Um die Verfügbarkeit der Basisdienste für alle vier Partnernetzbetreiber zu garantieren, hat Schleswig-Holstein Netz eine über ganz Deutschland verteilte Infrastruktur aufgebaut.

Um die Verfügbarkeit der Basisdienste für alle vier Partnernetzbetreiber zu garantieren, hat Schleswig-Holstein Netz eine über ganz Deutschland verteilte Infrastruktur aufgebaut.

Bild: © Stephan Dinges/AdobeStock

Der Markt Wilhermsdorf liegt im mittelfränkischen Landkreis Fürth. Die Einwohnerzahl liegt aktuell bei über 5500, rund 1000 davon sind auf kleinere Ortsteile verteilt. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts hat der Ort eigene Gemeindewerke. Drei Mitarbeitende hat das kommunale Unternehmen, das das Stromnetz im Hauptort betreibt und bisher Grundversorger beim Strom für rund 1600 Haushalte ist. Für den Betrieb des Stromnetzes in den einzelnen Ortsteile war immer schon der Regionalversorger N-Ergie zuständig.

Zehn Mio. Euro müsste der kleine Energieversorger in den nächsten Jahren für die Ertüchtigung seines neun Kilometer langen Mittel- und seines 69 Kilometer Niederspannungsnetzes investieren, erzählt Bürgermeister Uwe Emmert auf ZfK-Anfrage. Vor allem zusätzliche Trafo- und Übergabestationen müssten angeschafft und die Zählerstrukturen digitalisiert werden. Letzteres ist zentral, um ab Anfang kommenden Jahres einen dynamischen Stromtarif einführen zu können. Ab 2025 ist das für jeden Versorger (unabhängig von der Größe) verpflichtend.

Intensive und langwierige Diskussionen im Gemeinderat

Finanziell und personell hätte dies das kleine kommunale Unternehmen auf Dauer überfordert. Der hohe Investitionsbedarf in einem sich stark verändernden Umfeld – mehr E-Mobilität, Wärmepumpen oder digitale Zähler – hätte die Gemeinde finanziell stark belastet und unweigerlich auch zu erhöhten Netzentgelten geführt, heißt es. Die Kommune hat sich deshalb jetzt entschieden, das Stromnetz an die Nürnberger N-Ergie zu verkaufen. Den Netzbetrieb im Hauptort übernimmt ab Januar kommenden Jahres der vorgelagerte Netzbetreiber, die N-Ergie Netz GmbH.

Die Entscheidung sei dem Gemeinderat schwer gefallen, so Emmert. Vorausgegangen waren intensive Diskussionen über einen Zeitraum von über eineinhalb Jahren. "In den vergangenen Jahren hat die Regulierung Ausmaße angenommen, die uns als kleinere Kommune den zuverlässigen und rechtskonformen Netzbetrieb auf lange Sicht unmöglich machen", erklärt der Bürgermeister.

Fachkräftemangel als große Hürde

Hinzu kämen drastische Mehrbelastungen für die Mitarbeitenden, zusätzliches Fachpersonal sei kaum zu finden. Die drei Angestellten werden künftig andere Aufgaben in der Gemeinde übernehmen. Die Gemeindewerke bleiben bestehen und werden künftig unter anderem weiterhin für die Wasserversorgung verantwortlich sein.

"Es ist unser Anspruch, das Stromnetz genauso zuverlässig weiterzubetreiben, wie das die Gemeindewerke über Jahrzehnte hinweg vorbildlich getan haben", versichert Volker Laudien, Leiter Kommunale Kunden bei der N-Ergie. Die Übernahme des Netzes in Wilhermsdorf selbst bietet dem Regionalversorger als Aufhebung einer Art "Insellösung" Vorteile im Bereich Netzführung und -betrieb.

Übernahmen kleinerer Netzbetreiber könnten zunehmen

"Insbesondere kleinere Kommunen stehen vor immer größeren Herausforderungen und drastischen Veränderungen. Es wird immer schwieriger, sich den Rahmenbedingungen anzupassen und ihnen personell sowie finanziell gerecht zu werden", bestätigt Laudien. In Zukunft könnte es häufiger vorkommen, dass kleine Gemeindewerke ihre Stromnetze an größere Energieversorger übergeben, um die Versorgungssicherheit langfristig gewährleisten zu können. Zum Jahresanfang 2025 übernimmt die N-Ergie auch das Stromnetz der Gemeindewerke im nahe Wilhermsdorf gelegenen mittelfränkischen Rückersdorf.

Erst im Juli hatte N-Ergie ein Netz in Feucht erworben

Erst im Juli hatte die N-Ergie 23 Kilometer Strom-, 6 Kilometer Erdgas- und 7 Kilometer Trinkwassernetz von der Gewerbepark Nürnberg-Feucht Versorgungs- und Abwasserentsorgungs GmbH, erworben. Das Versorgungsunternehmem gehörte ursprünglich zu jeweils 40 Prozent der N‑Ergie und den Feuchter Gemeindewerken und zu 20 Prozent den Gemeindewerken Wendelstein.

Auch hier wurde die Übernahme durch die N-Ergie mit dem Jahr für Jahr steigenden administrativen Aufwand im Netzbetrieb begründet. "Auch die gesetzlichen Auflagen werden für kleine Unternehmen immer weniger leistbar", heißt es in der Pressemitteilung.

Auch Bayernwerk steht vor weiterem Netzkauf

Auch die Bayernwerk Netz hat in den vergangenen Jahren immer mehrere Stromnetze kleinerer Verteilnetzbetreiber übernommen. Auch hier ging es meistens um die oben genannten Hintergründe. "Grundsätzlich ist die Bayernwerk Netz als erfahrener Netzbetreiber gesprächsbereit und offen für die verschiedenen Lösungen, sei es technische Betriebsführung, Pacht oder Kauf", sagt ein Sprecher auf Anfrage.

Zu Beginn des kommenden Jahres erwarte man die Bekanntgabe einer weiteren Pacht-Kooperation und den Kauf eines zusätzlichen Netzbereichs, der momentan bereits in einem Pacht-Modell von der Bayernwerk Netz geführt werde.

Gemeindewerke Wilhermsdorf planen Bau eines Nahwärmenetzes

Die Gemeindewerke Wilhermsdorf hingegen werden sich im Zuge der Wärmewende jetzt einem ganz besonders ambitionierten Projekt zuwenden. Die neue Tochter Energie Wilhermsdorf GmbH soll jetzt die Wärmeversorgung neu aufbauen. Aktuell wird der Wärmemix im Hauptort und in den Ortsteilen noch von Öl- und Holzheizungen und kleineren privatbetriebenen Wärmenetzen dominiert. Künftig soll dieser von Nahwärmenetzen abgelöst werden, die in fünf Etappen entstehen sollen. (hoe)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper