Das kommunale Telekommunikationsunternehmen HeliNet hat beim Amtsgericht Dortmund ein Insolvenzverfahren beantragt. Es ist das gemeinsame Telekommunikationsunternehmen der Stadtwerke Hamm, der Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) Kamen, Bönen und Bergkamen sowie der Stadtwerke Ahlen und Soest. Das Gemeinschaftsunternehmen kann seinen Zahlungsverpflichtungen nicht weiter nachkommen. Das Verfahren diene allein dazu, den Betrieb des Unternehmens mit Sitz in Hamm auch auf Dauer finanziell solide abzusichern, teilt der Generalbevollmächtige Yorck T. Streitbörger mit. Dieser führt das Unternehmen durch die Insolvenz in Eigenverwaltung. So soll der Geschäftsführer Thomas Vollert auch weiterhin das Telekommunikationsunternehmen leiten. Für Kunden und Lieferanten ändere sich mit der Sanierung nichts.
Die Insolvenz in Eigenverwaltung soll eine drohende Zahlungsunfähigkeit abwenden, solange dafür noch Zeit ist und ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Der Geschäftsbetrieb geht indes in vollem Umfang weiter. Der Ausbau der Netze wird auch zukünftig für unterversorgte Gebiete vorangetrieben. Zu den wichtigsten Aufgaben des 1999 gegründeten Unternehmens zählt der laufende Breitbandausbau von Telekommunikationsnetzen in der Region mittels Glasfasertechnologie (FTTH, Fiber To The Home).
Auslöser: Stadtwerke Ahlen und Soest ziehen sich zurück
Der Auslöser des finanziellen Engpasses ist der Rückzug der Stadtwerke Ahlen und Stadtwerke Soest als Gesellschafter zu Ende 2022. Auf ZfK-Anfrage heißt es aus der Presseabteilung der Stadtwerke Soest: "Die Gesellschafter hatten unterschiedliche Ansichten zur Neuausrichtung der Helinet." Trotz intensiver Gespräche sei innerhalb des Gesellschafterkreises keine Einigung erzielt worden. Als Konsequenz erfolge der angekündigte Rückzug zum 31.12.2022."
"Dies gibt den SW Hamm und GSW die Möglichkeit die Helinet in ihrem Interesse neuauszurichten. Hier hat man sich entschieden diese Restrukturierung mit dem Mittel einer Planinsolvenz zu ermöglichen. Wir freuen uns darauf mit der Helinet weiter als Partner zusammenzuarbeiten – nur eben nicht mehr als Gesellschafter", heißt es ferner.
Die finanzielle Situation
Der Jahresumsatz belief sich 2021 auf etwa 17 Mio. Euro, die Bilanzsumme auf 7,2 Mio. Euro, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Laufende Ausbauprojekte werden teilweise durch öffentliche Mittel gefördert.
Die Verluste der HeLi NET sind aufgrund des Breitbandausbaus stets durch Zuschüsse der Gesellschafter ausgeglichen worden. Im Jahr 2019 lagen sie bei 750.000, 2020 bei 930.000 und 2021 bei 1,5 Mio. Euro. Die beiden verbleibenden Gesellschafter Stadtwerke Hamm und Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) Kamen, Bönen, Bergkamen sind zwar bereit, die Gesellschaft – notfalls auch defizitär – für die Dauer der Neuausrichtung fortzuführen und die notwendige Finanzierung sicherzustellen. Sie können aber nicht auf Dauer die Verlustanteile der ausscheidenden Gesellschafter übernehmen.
Arbeitsplätze werden abgebaut
Ein Insolvenzplan ist in Arbeit. Die Sanierung soll die Verluste deutlich reduzieren. Dafür werde es notwendig sein, Arbeitsplätze abzubauen, um zu einem branchenüblichen, wettbewerbsfähigen Personalstand zu gelangen, heißt es ferner. Bisher hat das Unternehmen im Jahresdurchschnitt 95 Arbeitnehmer beschäftigt. Die Geschäftsführung, der Generalbevollmächtigte und der Sachwalter werden mit den Gläubigern verhandeln, sowie mit dem Betriebsrat über den Arbeitsplatzabbau mit einem Sozialplan.
Wesentliche Schulden habe das Unternehmen bisher nicht. Sie werden erst im Laufe des Verfahrens entstehen: durch das von der Arbeitsagentur verauslagte und dann zurückzuzahlende Insolvenzgeld und durch die Kosten von Personalmaßnahmen. (gun)



