Bei zahlreichen Wind- und Solarprojekten des Münchner Erneuerbaren-Projektierers Green City AG kommt es zu erheblichen Verzögerungen. Das Unternehmen geht davon aus, im laufenden Geschäftsjahr mehr als die Hälfte seines Grundkapitals verloren zu haben und erwartet für das Gesamtjahr ein negatives Gesamtergebnis, heißt es in einer Pressemitteilung.
Als Grund werden unter anderem Umsatz- und Ertragsausfälle genannt. Das auf die Entwicklung und Finanzierung von Erneuerbaren-Projekten spezialisierte Unternehmen hat deshalb für den 20. Januar eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, die online stattfinden wird. Die Green City AG war in der Vergangenheit auch Kooperationspartner von Stadtwerken.
Fortbestand einzelner Konzerngesellschaften steht in Frage
Im Rahmen der Fertigstellung der Jahresabschlüsse 2020 habe man darüber hinaus eine Notwendigkeit von Wertberichtigungen unter anderem bei Projektrechten und Rückstellungen für zukünftige Verpflichtungen aus Garantieversprechen festgestellt, heißt es weiter. Zudem hätten die Konzerngesellschaften Green City Energy Kraftwerkspark II GmbH & Co. KG, Green City Energy Kraftwerkspark III GmbH & Co. KG sowie die Green City Solarimpuls I GmbH & Co. KG, die jeweils börslich handelbare Schuldverschreibungen emittiert haben, den Kapitalmarkt darüber informiert, dass sie sich in einer finanziellen Krise befinden.
Demnach ist die Green City Energy Kraftwerkspark II GmbH & Co. KG möglicherweise drohend zahlungsunfähig sowie möglicherweise überschuldet. Die Green City Energy Kraftwerkspark III GmbH & Co. KG und die Green City Energy Solarimpuls I GmbH & Co. KG könnten möglicherweise drohend zahlungsunfähig sowie möglicherweise überschuldet werden.
Dies stelle den Bestand dieser Konzerngesellschaften und damit auch die Rückzahlung der Inhaberschuldverschreibungen sowie Zinszahlungen hieraus in Frage. Ursächlich dafür ist, dass Zahlungen von Konzerngesellschaften auf Darlehensrückzahlungsansprüche nicht gesichert seien. Die Zahlung der am 30. Dezember 2021 fälligen Zinsen aus den Inhaberschuldverschreibungen der Green City Energy Kraftwerkspark II GmbH & Co. KG seien nicht gesichert.
Restrukturierung scheint unumgänglich
„Die aktuelle Situation hat vielschichtige Gründe. Mithilfe externer Experten arbeiten wir mit Hochdruck an der Aufarbeitung unserer wirtschaftlichen Lage. Wir tun alles, um die gegenwärtigen Herausforderungen zu bewältigen und uns wieder voll und ganz auf unser Tagesgeschäft zu fokussieren“, sagt Jens Mühlhaus, Vorstandsvorsitzender der Green City AG. Darüber hinaus wird an einem umfassenden Restrukturierungskonzept gearbeitet.
Dieses werde zusammen mit der Münchener Beratungsgesellschaft Demps & Partner erarbeitet und soll an der anstehenden außerordentlichen Hauptversammlung im Januar vom Vorstand vorgestellt werden. Der Geschäftsbetrieb der Green City AG und der Konzerngesellschaften werde derweil unverändert fortgeführt.
Die Green City-Gruppe ist laut ihrer Homepage ein ganzheitlicher Anbieter für Entwicklung, Bau, Finanzierung und Betrieb von Erneuerbaren-Energien-Anlagen in Europa. Rund 100 Mio. Euro wurden in den vergangenen Jahren in Projekte investiert. Die Aktien gehören mehrheitlich dem gemeinnützigen Verein Green City e.V. (53,6 Prozent), weitere 35,3 Prozent befinden sich in Streubesitz, die restlichen11,1 Prozent gehören Mitarbeitern der Green City AG. (hoe)



