Die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (LVV) hat im Geschäftsjahr 2019 ihre Erträge weitgehend auf Vorjahresniveau gehalten und mit einem Konzernüberschuss von 22,5 Mio. Euro (Vorjahr: 30,6 Mio.) die Planzahlen um 4,8 Mio. übertroffen. Der Umsatz erreichte 2,8 Mrd. Euro (2,79). Weil zugleich die Investitionen um 74 Mio. Euro auf 274,3 Mio. Euro stiegen, erhöhte sich auch die Netto-Verschuldung des Unternehmens deutlich – von 588,9 Mio. auf nunmehr 684,7 Mio. Euro.
Die Investitionsoffensive soll ungeachtet der dramatischen wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise auch im laufenden Jahr fortgesetzt werden. Kernpunkt ist hier der Ausstieg aus der braunkohlebasierten Fernwärmelieferung aus dem Kraftwerk Lippendorf und der Neubau von Eigenerzeugungsanlagen. "Der Kraftakt für uns alle lohnt sich, denn er kommt der gesamten Stadt und dem Umland zugute", so Michael M. Theis, Sprecher der Geschäftsführung der Leipziger Gruppe. "Wir stellen so vor Ort Versorgungssicherheit und Zukunftsfähigkeit in Sachen Energie, Mobilität und Wasser sicher – und machen unsere Region noch lebens- und liebenswerter. Darin sehen wir unsere Verantwortung".
Investitionsprogramm läuft weiter
Allein in das Gaskraftwerk in Leipzig Süd mit zwei Turbinen mit jeweils 62 MW Leistung werden, nebst Großwärmespeicher und Gebäude, mindestens 150 Mio. Euro bis 2022 fließen – davon 60 Mio. für Turbinen und Generatoren. Zudem sollen die Kläranlage Rosenthal erweitert und auch der Fuhrpark der Verkehrsbetriebe mit modernen Fahrzeugen, zum Teil mit alternativer Antriebstechnik, ausgestattet werden. Oberbürgermeister Burkhard Jung hatte dazu dem Stadtkonzern Investitionen von rund zwei Milliarden Euro in den nächsten Jahren und eine entsprechend höhere Verschuldung eingeräumt.
Ob das alles so bleibt, hängt aber von den tiefen Bremsspuren ab, die der monatelange Lockdown der Wirtschaft auch bei den LVV hinterlassen hat. Wie groß die Einbußen bislang sind, will derzeit im Konzern niemand auch nur tendenziell bewerten – aber die Ausfälle dürften enorm sein. Bis Anfang April war etwa der Absatz von Strom für Gewerbekunden um 20 Prozent eingebrochen. Gestiegenem Aufwand beim Betrieb von Bussen und Bahnen oder für die Sicherung der kritischen Infrastrukturen standen deutlich gesunkene Erlöse bei Tickets, aber auch bei Strom, Gas und Fernwärme gegenüber – etwa durch die weitgehend geschlossenen Geschäfte und öffentlichen Einrichtungen. Bisher unklar ist auch, wie groß der Anteil von Stundungen von Rechnungen von in Not geratenen Unternehmen derzeit ist und mit welchen Ausfällen durch Insolvenzen zu rechnen ist. Auch die Turbulenzen an den Energie-Beschaffungsmärkten nannte der Konzern auf eine kürzliche Anfrage der ZfK als mögliche Belastungsquelle.
Personalkosten steigen
Doch auch einige positive Trends aus 2019 könnten sich zumindest verlustmindernd im laufenden Jahr bemerkbar machen. Da ist zum einen der wachsende Kundenkreis. Die Zahl der Einwohner stieg 2019 in Leipzig um mehr als 5000 Bürger, so dass auch die Stadtwerke ihre Erträge von 59,3 Mio. Euro (2018) auf 67,4 Mio. steigern konnten. Zudem sank damit, so steht es im Geschäftsbericht, der Materialaufwand, flankiert von günstigen regulatorischen Effekten. Bei den Wasserwerken kamen knapp drei Mio. Euro zusätzlich in die Kasse. Allerdings wird das Ergebnis vor allem von erstatteten Prozesskosten aus dem Verfahren gegen die Großbank UBS positiv beeinflusst. Das Unternehmen klagt nach wie vor über einen sehr niedrigen Verbrauch von nur 96,1 l Liter pro Kopf am Tag– fast ein Viertel weniger als im Bundesdurchschnitt. Zudem mussten die Wasserwerke wie auch die anderen Konzernbetriebe die deutlich um 8,2 Mio. Euro gestiegenen Personalkosten sowie höhere Abschreibungen verkraften. (masch)



