In der Bild-Zeitung wurde am Dienstag proklamiert, die erste deutsche Großstadt wolle ihr Gasnetz stilllegen und auch sonst wird in der Öffentlichkeit viel über den Rückbau gesprochen. Ist das Ende der Gasnetze also schon geschrieben? Die Chefs der Mainova und der Stadtwerke Dortmund warnen auf der Handelsblatt-Stadtwerketagung in Berlin vor voreiligen Schlüssen.
„Auch mit der kommunalen Wärmeplanung wird es keine Planungssicherheit für alle Kunden geben“, sagt Heike Heim, Vorstandsvorsitzende der Dortmunder Stadtwerke. Gleichzeitig gäbe es aber zunehmend Druck auf die Stadtwerke, etwa von der Industrie und Handwerkskammern, zu erfahren, wie die kommunale Wärmeplaung gestaltet wird.
Der Vorstandsvorsitzender der Mainova, Michael Maxelon, stimmt Heim zu: „Heute kann noch niemand mit Sicherheit sagen, dass ein Gasnetz keine Zukunft hat.“
Um seinen Standpunkt zu erklären, schlägt Maxelon ein Gedankenexperiment vor: „Denken sie sich 20 Jahre zurück, wo standen wir bei der Infrastruktur? Anfang der 2000er-Jahre wurden Anstrengungen unternommen, um sich mit dem Internet zu verbinden – heute sieht es ganz anders aus, wir haben dazu gelernt. Bei der Wärme haben wir auch etwa 20 Jahre, bis sie klimaneutral sein muss.“
Es sei eben auch nicht alles, was nicht über die Fernwärme abgedeckt wird, allein mit der Wärmepumpe abdeckbar. „Aus der Wohnungswirtschaft bekomme ich gespiegelt, dass es sehr schwer ist, mehrstöckige Häuser so zu versorgen.“ Auch in den Spitzenlasten sei es sinnvoll, Wärmepumpen zu unterstützen – auch mit Brennstoffen.
" Wir müssen die Konzessionsverträge anpassen.“ - Heike Heim
„Natürlich müssen wir uns jetzt aber Gedanken machen, wie wir Konzessionsverträge anpassen“, sagt Heim. Wenn es weniger Gasnetze geben soll, müsse die Stilllegung auch rechtlich geklärt werden, damit die Betreiber die Chance hätten, Wirtschaftlichkeit herzustellen.
Bezüglich der Wärmepumpe, merkte Heim zudem an, dass eine Förderung in einem Gebiet, dass für die Fernwärme erschlossen werden soll, widersprüchlich sei.
Rückgang des Gasgeschäfts
Heim betonte, dass im Zuge der Transformation nicht nur das Gasnetz für die Stadtwerke als Betreiber wegfalle, sondern auch der Vertrieb. Das enstehende Finanzierungsloch, erklärte sie, werde sich für viele nicht ausgleichen lassen.
„Ich würde Fragezeichen an den tollen Gedanken setzten, dass Stadtwerke jetzt neue Geschäftsfelder erschließen und dadurch überleben und vielleicht sogar Gewinner der Transformation sind.“ Jeder, der versuche, einen Energielösungsvertrieb aufzubauen, wisse, dass es auf ein gutes Ökosystem ankomme und der Vertrieb nur schwer zu skalieren sei. (pfa)



