zehntel (13 Prozent) der Unternehmen mit Investitionsplänen diese Expertenberatung genutzt. Diese Lücke wird durch andere Beratungsangebote etwa von Energieanbietern (Nutzung bei Planern: 20 Prozent), KfW (18 Prozent), Handwerkern (17 Prozent), Landesförderinstitute (15 Prozent), BAFA (14 Prozent), sowie Architekten und Bauunternehmen und das BMWi oder der Deutschen Energie-Agentur kompensiert.

Ein überraschendes Ergebnis sei die hohe Emotionalität der Entscheidung für Energiesparmaßnahmen in KMUs. Das rein rationale Motiv Geld zu sparen sei tatsächlich hinderlich für eine positive Entscheidung, heißt es. Deswegen werden am häufigsten zu geringe staatliche Förderungen oder zu hohe Kosten als Grund für eine Entscheidung gegen Energiesparmaßnahmen geäußert.

Beratungsgespräche suboptimal

"Staatliche Förderung sind aus dieser Perspektive sogar kontraproduktiv, da sie die unternehmerische Entscheidung auf eine rein monetäre Betrachtung lenken. Damit wird eine unnötige Hürde im Entscheidungsprozess aufgebaut", gibt Oliver Gaedeke zu bedenken. "Das staatliche Marketing mit hohen Förderungen ist eine schwache Strategie, die wie beim aktuellen Beispiel des Förderstopps von Wallboxen sichtbar wurde, sogar die Preisbildung am Markt schädigt."

Daneben hat sich auch das Beratungsgespräch zur technischen Umsetzung als äußerst kritische Phase im Entscheidungsprozess herausgestellt. Dabei stehen wiederum emotionale Aspekte mit einer höheren Wirkung auf eine positive Entscheidung im Vordergrund. Optimalerweise findet eine Beratung vor Ort statt, in der eine individuelle Planung, Empfehlung für Hersteller und Handwerker und Unterstützung für Anträge angeboten wird. Die Berechnung der einsparbaren Energiemenge und damit verbundenen CO2-Reduktion sei dann ein ebenso wichtiger Inhalt, der jedoch erst bei einem Fünftel (18 Prozent) der Beratungsgespräche erstellt werde.

"Gutes Gefühl" bei Investitionen

Dagegen erfolge wesentlich häufiger eine detaillierte Kostenberechnung (39 Prozent), die sich dann tatsächlich negativ auf die Investitionsentscheidung auswirke.

"Auch unternehmerische Entscheider benötigen das viel beschworene gute Gefühl bei ihren Investitionen. Und das lässt sich nur durch einen guten Beratungsprozess, der anschauliche Handlungsperspektiven und emotionale Vorteile in den mentalen Entscheidungsraum hebt", verdeutlicht Gaedeke. (jk)

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