Im Laufe des Jahres wollen die benachbarten Stadtwerke Buchen und Walldürn in Baden-Württemberg stärker kooperieren. Zudem wird der Stadtwerkechef von Buchen auch die Stadtwerke Walldürn leiten.
Laut den Bürgermeistern der Städte soll die Unabhängigkeit der Unternehmen erhalten werden. Es sei keine Fusion geplant. Die wichtigen Entscheidungen etwa zu Netzinvestitionen oder Preisen würden weiterhin unabhängig voneinander in den jeweiligen Aufsichtsräten getroffen, die durch die Gemeinderäte der Kommunen besetzt sind.
„Leistungsfähige Stadtwerke sind für eine Kommune wichtig, um die Energiewende und die Infrastruktur vor Ort aktiv gestalten zu können“, sagt der Bürgermeister von Buchen Roland Burger. „Die Aufgabenstellungen werden aber immer komplexer und um den gut begegnen zu können, haben wir jetzt einen mutigen Schritt getan.“
„Wir werden Wert auf eine ausgewogene Balance von Kooperation und Eigenständigkeit der Unternehmen legen", erklärt Burgers Amtskollege aus Walldürn, Meikel Dörr.
Beide Stadtwerke sind als Netzbetreiber, Lieferant und Messtellenbetreiber in der Strom-, Gas- und Wasserversorgung, sowie als Servicedienstleister tätig.
So kam es zu den Plänen
Nachdem der Anfang 2023 in Walldürn berufene Geschäftsführer Rudolf Hußlein mitteilte, dass er im Laufe des aktuellen Jahres aus persönlichen Gründen aus der Geschäftsführung ausscheiden möchte, wurden bei der Stadt Walldürn verschiedene Szenarien für die Neubesetzung der Geschäftsführung und die Weiterentwicklung der Stadtwerke entwickelt und bewertet, hieß es in einer Mitteilung der Stadtwerke Buchen.
Im Ergebnis sei man auf die Stadt bzw. die Stadtwerke Buchen zu gegangen und fragte an, ob der Geschäftsführer Andreas Stein, der bereits von 2009 bis 2017 Geschäftsführer der Stadtwerke Walldürn war und Anfang 2018 zu den Stadtwerken Buchen wechselte, bereit wäre, die Geschäftsführung der Stadtwerke in Personalunion zu leisten.
Ziel ist es, Arbeitsabläufe zu synchronisieren
„Die Energie- und Wärmewende erfordern erhebliche Investitionen in Strom- und Wärmenetze und deren Digitalisierung“, erklärt Stein. Durch eine Personalunion des Managements könnten sich die Arbeitsabläufe noch weiter synchronisieren. „Hierdurch können zum einen gegenseitig Redundanzen erzielt werden und zum anderen Kompetenzzentren errichtet werden, dies ist hilfreich bei Fachkräftemangel.“
Gerade kleine Stadtwerke stünden vor sehr großen Herausforderungen, weil mit nur wenigen Mitarbeitern die Fülle unterschiedlichster Themen und Anforderungen in der gebotenen Tiefe, Qualität und Geschwindigkeit bearbeiten müssten.
Da in vielen Bereichen die Anforderungen gestiegen seien, wurden in Walldürn zuletzt eine ganze Reihe neuer Stellen geschaffen. Gleichzeitig spürten beide Stadtwerke jedoch, wie schwer es ist, qualifiziertes Personal zu gewinnen.
„Kostendruck, Investitionsbedarf und Berichts- und Zertifizierungspflichten zu Qualitäts-, Sicherheits-, Nachhaltigkeits- und IT-Themen sind für beide Unternehmen die gleichen Herausforderungen und führen zu einer steigenden Arbeitsbelastung insbesondere bei den Führungskräften“, erklärte Achim Spohrer, Prokurist der Stadtwerke Walldürn.
"Auf der Führungsebene und bei den Experten brauchen wir spezialisierte Allrounder. " – Andreas Stein, Geschäftsführer SW Buchen
"Auf der Führungsebene und bei den Experten brauchen wir spezialisierte Allrounder, die ein viel breiteres Spektrum bearbeiten können müssen als in großen Unternehmen", gibt Andreas Stein einen Einblick in Interna der Stadtwerke. Als Geschäftsführer habe er sich in Walldürn und in Buchen zu über 50 Prozent mit den gleichen Themen beschäftigt.
Synergien auf Führungsebenen
Daher läge es nahe, gerade auf der Führungsebene die Synergien einer Zusammenarbeit zu suchen. Unter einer einheitlichen Geschäftsführung sollen daher auch die Führungskräfte und Experten beider Häuser in einen engen Austausch gehen und sich zunehmend gegenseitig ergänzen.
Das werde durch die räumliche Nähe möglich und auch, weil beide Stadtwerke die gleiche IT-Umgebung eines gemeinsamen Dienstleisters nutzten.
Durch die enge Zusammenarbeit soll zudem die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter reduziert werden und gleichzeitig eine höhere Prozessqualität und Sicherheit erreicht werden.
Wechsel in den Führungsebenen
Mit dem Ausscheiden von Hußlein als Geschäftsführer der Stadtwerke Walldürn soll Andreas Stein zum Geschäftsführer berufen werden.
Zudem soll Fabian Nirmaier von den Stadtwerken Buchen als Prokurist der Stadtwerke Walldürn berufen werden und den Bereich Energievertrieb und -beschaffung verantworten.
Achim Spohrer soll kaufmännischer Prokurist bei den Stadtwerken Walldürn bleiben.
Gemeinsame Projekte und Ausleihen von Personal
In einem nächsten Schritt sei geplant, dass ein Gas- und Wasseringenieur der Stadtwerke Buchen, Aufgaben im Gas- und Wasserbereich der Stadtwerke Walldürn übernimmt. Umgekehrt seien die Stadtwerke Walldürn im Strombereich stärker aufgestellt als die Stadtwerke Buchen, so dass hier aus Walldürn in Buchen unterstützt werden kann.
Die Stadtwerke wollen zudem gemeinsame Digitalisierungsprojekte angehen. Hierzu seien bereits mit Hußlein erste Weichen gestellt, für ein Internetportal zur Anmeldung von Hausanschlüssen und PV-Anlagen, das in Buchen entwickelt wurde. (pfa)



