Seit dem 20. März ruht der Geschäftsbetrieb bei den MV Werften an den Standorten Wismar, Stralsund und Warnemünde. Anfang April hatte der Schiffbaukonzern die Rechnungszahlung für zwei seiner riesigen Kreuzfahrtschiffe für den asisatischen Markt eingestellt. Laut "Ostseezeitung" soll das Unternehmen auch bei den Stadtwerken Wismar noch offene Rechnungen im Umfang von drei bis vier Millionen Euro haben. Darüber soll der Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) die Stadtpolitik informiert haben, die Zeitung beruft sich dabei auf verschiedene Quellen. Offiziell wollten das weder die Stadt noch Stadtwerkechef Andreas Grzesko bestätigen. Eine ZfK-Anfrage blieb mit Verweis auf eine größere Veranstaltung unbeantwortet.
Gegenüber der Regionalzeitung bestätigte Grezsko aber "intensive Verhandlungen" mit MV Werften. Das mehrheitlich kommunale Unternehmen – die Stadt halten 51 Prozent der Anteile, die E. Dis AG die restlichen 49 Prozent – beliefert alle drei Werftstandorte sowie die MV Werften Fertigmodule. Die Stadtwerke Wismar gehören zu den kleineren Kommunalversorgern. Der Jahresumsatz in 2017 und 2018 lag laut Bundesanzeiger zwischen 45 und 50 Mio. Euro, der Jahresüberschuss fiel in Relation dazu mit um die fünf Mio. Euro relativ hoch aus. Das Unternehmen beschäftigt rund 90 Mitarbeiter.
Zulieferer beantragen Staatshilfe
Bei den MV Werften sind bis Ende Juni die meisten der rund 3100 Beschäftigten in Kurzarbeit. Allein für dieses Jahr benötigt das Unternehmen nach eigenen Angaben Staatshilfen im Umfang von 600 Mio. Euro. Gespräche zwischen Bund und Land laufen hierzu bereits seit längerem. Aber auch zahlreiche Zulieferer sind durch die Außenstände der Werft in ihrer Existenz bedroht. Dem Landeswirtschaftsministerium sollen knapp ein Dutzend Anträge auf Staatshilfe von Zulieferbetrieben vorliegen, es geht um insgesamt 2,7 Mio. Euro. (hoe)



