Der erhebliche Einbruch beim deutschen Windenergieausbau im vergangenen Jahr hat sich beim Projektentwicklergeschäft des Mannheimer Versorgungskonzerns im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2019 (1. Oktober 2018 bis 30. September 2019) deutlich ausgewirkt. So halbierte sich das Ergebnis im Berichtssegment "Neue Energien" in den Monaten Oktober bis Dezember im Vergleich zum Vorjahresquartal auf 23 Mio. Euro, wie das mehrheitlich kommunale Unternehmen am Freitag mitteilte. Insgesamt ging das bereinigte operative Ergebnis (Adjusted EBIT) der MVV im ersten Quartal um die Hälfte auf 67 Mio. Euro von 133 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum zurück. Dazu trugen aber weitere temporäre Effekte bei, weswegen Konzernchef Georg Müller die Jahresziele nicht in Gefahr sieht.
Als wichtigen Grund für den Einbruch im Windkraftgeschäft hatte Konzernchef Georg Müller bereits auf der Bilanzpressekonferenz im Dezember die – inzwischen korrigierte – Privilegierung der sogenannten Bürgerenergiegesellschaften ausgemacht. "Wenn professionelle Projektentwickler in Ausschreibungen keine Zuschläge erhalten, weil diese an privilegierte Projekte ohne Genehmigung gehen, dann können sie in dieser Zeit auch keine Windparks entwickeln und bauen", so Müller. Doch in den kommenden Monaten soll es aufwärts gehen.
Gesunkener Wärmeabsatz, geringeres Windaufkommen
So hätten die beiden MVV-Projektentwicklungsgesellschaften Juwi und Windwärts in den Ausschreibungsrunden nach Aussetzung der Privilegierungen 2018 den Zuschlag für 13 Wind-Onshore-Projekte und fünf Photovoltaik-Freiflächenanlagen in Deutschland erhalten. In Verbindung mit dem anziehenden internationalen Geschäft der Juwi – die nach der inzwischen vollzogenen Anteilsaufstockung zum ersten Mal mit 100 Prozent in der MVV-Bilanz enthalten ist – und neuen Projekten in Südafrika, USA, Australien, Japan und Vietnam rechnet MVV-Chef Müller bis zum Ende des Geschäftsjahres 2019 mit einem "deutlichen Ergebnisanstieg" im Segment "Neue Energien".
Zusätzlich belastet wurde das MVV-Quartalsergebnis durch zwei im Vorjahr erzielte Verkaufserlöse, die zu positiven Einmaleffekten in den Berichtssegmenten "Kundenlösungen" und "Versorgungssicherheit" in Höhe von gut 30 Mio. Euro geführt hatten – und in diesem Jahr nicht wiederholbar waren. Im Einzelnen handelt es sich dabei um den Verkauf eines Glasfasernetzes in der Region Mannheim sowie eines Contracting-Projekts in Berlin, sagte ein MVV-Sprecher der ZfK. Hinzu kamen im 1. Quartal 2019 weitere Belastungen im Umfang von insgesamt rund 12 Mio. Euro durch Nachlaufkosten des in den nächsten Monaten vom Netz gehenden Gemeinschaftskraftwerks in Kiel (GKK) sowie durch Witterungseinflüsse, wie einem gesunkenen Wärmeabsatz durch den bisher milden Winter, einem geringeren Windaufkommen und damit einer schwächeren Stromerzeugung in den eigenen Windkraftanlagen, höheren Transportkosten durch das Niedrigwasser im Rhein sowie gestiegenen Substratkosten in den Biogasanlagen durch die anhaltende Trockenheit im vergangenen Sommer.
Konzernchef Müller: wenig aussagekräftige Momentaufnahme
Aufgrund der Sondereffekte sei das Quartalsergebnis nur "eine wenig aussagekräftige Momentaufnahme", erklärte Konzernchef Müller. "Mit unserem operativen Geschäft sind wir dagegen voll auf Kurs." Mit Blick auf das gesamte Geschäftsjahr 2019 bestätigen die Mannheimer ihre Prognose und rechnen weiterhin mit einem operativen Ergebnis etwa auf dem Niveau des Vorjahres von 228 Mio. Euro. Das gelte auch für die Umsatzerlöse, bei denen MVV im Vorjahr 3,9 Mrd. Euro erreicht hatte. Im ersten Quartal sank der Umsatz um 17 Prozent auf 934 Mio. Euro.
Mit Blick auf die vorgelegten Ergebnisse der Kommission "Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung" mahnte MVV-Chef Müller die Bundesregierung, nun "zeitnah die gesetzlichen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Umsetzung" des Konzepts für einen Umbau des Energiesystems zu schaffen. Dabei komme dem beschleunigten weiteren Ausbau der Erneuerbaren eine Schlüsselrolle zu. "Die Geschwindigkeit des Ausbaus der erneuerbaren Energien bestimmt die Geschwindigkeit des Kohleausstiegs", so Müller. (hil)


