Die Hauptversammlung des Frankfurter Regionalversorgers Mainova hat die Voraussetzungen für eine Kapitalerhöhung von bis zu einer Mrd. Euro geschaffen. Das Unternehmen steht vor milliardenschweren Investitionen in die Energie- und Wärmewende. Ein Teil der Aufwendungen soll über eine Stärkung des Eigenkapitals durch Ausgabe von neuen Aktien finanziert werden.
Deshalb hat gestern (30. August) die Hauptversammlung die Bildung eines genehmigten Kapitals beschlossen. Dieses erlaubt dem Vorstand und dem Aufsichtsrat, das Grundkapital je nach Investitionsbedarf flexibel zu erhöhen. Den Aktionären sollen dabei Bezugsrechte und auch ein Vorkaufsrecht eingeräumt werden.
Die Stadt Frankfurt am Main als Hauptaktionärin hält über die Stadtwerke Frankfurt am Main Holding 75,2 Prozent der Anteile an der Mainova, 24,5 Prozent gehören der Thüga AG und die restlichen 0,3 Prozent befinden sich in Streubesitz.
Alsheimer: "Stärkung des Eigenkapitals ist essenziell"
„Wir werden weiterhin für die Menschen und Unternehmen in der Region in unsere Infrastruktur und Dienstleistungen investieren. Um dies auch zukünftig mit einer soliden Eigenkapitalbasis umzusetzen und den Anforderungen der finanzierenden Banken gerecht zu werden, halten wir eine Stärkung des Eigenkapitals der Mainova AG für essenziell“, erklärte der scheidende Mainova-Chef Constantin Alsheimer und dankte der Hauptversammlung für die Zustimmung.
In Summe beabsichtigt die Mainova, in den nächsten fünf Jahren über zwei Milliarden Euro zu investieren. Diese beinhalten unter anderem den weiteren Netzausbau: Allein bis 2027 wird das Unternehmen nach eigenen Angaben für Frankfurt mit den vorgelagerten Netzbetreibern die Stromnetzkapazitäten um rund 50 Prozent erhöhen, ein weiterer darüber hinaus gehender Stromnetzausbau ist geplant.
Mainova will bis 2040 klimaneutral sein
Alsheimer stellte in seiner Rede heraus, dass ein ganz wesentlicher Fokus der Investitionen auf der Dekarbonisierung der Erzeugung liegen wird und verwies auf die Dekarbonisierungsstrategie, die das Unternehmen im vergangenen Jahr verabschiedet hatte: „Mit passgenauen Produkten und Dienstleistungen unterstützen wir unsere Kunden dabei, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Und wir wollen selbst bis spätestens 2040 klimaneutral sein“, erklärte der Vorstandsvorsitzende.
Wesentliche Bestandteile dabei sind der Umbau des Heizkraftwerks West zu einem wasserstofffähigen Vorbild-Kraftwerk, der weitere Ausbau der Fernwärme sowie die Einbindung des Biomassekraftwerks in Fechenheim und die Nutzung von Abwärme aus Rechenzentren. Und auch mit dem massiven Ausbau der erneuerbaren Energien durch unter anderem einen der größten deutschen Photovoltaik-Parks im Boitzenburger Land (Brandenburg) sei das Unternehmen auf einem guten Weg.
Alsheimer spricht von erfolgreicher Diversifizierung und robusterer Aufstellung
Alsheimer, der Anfang 2024 als neuer Vorstandsvorsitzender zur Thüga Aktiengesellschaft wechseln wird, dankte in seiner letzten Rede vor der Hauptversammlung den Mitgliedern des Vorstands und der Belegschaft der Mainova für die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit. „Die Zeit bei Mainova war für mich intensiv, ereignisreich und prägend. Gemeinsam konnten wir in den letzten 18 Jahren vieles erreichen. Dazu zählt unter anderen die Verdopplung des Eigenkapitals und eine Ergebnissteigerung um rund 40 Prozent".
Durch den Erwerb von mehr als 30 Gesellschaften und den Aufbau neuer Geschäftsfelder haben man das Unternehmen strategisch diversifiziert und wesentlich robuster aufgestellt. "Und wir haben einen bundesweiten Vertrieb aufgebaut und uns gut im Wettbewerb behauptet“, erklärte er und ergänzte: „Ich bin überzeugt davon, dass Mainova alle Voraussetzungen hat, um auch in Zukunft die Chancen zu ergreifen, die sich im Zuge der Energiewende bieten.“
Neubesetzungen im Aufsichtsrat
Neu in den Aufsichtsrat wurde Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef gewählt. In seiner anschließenden Sitzung wählte das Gremium ihn zum neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrats.
Josef folgt auf Stephanie Wüst, Stadträtin und Dezernentin der Stadt Frankfurt, die seit 2022 den Aufsichtsrat leitete und auch weiterhin Aufsichtsratsmitglied bleibt. Ebenfalls neu in den Aufsichtsrat gewählt wurden die Frankfurter Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg sowie die Stadtverordneten Martin Frederick Huber und Tina Zapf-Rodriguez. Wiedergewählt wurden neben Stephanie Wüst auch der Stadtkämmerer der Stadt Frankfurt Bastian Bergerhoff. Ausgeschieden sind Professor Dr. Daniela Birkenfeld, Peter Feldmann, Markus Frank und Eugenio Munoz del Rio. (hoe)



