Professot Andres Hoffjan ist Inhaber des Lehrstuhls für Unternehmensrechnung und Controlling an der TU Dortmund.

Professot Andres Hoffjan ist Inhaber des Lehrstuhls für Unternehmensrechnung und Controlling an der TU Dortmund.

Bild: © TU Dortmund

Ein Unglück kommt selten allein. Dieses Sprichwort trifft aktuell auch auf die Stadtwerke-Welt zu. Infolge der Energiekrise brechen den Versorgern die Margen im Vertrieb weg. Die Preisrally bei Strom und Gas führt zu vermehrten Zahlungsausfällen bei Privat- und Firmenkunden. Zugleich belastet die staatlich gewollte günstige Basisversorgung der Bürger Versorger mit zusätzlichem administrativen Aufwand. Wenn sich die Kosten-Erlös-Schere immer mehr schließt, ist guter Rat teuer. Was können Energieversorger tun?

So wie Aspirin gegen Kopfschmerzen hilft, ist Kostenmanagement das probate Medikament bei schlechten Zahlen. Aber wie ist diese Pille zu verabreichen? Auf welche Nebenwirkungen ist zu achten? Und vor allem in welchen Fällen verspricht es Linderung? Zum Kostenmanagement bei Energieversorgen hat der Lehrstuhl Controlling an der TU Dortmund eine Studie gemacht. Dazu wurden von Professor Andreas Hoffjan vom Lehrstuhl für Lehrstuhl Unternehmensrechnung und Controlling und Tobias Pieper 26 Experten von 21 großen und mittelgroßen Versorgern interviewt. Das Ergebnis haben sie in einem Gastbeitrag zusammengefasst. Ihr Fazit: Gegenwärtig steckt ein proaktives Kostenmanagement in der Energiewirtschaft noch in den Kinderschuhen. Dabei kann ein systematisches Kostenmanagement helfen, die wirtschaftlichen Herausforderungen der Branche zu bewältigen.

Aber was ist dafür zu tun? Zentral ist die Frage, ob das Kostenmanagement eher reaktiv oder proaktiv ausgelegt ist. Ein reaktives Vorgehen hat ein vorausgegangenes Ereignis als Auslöser. Es liegt vor, wenn nur einmalige Kostensenkungsmaßnahmen durchgeführt werden. Proaktiv Kosten zu managen heißt hingegen zielgerichtet, differenziert und vorausplanend vorzugehen, sprich unabhängig von einem Ergebniseinbruch.

Proaktives Kostenmanagement bei EVU ist nicht weit verbreitet

Ein Drittel der befragten Energieversorger schätzen ihre Kostenmanagementaktivitäten als proaktiv ein. Legt man jedoch als Indikation für ein proaktives Kostenmanagement die Existenz kontinuierlicher Kostenmanagementprojekte zugrunde ist dieser Ansatz nicht weit verbreitet. Dabei ist erfolgreiches Kostenmanagement eine Daueraufgabe. Es beinhaltet ein stetiges Hinterfragen der Handlungsweisen, Einstellungen und Instrumente.

Vier Einflussfaktoren für das Kostenbewusstsein

Wie fördert man das Kostenbewusstsein und die notwendige Penetranz in diesem Thema? Vier zentrale Einflussfaktoren ließen sich in der Studie identifizieren. Erstens spielt die persönliche Einstellung der Mitarbeiter eine große Rolle. Dabei gibt es Mitarbeiter, die denken ihr Anteil am Gesamtergebnis sei marginal und damit irrelevant. Es zählt jedoch jeder Euro. Zweitens ist der Einfluss bzw. die Vorbildfunktion der Vorgesetzten von hoher Bedeutung.

Drittens ist die Historie des Unternehmens relevant. Insbesondere bei Mitarbeitern, die schon lange im Unternehmen sind, können Gewohnheiten aus der „guten alten Zeit“ dem Sparen entgegenstehen. Viertens lässt sich eine Abhängigkeit vom betrachteten Unternehmensbereich feststellen. So bescheinigen die Interviews den kaufmännischen Bereichen ein höheres Kostenbewusstsein als technischen Bereichen.

Bei Personal- und IT-Kosten ansetzen

Wo sollte das Kostenmanagement konkret ansetzen? Nach Wertschöpfungsstufen bieten sich Schwerpunkte in der Verteilung, der Erzeugung und der Beschaffung an. In prozessualer Hinsicht sollte sich der Blick auf Massenprozesse (z.B. Abrechnungsprozesse) oder Prozesse mit einem hohen beeinflussbaren Volumen (z.B. Bereitstellung des Fuhrparks) richten. Hinsichtlich der Ressourcen liegen die Schwerpunkte auf den größeren Kostenpositionen, wie Personalkosten und IT-Kosten.

Um Kosten zu reduzieren haben sich Kooperationen bei mittleren als auch großen Versorgern bewährt, z.B. Energieeinkaufsgemeinschaften oder ein gemeinsamer Betrieb eines Rechenzentrums.

"Kommunikation und Transparenz machen den Erfolg aus"

Im Kern zeigte die Studie, dass für die erfolgreiche Kostensenkung in der Energiewirtschaft typische Management-Erfolgsfaktoren ausschlaggebend sind. Kommunikation und Transparenz auf der Ebene der Führungskräfte sowie Nachvollziehbarkeit und Akzeptanz auf der Mitarbeiterebene machen den Erfolg aus. Möchte ein Versorger Veränderungen im Kostenmanagement anstoßen, geht es zunächst darum die Botschaft zu übermitteln.

Über den Inhalt der Botschaft (Einsparvolumen, Maßnahmen) hinaus sollte ebenso die Notwendigkeit verdeutlicht werden. Kommunikation kann demnach Transparenz schaffen. Transparenz wiederum ermöglicht ein höheres Maß an Nachvollziehbarkeit und legt damit den Grundstein für eine gesteigerte Akzeptanz der Kostenmanagementaktivitäten und erfolgreiche Veränderungen im Kostenmanagement. Die Erfolgsfaktoren Kommunikation, Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Akzeptanz sind demnach eng miteinander verknüpft.

"Nachvollziehbarkeit und Akzeptanz schaffen"

Dabei kommt den Führungskräften wiederum eine bedeutende Stellung zu. Zum einen können sie durch eine ehrliche Kommunikation zum richtigen Zeitpunkt sowie eine hohe Transparenz die notwendige Nachvollziehbarkeit und Akzeptanz auf der Mitarbeiterebene schaffen. Zum anderen können Führungskräfte durch vorbildliches Verhalten und kleine symbolhafte Maßnahmen zum Erfolg von Kostenmanagementaktivitäten beitragen.

Gerade in der aktuellen Energiekrise macht ein Studienergebnis Hoffnung. Das Momentum for Change stellt einen wichtigen Erfolgsfaktor dar. Insofern könnte der jetzige Zeitpunkt sehr dabei helfen, dass die Energieversorger den Weg hin zu einem proaktiven Kostenmanagement finden und konsequent verfolgen.

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