Sachsen, Freiberg: Ein Mitarbeiter steht bei der Qualitätskontrolle an einer Produktionslinie für Solarmodule im Werk der Meyer Burger Technology AG.

Sachsen, Freiberg: Ein Mitarbeiter steht bei der Qualitätskontrolle an einer Produktionslinie für Solarmodule im Werk der Meyer Burger Technology AG.

Bild: © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Der angeschlagene Schweizer Solarhersteller Meyer Burger rechnet damit, in der zweiten Jahreshälfte mehr Solarmodule herzustellen. Dafür sorgen soll die bis Ende des Jahres geplante Inbetriebnahme der zweiten Produktionslinie in Goodyear (Arizona, USA), wie das Unternehmen mitteilt. Langfristige Abnahmeverträge sollen sich im zweiten Halbjahr positiv auf den Umsatz auswirken. Außerdem wurde ein Berater mit der Erstellung eines Sanierungsgutachtens beauftragt.

Die Erholung wäre dringend nötig: In den ersten sechs Monaten 2024 erzielte Meyer Burger einen Umsatz in Höhe von 48,7 Millionen Franken, nach 96,9 Millionen im Vorjahreszeitraum. Für den Umsatzeinbruch sei vor allem die strategische Verlagerung des Geschäfts von Deutschland in die USA verantwortlich, hieß es. Die flüssigen Mittel schrumpften von 158,6 Millionen Franken Ende Juni auf 83,4 Millionen Franken Ende September.

Produktion in Arizona

Meyer Burger hatte die Vorstellung der Halbjahreszahlen drei Mal verschoben. Als Grund wurde die Produktionsverlagerung in die USA genannt. Im ersten Quartal 2024 hatten die Schweizer ihre Modulproduktion im sächsischen Freiberg geschlossen.

Im Juni hatte das Unternehmen dann die erste Fertigungslinie zur Produktion von Solarmodulen in Arizona gestartet. Die Vorbereitungen für die Inbetriebnahme der zweiten Linie seien in vollem Gange, hieß es. Die für die Modulproduktion benötigten Solarzellen werden in Thalheim (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) produziert und auch weiterhin von dort geliefert.

Abbau in Deutschland

Das Unternehmen bekannte sich bei der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen zu den Standorten in Deutschland. Thalheim bleibe "für die Versorgung mit Solarzellen zentral" und auch der Technologiestandort Hohenstein-Ernstthal (Landkreis Zwickau) solle "für die zukünftige Weiterentwicklung der Technologie erhalten bleiben".

Die Verschlankung in der Konzernstruktur werde aber zu einer Reduzierung der weltweiten Mitarbeiterzahl von rund 1050 auf voraussichtlich 850 bis Ende des Jahres 2025 führen. Dem überproportionalen Abbau in Europa stehe dabei ein Aufbau in den USA gegenüber.

Vorhaben gestoppt

Wo genau welche Jobs wegfallen sollen, ist bisher nicht bekannt. Entlassungen seien auch an deutschen Standorten nicht ausgeschlossen, sagte Verwaltungsratspräsident Franz Richter zuletzt. In Hohenstein-Ernstthal hat das Unternehmen ein Technologie- und Produkte-Center, in dem etwa Massenproduktionssysteme entwickelt werden. Diese kommen laut Unternehmensseite in der Fertigungsstätte in Thalheim zum Einsatz.

Noch vor einigen Monaten stand eine Schließung der Solarzellenproduktion in Thalheim im Raum. Jedoch bewertete das Unternehmen den geplanten Aufbau einer alternativen Produktionsstätte in den USA als derzeit nicht finanzierbar und stoppte das Vorhaben, weshalb Thalheim weiter gebraucht wird.

Hohe Finanzlücke

Doch die Vorgänge aus den USA wirken nach. Mit dem Entscheid, das Projekt in Colorado Springs zu stoppen und keine weitere Zellfertigung aufzubauen, könnten erhebliche Anfangsinvestitionen nicht mehr genutzt werden, hieß es nun.

Gleichzeitig sind weitere Investitionen für die Fertigstellung des Modulwerkes in Goodyear erforderlich. "In Kombination führte dies zu einer Finanzierungslücke in hoher zweistelliger Millionenzahl." Der Verwaltungsrat habe einen unabhängigen externen Restrukturierungsberater mit der Erstellung eines Sanierungsgutachtens beauftragt. Das Unternehmen strebe an, die Umstrukturierung zeitnah durchzuführen, "um sich vollständig auf einen stabilen und profitablen Geschäftsbetrieb im Jahr 2026 vorzubereiten".

Geschäftsleitung ausgetauscht

Im September hatte Meyer Burger zudem für Aufsehen gesorgt, als der langjährige CEO Gunter Erfurt bekanntgab, das Unternehmen zu verlassen. Für ihn übernahm der bisherige Verwaltungsratspräsident Franz Richter. "Leider hatten die europäischen Politiker zu viel Angst vor China und waren nicht bereit, die europäische Solarindustrie vor unlauterem Wettbewerb zu schützen und gerade in diesen Zeiten die einmalige Chance zu ergreifen, einen europäischen Jobmotor auf Basis führender europäischer Solartechnologie zu starten", begründete Erfurt damals seinen Schritt.

Außer Gunter Erfurt verließ auch der bisherige CFO Markus Nikles das Unternehmen. Wie Meyer Burger erklärte, solle sich die auf drei Mitglieder reduzierte Geschäftsleitung "zunächst auf die möglichst schnelle Wiedererreichung der Profitabilität konzentrieren". (jk mit dpa)

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