Am Morgen des 15. November hatte die Mitglieder von Zukunft Gas eine Rundmail erreicht, die den Verband als Absender dahinter vermuten ließ: Das Logo von Zukunft Gas, der Betreff "Rundbrief an unsere Mitglieder" sowie der Unterzeichner eines "Mitgliederbeauftragten Alexander Rath" von Zukunft Gas sollten dabei für eine eindeutige Zuordnung sorgen.
Darin wurden die Mitglieder unter anderem aufgerufen, dem Verband die "Treue zu halten" und dem Verein zu helfen, als "glaubwürdiger Akteur in der Energie- und Wärmewende auftreten". Die Absender verwiesen zudem darauf, dass das Label "H2ready" sich bislang als sehr wirksam erwiesen hätte, Wasserstoff trotz der "noch fehlenden wissenschaftlichen Evidenz in die Heizungsdebatte einzubringen“ und "Ihre Kunden so auch weiterhin an die Gasinfrastruktur zu binden".
Die unten angegebene Telefonnummer führte zu den Aktivisten von "WeiterSoKollektiv", die auf ZfK-Anfrage das Absenden bestätigten. "Also das waren schon wir, aber irgendwie auch nicht so richtig. Zukunft Gas, Zukunft oder Gas oder doch WeiterSo?", hieß es dazu nach einer schriftlichen Anfrage.
"Wir stecken mittlerweile so tief in der Kampagne, dass wir uns quasi als Abteilung von Zukunft Gas verstehen, die im Untergrund gegen das WeiterSo! arbeitet. Da kommen uns schonmal Sachen durcheinander, wie zum Beispiel Mail-Adressen und Absender“, so Sam Beiras vom "WeiterSoKollektiv" zu ZfK. Aus ihrer Sicht sei der Verband eine "Greenwashing-PR-Maschine, die sich mit einem Millionenbudget an den letzten Strohhalm der fossilen Industrie" klammere.
Bei einer E-Mail ist es allerdings nicht geblieben. Wenige Stunden später erreichte die Mitglieder von Zukunft Gas eine weitere E-Mail, die angeblich vom Vorstand des Lobbyverbandes stammte. Darin entschuldigt sich der Verband für die "zunehmenden Unannehmlichkeiten, die Ihre Mitgliedschaft in unserem Verband dieses Jahr sicherlich verursacht hat" und verspricht, die Aktivisten mit rechtlichen Mitteln in die Schranken zu weisen und die Mitglieder im Umgang mit kritischen Nachfragen vonseiten der Presse zu unterstützen.
"Zukunft Gas hat diese Mails nicht verschickt"
Mit den beiden Mails habe Zukunft Gas selbstverständlich nichts zu tun, betonte ein Sprecher auf ZfK-Nachfrage. Gegen den Missbrauch des Namens von Zukunft Gas und die Täuschung der Mitglieder prüfe der Verband nun rechtliche Schritte. Generell wolle sich der Verband zu den Aktionen nicht ausführlich äußern, um "WeiterSoKollektiv" so nicht zusätzliche mediale Aufmerksamkeit zu geben, um die es ihnen hier offenbar gehe, so der Sprecher weiter.
Unabhängig von der Kampagne von "WeiterSoKollektiv" haben zuletzt mehrere Unternehmen ihre Mitgliedschaft bei Zukunft Gas gekündigt, zuletzt Gelsenwasser Energienetze. Richtig sei, dass einzelne Stadtwerke in den vergangenen Wochen dem Druck dieser "unsachlichen Kampagne“ nachgegeben und ihre Mitgliedschaft bei Zukunft Gas gekündigt hätten, hieß es damals.
"Keine Austrittswelle"
"Von einer Austrittswelle kann aber nicht die Rede sein. Auch mit den Stadtwerken, die ihren Austritt erklärt haben, sind wir weiter in einem guten Austausch, da sie weder den Kurs der Transformation zu einem klimaneutralen Energiesystem verlassen wollen noch die Versorgung ihrer Bürgerinnen und Bürger von heute auf morgen beenden können und wollen", erläuterte der Sprecher von Zukunft Gas weiter. (am)
