Die Green-City-Gruppe mit Sitz in München hat in den vergangenen Jahren rund 100 Mio. Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien in Projekte in Europa investiert.

Die Green-City-Gruppe mit Sitz in München hat in den vergangenen Jahren rund 100 Mio. Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien in Projekte in Europa investiert.

Bild: © Ackermann/Green City AG

Der angeschlagene Erneuerbaren-Projektierter Green City AG aus München ist offenbar in einer noch prekäreren Situation als bisher weithin angenommen wurde. Bei der außerordentlichen Hauptversammlung am vergangenen Donnerstag habe der Vorstand des Unternehmens keinen optimistischen Eindruck gemacht und eine Insolvenz der Gesellschaft nicht ausgeschlossen, erklärte der Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Daniel Bauer, auf ZfK-Anfrage.

Die SdK wurde von zahlreichen Aktionären mit der Vertretung ihrer Interessen betraut. Die Mehrheit der Aktien der Green City AG gehört dem gemeinnützigen Verein Green City e.V., rund 35 Prozent sind in Streubesitz. Ein Restrukturierungskonzept respektive ein neuer Investor sei nicht präsentiert worden, so Bauer weiter. Offenbar gibt es Gespräche mit potentiellen Kapitalgebern, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Diese würden fortgesetzt.

Mehr als die Hälfte des Grundkapitals verloren

Wie dramatisch die Lage ist, verdeutlicht auch der Umstand, dass die Hauptversammlung dem Vorstand der Green City AG die Entlastung für 2019 verweigert hat. Zahlen für 2020 liegen noch gar nicht vor.

Der Projektierer, der auch mit verschiedenen Stadtwerken bei Erneuerbaren-Projekten kooperiert hat, hatte kurz vor Weihnachten mitgeteilt, dass er mehr in 2021 als die Hälfte seines Grundkapitals verloren habe und für das Gesamtjahr 2021 ein negatives Gesamtergebnis erwarte. Als Grund wurden unter anderem Umsatz- und Ertragsausfälle aufgrund von Verzögerungen bei zahlreichen Wind- und Solarprojekten genannt.

Zwei Projektgesellschaften möglicherweise drohend zahlungsunfähig

Zudem hatten zum Jahresende die Konzerngesellschaften Green City Energy Kraftwerkspark II GmbH & Co. KG, Green City Energy Kraftwerkspark III GmbH & Co. KG sowie die Green City Solarimpuls I GmbH & Co. KG, die jeweils börslich handelbare Schuldverschreibungen emittiert haben, den Kapitalmarkt darüber informiert, dass sie sich in einer finanziellen Krise befinden.

Demnach ist die Green City Energy Kraftwerkspark II GmbH & Co. KG möglicherweise drohend zahlungsunfähig sowie möglicherweise überschuldet. Die Green City Energy Kraftwerkspark III GmbH & Co. KG und die Green City Energy Solarimpuls I GmbH & Co. KG könnten möglicherweise drohend zahlungsunfähig sowie möglicherweise überschuldet werden.

Anlegerschützer: "Man hat sich Eigenkapital gehebelt"

 „Die Green City AG ist zu riskant finanziert mit zu wenig Eigenkapital auf Ebene der Konzerngesellschaft“, erklärt Bauer. Die AG habe zu wenig Geld in die Projektgesellschaften gegeben, diese hätten dann vielfach noch Fremdkapital aufnehmen müssen. Diese Gelder hätten von der Holding an die Projektgesellschaften fließen müssen. „Hier hat man sich Eigenkapital gespart und gehebelt. Diese Struktur macht einen auch schon bei kleineren Abweichungen im Businessplan anfällig“, so Bauer weiter.

Diese Finanzierung falle dem Unternehmen jetzt auf die Füße. „Die Verschuldung der AG ist zu hoch.“ Andere Projektierer hätten hier auf Konzernebene viel mehr nachrangiges Kapital eingeworben und eine deutlich höhere Eigenkapitalquote.

Komplexe Unternehmensstruktur als Nachteil

Die operativen Rahmenbedingungen seien für alle Marktakteure in gleichem Maße herausfordernd, die letztlich daraus entstandene Schieflage der Green City AG aber aufgrund der ungünstigen Finanzierungsstruktur letztlich hausgemacht. Nachteilig sei auch die mittlerweile sehr komplexe Unternehmensstruktur.

Seit wann sind die Probleme bekannt?

Offen ist offenbar auch, wann genau die finanziellen Probleme des Unternehmens offenkundig wurden und ob der Kapitalmarkt und die Anleger:innen rechtzeitig darüber informiert wurden. Laut Bauer habe der Vorstand der Green City AG bei der außerordentlichen Hauptversammlung eingestanden, dass bereits gewisse Fehlentwicklungen im vierten Quartal 2020 bekannt waren.

Der Projektierer hatte aber wenige Monate später, im Frühjahr 2021, noch 10 Mio. Euro über eine Anleihenemission am Markt eingeworben. Etwaige operative Beeinträchtigungen oder finanzielle Risiken waren dabei aber nicht thematisiert worden. (hoe)

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