Für die Duisburger Kommunalpolitik ist es ein mittleres Beben: Mit Marcus Wittig (52) und Axel Prasch (56) lassen gleich zwei Mitglieder des Vorstands der größten städtischen Gesellschaft, der Duisburger Verkehrs- und Versorgungsgesellschaft (DVV), ihre Ämter im Stadtkonzern und allen weiteren Konzerngesellschaften bis auf Weiteres ruhen.
Externe Rechtsanwaltskanzlei untersucht Hinweise unter Hochdruck
Grund sind anonyme Hinweise an die Stadt und die DVV, die auf Unregelmäßigkeiten bei der Vergütung von ehemaligen Mitgliedern des Betriebsrats innerhalb des DVV-Konzerns verweisen. Zudem wurden Verdachtsmomente im Hinblick auf die Vergütung einzelner leitender Angestellter innerhalb des DVV-Konzerns geäußert.
Die Stadt Duisburg und der Aufsichtsrat der DVV nehmen die Hinweise laut einer Pressemitteilung "sehr ernst". Oberbürgermeister Sören Link (SPD), der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der DVV ist, hat eine externe Rechtsanwaltskanzlei mit einer Untersuchung des Sachverhalts beauftragt. Diese arbeitet laut ZfK-Informationen bereits mit Hochdruck an einer Prüfung der Hinweise. Um diese Untersuchung mit "größtmöglicher Neutralität durchführen zu können", lassen Wittig und Prasch ihre Amtsgeschäfte ruhen.
Staatsanwaltschaft prüft, ob Anfangsverdacht besteht
Auch die Staatsanwaltschaft Duisburg wurde von der Kanzlei über die anonymen Hinweise und die in Auftrag gegebene Untersuchung informiert. "Der Sachverhalt ist der Staatsanwaltschaft zur Kenntnis gebracht worden. Dazu wurde ein Prüfvorgang angelegt. Derzeit wird – auch von Amts wegen – geprüft, ob der Anfangsverdacht einer strafbaren Handlung besteht. Weitere Auskünfte können derzeit nicht erteilt werden", teilt eine Sprecherin der Duisburger Staatsanwaltschaft auf ZFK-Anfrage mit.
DVV-Mitarbeitende wurden von Entwicklung völlig überrascht
Der DVV-Konzern wollte sich mit Blick auf die laufenden Prüfungen nicht weitergehend zu dem Vorgang äußern und verwies auf die Pressemitteilung von Donnerstagnachmittag (15. Januar). Laut ZFK-Informationen soll der anonyme Hinweisgeber über ein hohes Insiderwissen verfügen.
Die Vorgänge sollen arbeitsvertragliche Regelungen betreffen. Dabei soll es nicht nur um die Vergütung, sondern auch um Dienstwagenregelungen und Altersvorsorge gehen. Die Hinweise sollen sich auf die weiter zurückliegende Vergangenheit beziehen, schreibt die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ).
Handlungsfähigkeit des Stadtkonzerns ist sichergestellt
Die jüngsten Entwicklungen kamen offenbar sowohl für die Duisburger Kommunalpolitik als auch die knapp 4600 Mitarbeitenden der DVV völlig überraschend. Bis auf Weiteres werden der Technische Geschäftsführer der DVV, Marcus Vunic, und der Vorstand der wichtigsten DVV-Einzelgesellschaft, Andreas Gutschek, die täglichen Geschäfte des großen Kommunalkonzerns weiter führen. Die Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit ist offenbar sichergestellt.
Wie lange sich die Untersuchungen hinziehen, ist aktuell noch völlig offen. Laut einem Bericht des WDR soll es noch in diesem Monat eine Sondersitzung des Aufsichtsrates geben.
Wittig und Prasch sind langjährige Vorstandsmitglieder
Der frühere Unternehmensberater Marcus Wittig ist seit 2012 Vorstandsvorsitzender der DVV und hat den Stadtkonzern erfolgreich durch eine schmerzhafte Restrukturierung geführt. Seine bisherige Amtszeit ist wirtschaftlich und operativ sehr erfolgreich, sein Vertrag wurde 2022 um weitere fünf Jahre verlängert.
Axel Prasch hat 1990 im DVV-Konzern als Blockleitstandfahrer im Kraftwerk begonnen und bekleidete danach verschiedene Positionen im Betriebsrat. Seit 2016 ist er als Vorstandsmitglied unter anderem für das Personal- und Sozialwesen zuständig.



