Angetrieben durch ein spürbar erfolgreicheres Strom- und Gasgeschäft konnte die Mainova im vergangenen Geschäftsjahr das bereinigte Konzernergebnis vor Steuern (EBT) um 5,8 Mio. Euro auf insgesamt 165,8 Mio. Euro steigern.
Bei der Stromversorgung wurden die negativen Ergebniseffekte der Corona-Pandemie von 2020 durch ein solides Kundenwachstum wieder kompensiert, teilte der Kommunalversorger am Freitag anlässlich der Bilanzvorlage mit. Hier kletterte das Ergebnis um 21,8 Mio. auf 28,1 Mio. Euro. Dazu kam ein erfolgreiches Handelsgeschäft. Bei der Gasversorgung machte sich der vergleichsweise kühle Winter positiv bemerkbar. Negativ wirkten sich hingegen die hohen Preise an den Beschaffungsmärkten aus. Dennoch stand am Ende ein Ergebnisplus um 4,8 Mio. auf 45,2 Mio. Euro.
Eher pessimistischer Ausblick
Im Segment Erzeugung und Fernwärme gab es einen Ergebniseinbruch um 33,8 Mio. auf 22 Mio. Euro. Hier war das Vorjahresergebnis allerdings durch die turnusmäßige Neubewertung der Gaskraftwerke im Portfolio stark positiv beeinflusst.
Mit Blick auf die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr 2022 gibt sich der Vorstand durchaus pessimistisch. Es werde ein bereinigtes Ergebnis „deutlich unter dem Niveau“ des Vorjahres erwartet, hieß es. Dazu kommen die zusätzlichen Risiken durch den Ukraine-Krieg. Die Auswirkungen des Konflikts und der damit verbundenen Unsicherheiten und Turbulenzen an den globalen Energiemärkten seien bisher nicht absehbar, erklärte Mainova-Vorstandschef Constantin Alsheimer.
Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit
Unter Druck stehende „Margen in den Segmenten Strom- und Gasversorgung bei gleichzeitig hohen Anlaufkosten zur Gewinnung neuer Kundinnen und Kunden“ begründeten die rückläufigen Erwartungen im Vertriebsgeschäft für 2022, heißt es im Geschäftsbericht. Beim Gasabsatz werde von einem durchschnittlichen Witterungsverlauf ausgegangen. Gegenläufig könne hingegen die Ergebnisentwicklung im Netzgeschäft Strom und Gas aufgrund von Großprojekten und Einmaleffekten im laufenden Jahr gesteigert werden.
Der Ukraine-Krieg beleuchte energiepolitisch „wie ein Brennglas“ gleichzeitig die zentralen Herausforderungen der Energiewende in Deutschland: Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit, erklärte Alsheimer auf der digitalen Pressekonferenz. Die Politik sei jetzt besonders gefordert, um Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit von Energie für Bürger und Bürgerinnen genauso wie für die Wirtschaft weiterhin zu gewährleisten. „Dazu gehört angesichts einer nie dagewesenen Preisentwicklung auf den Großhandelsmärkten auch die Senkung von staatlichen Abgaben, um die Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Unternehmen zu entlasten“, sagte Alsheimer weiter.
Infrastrukturproblem bei LNG
Die Bemühungen der Bundesregierung, einen möglichst schnellen Abschied von russischen Erdgaslieferungen zu suchen, seien richtig, doch gebe es bei der Umsetzung große Herausforderungen. „Der internationale Gasmarkt ist groß genug, aber wir haben ein Infrastrukturproblem“, erklärte Alsheimer. So mangele es aktuell an Transportkapazitäten für verflüssigtes Erdgas (LNG). Die bisherige Strategie, Erdgas als „Brücke“ hin zu einer dekarbonisierten Welt zu nutzen, müsse sicher neu bewertet werden. Vom Bau 20 bis 30 neuer Gaskraftwerke als Backup für die Versorgungssicherheit sei jedenfalls momentan keine Rede mehr.
Die jüngste Aussage von Bundeswirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck (Grüne), bis Mitte 2024 gänzlich von russischen Gasimporten unabhängig sein zu können, wollte der Mainova-Vorstandschef nicht bewerten. „Die Frage, ob dies möglich ist, kann man derzeit nicht seriös beantworten. Das ist eine riesige Menge, die da ersetzt werden muss“, betonte Alsheimer. Neben einer Diversifizierung der Gasbezugsquellen müsse es darum gehen, so schnell wie möglich den Übergang in die Wasserstoffwirtschaft zu schaffen. „Das ist ohnehin unsere Stoßrichtung.“ (hil)



