Deutschland stehe "vor einer Herkulesaufgabe", aus Kernenergie und Kohle auszusteigen, ohne dabei die Versorgungssicherheit zu gefährden, sagte RWE-Chef Markus Krebber bei der Vorstellung der Geschäftszahlen des Konzerns für 2023 in Essen.
Die Eckpunkte der Kraftwerksstrategie, die die Bundesregierung im Februar präsentiert hatte, hält er für vernünftig. Allerdings sei hier der Zeitfaktor entscheidend. Die Ausschreibungen für die 10.000 MW Leistung für wasserstofffähige Gaskraftwerke müssen schon bald stattfinden. Nur so wäre eine Inbetriebnahme der Kraftwerke noch in dieser Dekade möglich.
Auktionszuschlag soll zum Bau verpflichten
Auch bei der Ausgestaltung der Auktionen hat er eine klare Forderung: "Die Gewinner der Auktionen müssen unbedingt bauen". Diese Option soll verpflichtend sein und die Hürde für einen nachträglichen Ausstieg aus dem Vorhaben "sehr teuer". Im Wind-Offshore-Segment habe es bereits Bewerber gegeben, die nach den gewonnenen Ausschreibungen ihre Projekte zurückgezogen haben.
Für den Dekarbonisierungspfad und die Energiewende allgemein sei das eine "schwere Last". Eine erneute Ausschreibung würde hingegen viel Zeit kosten und das Gesamtvorhaben gefährden.
RWE will mindestens 3.000 MW errichten
Der Essener Konzern will sich seinerseits bei den Ausschreibungen auf Kapazitäten von mindestens 3.000 MW bewerben. Nach 2030 sei auch mehr möglich. Vieles hängt dabei von dem Ablauf der Genehmigungsverfahren ab. "Ich denke, dass wir das auch rechtzeitig hinbekommen." Bereits jetzt sei RWE mit seinen bestehenden Standorten für diese Auktionen bestens vorbereitet. "Die verfügbaren Standorte und Flächen reichen uns völlig aus, weitere Zukäufe benötigt RWE nicht", erläuterte Krebber auf Anfrage der ZfK.
Kritik wegen Eingriffe im ETS
Wegen zusätzlicher Auktionen und einem Überschuss an CO2-Zertifikaten sei der CO2-Preis derzeit deutlich gefallen. Das betrachte RWE mit Sorge, sagte Krebber. Denn der europäische Emissionshandel bilde das Kernstück des europäischen Klimaschutzes. Fallen die Preise, verliert das Instrument seine Wirkung und schadet auch der Verlässlichkeit des ETS-Marktes.
"Unser Ziel soll eine nachhaltige Industriegesellschaft sein", betonte der RWE-CEO. Mit Verweis auf die sozialpolitische Verantwortung erteilte Krebber einem Ausstieg aus Kohleverstromung vor 2030 eine Absage. "Mit der getroffenen Vereinbarung haben wir alle Interessen berücksichtigt und die optimale Lösung gefunden." Er gehe davon aus, dass Kohlekraftwerke nach 2030 lediglich in Reserve stehen würden, für den Fall, wenn nicht genug Gaskapazitäten verfügbar wären.
"Kein ökonomisches Risiko für RWE"
"Ich denke, dass eher die Steinkohlekraftwerke in Reserve landen werden, weil ihr Betrieb viel günstiger ist", so Krebber. Sollte die Landes- und oder Bundesregierung zum Entschluss kommen, dass auch RWE-Kraftwerke in Reserve gehen sollen, würde RWE weiter Eigentümer sein. "Da wir aber dann nicht über die Einsatzzeiten entscheiden werden, ist es weder unser ökonomisches Risiko noch hat es Einfluss auf unsere CO2-Emissionen."
Auch die Personalplanung sei beim Kohleausstieg hier klar auf 2030 ausgelegt, fügte RWE-Personalvorständin, Katja van Doren, hinzu. In der Zeit wolle der Konzern die verfügbaren Optionen wie Vorruhestand sowie Weiterbildung und Qualifizierungsprogramme in und außerhalb von RWE nutzen. (am)
