Von Hans-Peter Hoeren
Auf deutlich mehr Freiheiten im Bereich Netzanschlüsse hofft Christine Janssen, Geschäftsführerin der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom. Hier wünscht sie sich von der künftigen Bundesregierung fexiblere Regelungen und mehr Freiheiten, um für das Energiesystem Alternativen zu den bisher üblichen Vorgehensweisen zu entwickeln und so unnötige Kosten einzusparen.
Momentan erhalte derjenige, der als erstes einen Antrag stelle, eine Netzberechnung und dann einen Anschluss. "Das führt dazu, dass wir ein sehr teures System bauen, weil wir nicht danach schauen können, in welchen Netzregionen gerade noch Einspeiser gut ins Netz passen und wo es eigentlich schon Redispatch gibt in höherem Umfang und eher noch zusätzliche Lasten erforderlich sind", sagte Janssen bei einer Podiumsdiskussion des "Energy for Future Leaders Kongress" der Energieforen in Leipzig.
"Überschusseinspeisung für kleine Anlagen komplett abschaffen"
"Wir müssen hier künftig Kosten aus dem System rausnehmen respektive diese gar nicht erst entstehen lassen", forderte Janssen. Dort, wo bereits sehr viel Redispatch entstehen werde, plädiert sie für einen Redispatchvorbehalt. Dies würde bedeuten, dass dort Anlagen, die ins Netz einspeisen, keine Entschädigungen mehr bekommen.
"Die erneuerbaren Energien sind zunehmend systembestimmend und dürfen an verschiedenen Stelle auch mal erwachsen werden", stellte die Geschäftsführerin der Netzgesellschaft klar.
Dazu gehörten neben der Erfüllung von bestehenden technischen Anforderungen auch ein Beitrag zu Kosteneinsparungen an verschiedenen Stellen des Gesamtsystems. Dies könne etwa auch über Baukostenzuschüsse erfolgen. Bei kleineren EE-Anlagen im Aufdachbereich könne man zudem überlegen, die Überschusseinspeisung komplett abzuschaffen. "Diese Anlagen rechnen sich auch so." Es gehe darum, hier auch zusätzliche Anreize für den Bau von Speichern zu schaffen.
Netzampel und weitere Entlastungen für Verbraucher und Industrie
"Wir brauchen grundsätzlich einen Ideenwettbewerb, wie man das Gesamtsystem günstiger macht, beispielsweise in dem man im Bereich Ansiedlung günstigere Netzpunkte wählt." Dies könne beispielsweise über eine Netzampel erfolgen, die Orientierung geben könne, wo ein entsprechender Ausbau noch sinnvoll ist. Einen ähnlichen Vorschlag hatten jüngst RWE-Chef Markus Krebber und Eon-Chef Leonhard Birnbaum in einem Positionspapier formuliert.
Auch im Bereich Offshore-Energie sieht sie Einsparpotenziale, etwa im Bereich der Verschattungseffekte oder bei den Kosten der Netzanschlüsse.
Um die Verbraucher zu entlasten, brachte Janssen neben der breit diskutierten Senkung der Stromsteuer und Zuschüssen zu den Übertragungsnetzentgelten einen neuen Ansatzpunkt in die Debatte. Es geht um den neuen Kostenmechanismus zur Kostenentlastung von Gebieten mit hohem Erneubaren-Anteil zu nehmen, der aktuell über eine Umlage auf Gebiete mit geringerem Ausbau gewälzt wird.
Diese Umlage sei mittlerweile auf über zwei Milliarden Euro angestiegen. Diesen Betrag könnte man nehmen und bezuschussen, darüber käme sowohl bei Haushalten als auch bei der Industrie eine zusätzliche Entlastung an. Auch so könne man die Akzeptanz für die Energiewende erhöhen.
Mehr dazu aus dem ZfK-Archiv:
Billigere Energiewende: Kostendrücker und ihre Fallstricke
Chefs von Eon und RWE sehen riesige Einsparpotenziale bei weiterer Energiewende
Bundesnetzagentur veröffentlicht Auswirkungen der Erneuerbaren-Netzkostenverteilung


