Nachgerechnet: Über gestiegene Abschläge in Höhe von 450 bis 900 Prozent hatte die Münstersche Zeitung berichtet.

Nachgerechnet: Über gestiegene Abschläge in Höhe von 450 bis 900 Prozent hatte die Münstersche Zeitung berichtet.

Bild: © towfiqu barbhuiya via Unsplash

Die Stadtwerke Münster entschuldigen sich bei einem Teil ihrer Fernwärme-Kunden. In den kommenden Tagen schreiben sie den rund 1.900 ehemaligen Kunden der Westfälischen Fernwärmeversorgung, die im Oktober teilweise extreme Steigerungen in ihren neuen Abschlägen erhalten hatten.

Eine kurzfristige interne Analyse zeigte nun: Den neuen Berechnungen lagen vielfach zu hohe Verbrauchsdaten zugrunde, so erklärte es das Unternehmen.

Die Stadtwerke Münster hatten die Westfälische Fernwärmeversorgung zu Beginn des Jahres übernommen. Bei der Systemintegration in die Stadtwerke Münster sei dann ein Fehler passiert. Es wurden anstelle des Verbrauchs der beiden Vorjahre abweichende historische Verbrauchsdaten übermittelt.

Der Fehler bei den Verbrauchsdaten beträfe nicht alle der 1.900 Kunden gleichmäßig. Während bei rund der Hälfte aller Abschlagspläne doppelt bis dreifach erhöhte Verbräuche zugrunde lägen, würde die andere Hälfte aller Abschlagspläne keine signifikanten Abweichungen aufweisen.

„Menschlicher Fehler“

„Es tut uns sehr leid, dass wir die Kunden enttäuscht und geschockt haben. Bei der Erstellung der Abschlagspläne ist ein menschlicher Fehler passiert, der uns selbst ärgert und für den wir vielmals um Entschuldigung bitten“, sagt Sebastian Jurczyk, Geschäftsführer der Stadtwerke Münster. „Wir setzen alles daran, uns das verlorene Vertrauen wieder zu verdienen.“ Die Lokalpresse hatte zu dem Fall berichtet.

Man arbeite den Vorfall intern intensiv auf und nehme ihn zum Anlass, um weitere Plausibilitätsprüfungen in den Systemen zu installieren.

Bereits durch Preisbremsen belastet

Erschwerend komme hinzu, dass die Integration der Westfälischen Fernwärme in die IT-Systeme mit der Abwicklung der Preisbremsen zusammenfällt.

„Dies bringt die IT-Systeme und die Mitarbeitenden an den Rand der Belastungsgrenze und führt auch dazu, dass menschliche Fehler passieren“, meint Jurczyk. Die betroffenen Haushalte wollen die Stadtwerke zu einer Infoveranstaltung Anfang November einladen, um offene Fragen zu beantworten und konkrete Hilfestellung zu geben.

Abschläge bleiben wegen den Krisenpreisen hoch

Auch die korrigierten Abschlagspläne für die ehemaligen Kunden der Westfälischen Fernwärme enthalten deutlich höhere Abschläge als noch im Vorjahr. Grund dafür seien die im Krisenjahr 2022 extrem gestiegenen Energiepreise, die erst im Folgejahr im Fernwärmepreis bemerkbar werden.

Bis Mitte Dezember die neuen Fernwärmepreise für 2024 vorliegen, ist dieser ungebremste Preis Grundlage für die Abschlagsberechnungen ab Januar. Bis dahin, so hoffen die Stadtwerke Münster, ist auch ein weiterer großer Unsicherheitsfaktor für die Entwicklung der Energiepreise politisch geklärt: die Verlängerung der Wärmepreisbremse bis Ende März 2024. (pfa)

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