Die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft verzeichnet coronabedingt einen massiven Einbruch bei den Fahrgastzahlen im ÖPNV. Die Geschäftsführung hofft, in den nächsten drei Jahren hier auf das Vorkrisen-Niveau zurückzukehren.

Die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft verzeichnet coronabedingt einen massiven Einbruch bei den Fahrgastzahlen im ÖPNV. Die Geschäftsführung hofft, in den nächsten drei Jahren hier auf das Vorkrisen-Niveau zurückzukehren.

Bild: © Leipziger Gruppe

Signifikante Investitionen in den Infrastrukturausbau, der coronabedingte Einbruch der Fahrgastzahlen im ÖPNV und die Marktverwerfungen im vierten Quartal haben das Geschäftsjahr 2021 der Leipziger Gruppe geprägt.

Der zu 100 Prozent kommunale Konzern verzeichnete einen leichten Umsatzanstieg auf 2,39 Mio. Euro (2020: 2,27 Mio. Euro). Insbesondere aufgrund verringerter Zinsaufwendungen stieg das Konzernergebnis deutlich auf 41 Mio. Euro (2020: 18 Mio. Euro).

Hintergrund der Einsparung ist, dass die Stadt Leipzig das Gesellschafterdarlehen in Eigenkapital umgewandelt hat. „Das erspart uns 14 Millionen Euro an Zinsen im Jahr“, erklärte Volkmar Müller, Kaufmännischer Geschäftsführer der Leipziger Gruppe.

Leuchtturmprojekt HKW Leipzig-Süd geht im Sommer in Betrieb

Das ohnehin hohe Investitionsniveau in die Versorgungssicherheit respektive „die Lebensadern der Stadt“, hat das Unternehmen im vergangenen Jahr auf 331 Mio. Euro (2020: 292 Mio. Euro) weiter gesteigert.

Neben neuen Fahrzeugen für die Verkehrsbetriebe und einer Modernisierung der Infrastruktur habe man den Fernwärmeumbau planmäßig umgesetzt, heißt es in einer Pressemitteilung.

„Das neue potenziell wasserstofffähige Heizkraftwerk Leipzig-Süd nehmen wir im Sommer in Betrieb“, so Michael M. Theis, Sprecher der Geschäftsführung der Leipziger Gruppe. Das Großprojekt sei zeitlich und budgetär "voll im Plan".

Einbruch der Fahrgastzahlen im ÖPNV

Die Stadt Leipzig will bis 2040 klimaneutral werden, hierzu treibe das Unternehmen systematisch nachhaltige Maßnahmen voran. Insgesamt habe die Leipziger Gruppe in den vergangenen zwei Jahren „ihre Krisen-Resilienz“ bewiesen, versicherte Theis.

Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass „die Fortsetzung des ÖPNV-Rettungsschirms für uns essenziell war". Mit knapp 103 Mio. beförderten Fahrgasten erreichte die Nachfrage nur etwa zwei Drittel des Niveaus vor Beginn der Pandemie.

Die dadurch entstandene Deckungslücke von 25,8 Mio. Euro wurde zu großen Teilen vom Freistaat Sachsen und dem Bund, aber auch von der Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft  ausgeglichen.

Leipziger Stadtwerke steigern ihr Ergebnis

Den wichtigsten Ergebnisbeitrag für die Leipziger Gruppe lieferten einmal mehr die Leipziger Stadtwerke. Diese konnten ihr Ergebnis auf 71,2 Mio. Euro erhöhen. Wesentlich dazu beigetragen haben laut Geschäftsbericht die Auflösung von Vorsorgerückstellungen sowie die erfolgreiche Teilnahme an einer Ausschreibung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz.

Wirtschaftlich verbessert hat sich die Situation auch bei den Wasserwerken, dies wurde teilweise auch positiv durch Effekte, wie die Auflösung von Rückstellungen aus den endgültig abgeschlossenen Finanzprozessen positiv beeinflusst.

Das Ergebnis vor Ergebnisabführung stieg auf 41,3 Mio. Euro, im Jahr 2020 hatte unterm Strich noch eine Minus von 27,2 Mio. Euro gestanden – wegen eines steuerlichen Sachverhalts.

Finanzprozesse: Wasserwerke schließen Vergleich mit Schuldnern

Die Wasserwerke hatten Ende vergangenen Jahres mit potenziellen Schuldnern von Schadenersatzansprüchen Vergleichsvereinbarungen abgeschlossen, diese hätten sich in Vergleichsverhandlungen jeweils zu einer Zahlung in einem siebenstelligen Millionen-Euro-Bereich verpflichtet, heißt es.

Die Wasserwerke gingen davon aus, dass ihnen im Zusammenhang mit der Beratung zum Abschluss komplexer synthetischer Finanztransaktionen (Collateralized Debt Obligations und Credit Default Swaps jeweils Schadenersatzansprüche zustanden.

Crowdfunding-Hilfs-Aktion für Ukraine erreicht Rekordergebnis

Über sein Kerngeschäft hinaus engagierte sich das Unternehmen auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Leipzig und für Schutzbedürftige des Kriegs gegen die Ukraine.

"Ich freue mich, dass auf der Crowdfunding-Plattform der Gruppe die selbst gesteckte Marke von rund 600.000 Euro schon fast erreicht wurde. Das ist einsamer Spendenrekord auf der Leipziger Crowd", sagte Michael M. Theis. (hoe)

Leipziger-Gruppe: Zahlen Geschäftsjahr 2021

 

2020

2021

Konzernumsatz

2, 27 Mrd. Euro

2, 39 Mrd. Euro

Ebitda

219,6 Mio. Euro

224,7 Mio. Euro

Konzernergebnis

18,0 Mio. Euro

40,8 Mio. Euro

Eigenmittel

1,14 Mrd. Euro

1,19 Mrd. Euro

Nettogesamtverschuldung

748,1 Mio. Euro

910,7 Mio. Euro

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