Der Mannheimer Energiekonzern MVV Energie hat trotz Belastungen infolge der Corona-Pandemie das Ende September abgeschlossene Geschäftsjahr 2020 mit einem Gewinnplus abgeschlossen und erwartet auch für die Zukunft keine Ergebnisdelle. "Unser robustes Geschäftsmodell gibt uns auch in unsicheren Zeiten Stabilität", sagte Vorstandschef Georg Müller am Donnerstag auf der Online-Bilanzpressekonferenz.
Für das laufende Geschäftsjahr 2021 geht Müller davon aus, sowohl bei den Umsatzerlösen als auch beim operativen Ergebnis "mindestens" das Niveau des abgelaufenen Jahres erreichen zu können.
Pandemie belastet mit 30 Mio. Euro
Für die Bilanz 2020 (1. Oktober 2019 bis 30. September 2020) konnten die Mannheimer beim operativen Ergebnis (Adjusted EBIT) ein Plus von vier Prozent auf 233 Mio. Euro verbuchen. Unterm Strich kletterte der bereinigte Jahresüberschuss nach Fremdanteilen um sechs Prozent auf 104 Mio. Euro. Bei den Umsatzerlösen gab es wegen Corona aufgrund von Preiseffekten im Energie-Großhandel und durch Verschiebungen bei Projektentwicklungen vor allem im Solarbereich ein Minus von sechs Prozent auf 3,5 Milliarden Euro.
Die Pandemie habe sich mit insgesamt 30 Mio. Euro belastend auf das Ergebnis der Unternehmensgruppe ausgewirkt, erklärte Müller. Ins Kontor schlugen ein geringerer Energieverbrauch ebenso wie der sehr milde Winter 2019/20 und der damit verbundene schwache Wärmeabsatz.
Hohe Verfügbarkeit eigener Kraftwerke
"Wir haben erfolgreich gegen diese Ergebnisbelastungen gearbeitet", erklärte der MVV-Chef. Insbesondere durch die im Laufe des Geschäftsjahres in Betrieb gegangenen neuen Anlagen und eine sehr hohe Verfügbarkeit der eigenen Kraftwerke habe man die negativen Effekte mehr als ausgleichen können.
MVV Energie hatte im November 2019 in Kiel ein neues Gasmotorenkraftwerk in Betrieb genommen. Zudem wurde im Frühjahr eine thermischen Abfallverwertungsanlage auf der Friesenheimer Insel im Mannheimer Norden an das eigene Fernwärmenetz angebunden.
Kohleausstieg wirft Schatten voraus
Daneben geht der Ausbau der Stromerzeugung aus Erneuerbaren weiter. So kletterten die eigenen erneuerbaren Kapazitäten um acht Prozent auf 512 Megawatt und die erneuerbare Stromerzeugungsmenge um elf Prozent auf über 1,2 Milliarden Kilowattstunden. Allein das aus der Windkraft erwirtschaftete Ergebnis habe um vier Mio. Euro über dem Vorjahr gelegen, sagte Müller.
Auf der anderen Seite wirft der Kohleausstieg auch bei MVV Energie seine Schatten voraus. Für die drohende frühzeitige Stilllegung von Block 9 des Großkraftwerks Mannheim (GKM), an dem der Konzern mit 28 Prozent beteiligt ist, sei bereits ein „mittlerer einstelliger Millionenbetrag“ zurückgestellt worden, erklärte Müller. Mit weiteren Abschreibungen sei in den kommenden Jahren zu rechnen.
Schon bald Projekte mit First State
Block 9 war erst Anfang 2015 in Betrieb gegangen. Über eine eventuelle Teilnahme an einer Stilllegungsauktion werde das GKM-Konsortium (neben MVV noch RWE mit 40% und EnBW mit 32%) gemeinsam entscheiden.
Mit dem neuen Anteilseigner First State, der seit Mitte dieses Jahres 45,8 Prozent an dem Energieversorger hält, werde es schon bald gemeinsame Projekte geben, kündigte der MVV-Chef an ohne nähere Details zu nennen. „Wir sind an ersten konkreten Themen dran. Es zeichnen sich viele Anknüpfungspunkte ab“, so Müller zu Kooperationen mit dem internationalen Finanzinvestor.
Lob für die EEG-Novelle
Die erstmals seit vielen Jahren auf 95 von zuvor 90 Cent erhöhte Dividende habe hingegen nichts mit First State als neuem Investor zu tun. „Diese Entscheidung resultiert ausschließlich aus dem Ergebnis und der Perspektive für 2021.“
Viel Lob gab es von Müller für die anstehende Verabschiedung des weiter entwickelten Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Die Novelle bringe wesentliche Verbesserungen insbesondere für den notwendigen Ausbau der Windenergie. Und zwar nicht nur für Süddeutschland. Für die künftige Bundesregierung stehe allerdings eine erneute Novellierung auf der Agenda. Im Blickpunkt müssten dann eine Reform der Steuern und Abgaben sowie ein weiteres Anheben des Erneuerbaren-Ziels stehen, betonte der Konzernchef.
Umbau der Wärmenetze
Das von der Bundesregierung ebenfalls vorangetriebene neue Förderinstrument der „Bundesförderung effiziente Wärmenetze“ (BEW) setze zwar an der richtigen Stelle an, sei aber „für die notwendigen Anreize zur Transformation der Wärmenetze noch deutlich unterfinanziert“. (hil)



