Stephan Lommetz ist Geschäftsführer der Stadtwerke Neuss.

Stephan Lommetz ist Geschäftsführer der Stadtwerke Neuss.

Bild: © Stadtwerke Neuss

Die aktuelle politische Diskussion um das Gebäudeenergiegesetz hat das Contracting-Geschäft nicht leichter gemacht. „Die politische Diskussion wird sehr eindimensional geführt, das hat viele Menschen verunsichert. Allein mit der Wärmepumpe wird es nicht gehen“, verdeutlicht Stephan Lommetz, Geschäftsführer der Stadtwerke Neuss.

Viele Hauseigentümer hätten erst einmal abgewartet, die Nachfrage nach gasbetriebenen Brennwertgeräten sei extrem gestiegen. „Wir müssen in das Thema Ruhe reinbekommen und den Investitionsstau in den Heizungskellern erst einmal mit den vorhandenen Technologieoptionen auflösen“, so Plädoyer von Lommetz. Hierzu müssten vor allem die Produktions- und Handwerkerkapazitäten weiter erhöht werden.
 

Roland Gilges ist Geschäftsführer von German Contract, der Contracting-Tochter der Stadtwerke Neuss.Bild: © German Contract

Technologieoffenheit sei hierbei zentral. „Der wirkungsvollste Booster in diesem Bereich ist die Mund-zu Mund-Propaganda. Wenn wir beispielsweise den Kunden von einer Hybridlösung überzeugen und es funktioniert“, so Lommetz weiter.

"Mehr Offenheit auch in Diskussion um Pelletheizungen nötig"

Wenn das die Nachbarschaft oder die Bekannten mitbekämen, könne das einen Multiplikatoreffekt haben. Wenn man hingegen alles einschränke und nichts zulasse, werde das Potenzial der vorhandenen Optionen nicht ausreichend genutzt. Das gelte auch für die Diskussion um Pelletheizungen, die in bestimmten Gebieten, etwa mit hohem Restholzanteil und entsprechend kurzer Logistikkette, durchaus sinnvoll sein könnten. Auch dort benötige man mehr Offenheit.

Die Stadtwerke Neuss sind 2005 mit der Tochtergesellschaft German Contract in das Contractinggeschäft eingestiegen. Angefangen von der Beratung, Planung, über Finanzierung, Installation bis zur Betriebsführung der Anlagen, etwa einer Heizung, übernimmt, wie beim Contracting üblich, German Contract auch das Betriebsrisiko. Der Kunde zahlt einen monatlichen Grundpreis  für die Investition und Betriebsführung und den Abschlag für den Wärmearbeitspreis . Die Vertragslaufzeiten sind meistens 10 bis 15 Jahre, so dass sich die Anlagen in dieser Zeit entsprechend amortisieren.

Gleichbehandlung gegenüber anderen Finanzierungsarten zentral

Wichtig für die Contractingbranche sei insbesondere ein Level-Playingfield gegenüber anderen Investitionsarten in die Energiewende, ergänzt Roland Gilges, Geschäftsführer von German Contract. „Wenn ein Bürger plötzlich die Mehrwersteuer für den Kauf von PV-Anlagen nicht mehr zahlen, bei einer Contractingleistung aber nach wie vor diese Abgabe entrichten muss, dann ergibt das einen Preisunterschied, den wir so schnell nicht ausgleichen können“.

Zudem werde beim Thema Contracting in erster Linie an Investoren gedacht, aber auch für die Mittelschicht könne ein Wärmepumpen-Contracting attraktiv sein. „Contracting und Pachtmodelle sind oft Lösungen für Kunden, die noch nicht überall bekannt sind. Wenn diese von der Politik erkannt würden und immer in gleichem Maße förderfähig wären, würde dies bei der Energiewende sehr helfen“, sagt Gilges. Grundsätzlich müsse vieles einfacher und Bürokratie abgebaut werden.

"Einfache Vorgaben und Gesetze können schneller umgesetzt werden"

Roland Gilges sieht zudem auch im Mieterstrombereich noch viel Potenzial für Contracting. Hier sorgten die bisherigen gesetzlichen Vorgaben, insbesondere die EEG-Abgaben bei Stromlieferungen an Dritte, dafür, dass diese Modelle oft unwirtschaftlich waren. 

Mit dem EEG 2023 entfalle diese Abgabe und mache es nun etwas leichter.  Grundsätzlich gelte: Einfache Vorgaben und Gesetze würden von allen besser verstanden und könnten schneller umgesetzt werden. „Das ist wichtig, um die Energiewende bis 2045 mit vielen weiteren bestehenden Herausforderungen überhaupt zu schaffen“. (hoe)

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