Die Wuppertaler Stadtwerke beteiligen sich an der Errichtung von Ladesäulen für E-Autos in Wuppertal.

Die Wuppertaler Stadtwerke beteiligen sich an der Errichtung von Ladesäulen für E-Autos in Wuppertal.

Bild: © WSW

"Die Energiewende in den Großstädten wird sich zu einem ganz wesentlichen Teil in den Sektoren Mobilität und Gebäude entscheiden", sagt Markus Hilkenbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Wuppertaler Stadtwerke GmbH (WSW) und ihrer Konzerngesellschaften.Bild: ©WSW Stefan Tesche-Hasenbach

Markus Hilkenbach ist seit Anfang vergangenen Jahres Vorsitzender der Geschäftsführung der Wuppertaler Stadtwerke GmbH (WSW) und ihrer Konzerngesellschaften. Er ist verantwortlich für über 3000 Beschäftigte und leitet einen Kommunalkonzern mit einem Jahresumsatz von zuletzt rund 910 Mio. Euro (2019).

Als Geschäftsführer bei den Wirtschaftsbetrieben Coesfeld im Münsterland ab 2010 und ab 2016 dann auch parallel als Geschäftsführer der Stadtwerke Borken/Westfalen hatte Hilkenbach viel Erfahrung im Bereich interkommunaler Kooperationen erworben. Seit 2018 war er zudem Geschäftsführer der Emergy GmbH, einer gemeinsamen Führungs-und Servicegesellschaft der Wirtschaftsbetriebe Coesfeld und der Stadtwerke Borken/Westfalen.

Herr Hilkenbach, die Stadt Wuppertal will bis 2035 klimaneutral sein. Welchen Beitrag werden die Stadtwerke in den kommenden Jahre für die Energiewende vor Ort leisten?
Neben den üblichen Erneuerbare-Energien-Themen und der Forcierung unserer Wasserstoffaktivitäten wird die Wärmewende ein zentrales Thema sein. Hier investieren wir in den kommenden Jahren über 30 Millionen Euro in den Fernwärmeausbau allein in der Elberfelder Innenstadt.  Zudem werden die Gebäudesanierung und Energiedienstleistungen (EDL) wesentliche Bausteine sein.

Wenn die Energiewende Fahrt aufnimmt, dann sehen wir bei den EDL für uns ein erhebliches Wachstumspotenzial. Das ist Stand heute noch kein großer Bereich bei uns, gleichwohl sind die Ergebnisse auf einem sehr guten Weg. Die Energiewende in den Großstädten wird sich zu einem ganz wesentlichen Teil in den Sektoren Mobilität und Gebäude entscheiden.

Die WSW haben erst vor kurzem ein Ingenieurbüro übernommen, das auf technische Gebäudesanierung spezialisiert ist. Wie stark zahlt dieses auf die Wachstumsstrategie im EDL-Bereich ein?
Der Kernkompetenz des Ingenieurbüros bezieht sich genau auf das gerade fokussierte Thema, die intelligente Energienutzung in Gebäuden. Dieses Know-how verknüpfen wir mit unseren Dienstleistungen im EDL-Bereich. Bereits jetzt trägt das Modell erste Früchte. Es gibt in Wuppertal einen hohen Anteil an denkmalgeschützten Gebäuden.

Vorbilder aus anderen Regionen zeigen, dass es kein Widerspruch ist, denkmalgeschützte Gebäude und Energieanlagen miteinander zu verbinden. Auch da können wir unseren Beitrag zur Klimaneutralität 2035 leisten.

Wie soll die Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro künftig konkret aussehen?
Wir werden bei Ausschreibungen oder bei Projekten, bei denen das Ingenieurbüro in einem sehr frühen Stadium der Bauplanung und Gebäudeentwicklung einsteigt, auch unser EDL-Angebot frühzeitig platzieren. Das ist räumlich nicht auf Wuppertal beschränkt. Unsere EDL-Tochtergesellschaft WSW 3/4/5 ist wie das Ingenieurbüro in ganz NRW tätig.

Welche Kundengruppen visieren Sie bei der Kooperation genau an?
Es geht um Gewerbekunden und natürlich die Immobilienwirtschaft. Das Ingenieurbüro unterstützt uns auch bereits bei den Planungen für unseren Verwaltungsneubau. Die technische Gebäudeausstattung determiniert die Betriebskosten einer Immobilie über Dekaden.

Und hier beginnen die Synergien. Während das Planungsbüro die Klimatisierung projektiert, optimieren unsere EDL-Experten die energiewirtschaftlichen Aspekte – und das alles unter dem Leitgedanken des geringstmöglichen CO2-Fußabdruckes.

Themenwechsel. Im Münsterland haben Sie unterschiedliche Kooperationsmodelle zwischen Kommunalversorgern erfolgreich begleitet und umgesetzt. Im Bergischen Land ist solch ein Projekt vor Jahren ad acta gelegt worden. Wo sehen Sie Potenziale für Kooperationen von Stadtwerken in der Region?
Erfolgreiche Kooperationen brauchen Vertrauen und Zeit. Sie ergeben vor allem bei Themen Sinn, die in den Anfangsjahren ein Henne-Ei-Problem haben. Etwa bei der E-Mobilität oder Digitalisierungs-Plattformen. Das sind Investitionen, die beim Start einen schwierigen Business Case haben. Wenn man sich in diesen Themenfeldern zusammentut, um eine Stückkostendegression zu erreichen, ist das sinnvoll.

Das gilt gerade bei den Innovationsthemen im Bereich Smart City, LoRaWAN, im Bereich Plattformökonomie. Hier lohnt es sich, gemeinsam Lösungen zu finden, die jeder für sich maßschneidern kann, aber die nicht jeder neu für sich erfinden muss. Hier haben wir als Branche noch Luft nach oben.
(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren )

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Wie das Geschäftsjahr 2020 operativ für die Wuppertaler Stadtwerke gelaufen ist, wie Markus Hilkenbach das Unternehmen zu dem Infrastrukturdienstleister für Wuppertal weiterentwickeln will und wie er die weiteren Risiken aus der Beteiligung am Steinkohlekraftwerk von Engie in Wilhelmshaven beurteilt, all das lesen Sie in einem ausführlichen Interview in der aktuellen Printausgabe der ZfK. Diese ist heute erschienen. Zum Abo geht es hier.

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