Dirk Sattur (im Bild) übernimmt von Adolf Schweer.

Dirk Sattur (im Bild) übernimmt von Adolf Schweer.

Bild: © Mitnetz Strom

Von Pauline Faust

So viel hat der Netzbetreiber Mitnetz noch nie in den Netzausbau investiert: Im Vergleich zum Vorjahr erhöht das Unternehmen seine Ausgaben erneut um 40 Prozent auf 565 Millionen Euro. "Im Jahr 2020 waren es noch 288 Millionen Euro", berichtet der technische Geschäftsführer von Mitnetz Strom, Dirk Sattur, bei der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens aus Halle (Saale).

Für den Manager ist es die vorerst letzte Bilanz bei der EnviaM-Tochter, Sattur wechselt Ende April in den Vorstand der Badenova. Künftig steht der kaufmännischen Geschäftsführerin von Mitnetz, Christine Janssen, Lutz Eckenroth zur Seite.

US-Zölle hindern Netzausbau nicht

Das länderübergreifende Netzgebiet weise inzwischen eine installierte Leistung von mehr als 12 Gigawatt auf. Das läge nicht nur am Netzausbau, auch die Baukosten seien um bis zu 30 Prozent gestiegen.

Von den aktuellen Ereignissen rund um die US-Zölle werde Mitnetz wohl nicht betroffen sein, prognostiziert Sattur: "Nach einer ersten Analyse beziehen wir keine Betriebsmittel aus den USA – abschließend lässt sich aber noch nicht sagen, ob es doch irgendwo Probleme in der Lieferkette geben wird."

Der Ausbau digitaler Ortsnetztrafostationen sei weiterhin dringend erforderlich, da die Anforderungen an die Stromnetze nach wie vor enorm stiegen. Bis heute seien um die 1.000 Stationen als digitale Ortsnetzstationen (digiONS) neu aufgebaut oder bestehende  nachgerüstet worden. Bis 2030 sollen mehr als 7.000 hinzukommen. Insgesamt zählt das Unternehmen etwa 20.000 Ortsnetztrafostationen.

"Mit einer Überwachung von 30 Prozent können wir das ganze Netz sichtbar machen." - Dirk Sattur

"Mit einer Überwachung von 30 Prozent unseres Netzes und einer Steuerbarkeit von 20 Prozent können wir das ganze Netz sichtbar machen", erklärt Sattur. Ziel ist es, den Leistungsbedarf besser zu beobachten und entsprechende Maßnahmen bei einer drohenden Überlastung der Verteilnetze einzuleiten. Insgesamt investiert Mitnetz bis 2030 mehr als 225 Millionen Euro in die Digitalisierung und Smartifizierung des Stromnetzes.

Beim Smart Meter Rollout ist der Netzbetreiber noch beim unteren Drittel der zu installierenden Kapazitäten. Aktuell seien 63.000 intelligente Messsysteme (iMSys) installiert, bis 2032 sollen im gesamten Netzgebiet mehr als 170.000 iMSys am Netz sein. "Wir werden die gesetzlich vorgegebenen Ziele pünktlich erreichen", betont Sattur.

Hohe Nachfrage von allen Seiten

Es gebe zahlreiche Netzanschlussanfragen von Industrie sowie Betreibern von Batteriespeichern und Rechenzentren, sagt Christine Janssen. Aber auch im Privatbereich bricht der PV-Zubau nicht ab, im Netzgebiet gebe es dafür noch viel Potenzial.

"Die hohe Nachfrage nach unseren Infrastrukturleistungen führt bei uns zu einem unvermindert hohen Investitionsniveau auch in den kommenden Jahren", sagt Janssen. "Bis 2030 sind bei Mitnetz Strom mehr als drei Milliarden Euro für den Ausbau und die Entwicklung des Netzes geplant."

Auf die seit zwei Jahren stark gestiegene Zahl an Anschlussanfragen habe Mitnetz mit erheblicher personeller Verstärkung sowie optimierten und digitalisierten Prozessen reagiert. Dadurch könnten Netzanschlüsse vor allem im Haushaltskundenbereich inzwischen deutlich zügiger umgesetzt werden. "Auch die Behörden haben ihr Personal aufgestockt, allerdings hakt es momentan noch bei den unteren Behörden, also auf kommunalen Ebenen", erklärt Sattur.

Einspeiser müssten derzeit aufgrund der hohen Vorgangszahlen teilweise noch auf eine EEG-Auszahlung warten. "Selbstverständlich werden erworbene Vergütungsansprüche rückwirkend ausgezahlt", so Janssen.

Mitnetz gibt politische Impulse

Jüngst setzte die Geschäftsführerin politische Impulse, wie die Netzkosten in Zukunft geregelt werden: Eine gerichtete Industrieansiedlung und ein kosteneffizienter Netzausbau seien dafür entscheidend. "Wir müssen hier künftig Kosten aus dem System rausnehmen respektive diese gar nicht erst entstehen lassen", forderte Janssen beim "Energy for Future Leaders Kongress" der Energieforen in Leipzig.

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