Christina Kretzschmar ist Geschäftsführerin der digitalen Ausschreibungsplattform "biddingground" mit Sitz in Leipzig.

Christina Kretzschmar ist Geschäftsführerin der digitalen Ausschreibungsplattform "biddingground" mit Sitz in Leipzig.

Bild: © biddingground

Von Hans-Peter Hoeren

Das Sonderkundensegment arbeitet in der Regel mit individuell ausgehandelten Preisen und oft mit längeren Vertragslaufzeiten. Gerade für kleinere und mittlere Stadtwerke war es bislang schwierig, mittelgroße Gewerbekunden, wie größere Bäckereien mit mehreren Filialen, gezielt zu erreichen. Oft fehlten die Kontakte oder die Markterschließungskosten waren zu hoch. Zudem sind Angebotsprozesse und die Teilnahme an Ausschreibungen oft aufwendig und mit Unsicherheiten behaftet: unklare und unvollständige Datenlage, hoher interner Prozessaufwand. 

Dies will eine neue unabhängige Plattform für digitale Energieausschreibungen aus Leipzig ändern. Über "biddingground“ können Gewerbekunden ihren Bedarf im Sonderkundensegment strukturiert und digital ausschreiben. Versorger erhalten gezielt passende Ausschreibungen, basierend auf zuvor vom Versorger definierten Kriterien. So wird laut dem Anbieter der Aufwand reduziert und die Erfolgswahrscheinlichkeit gesteigert.

Viel Expertise aus dem Stadtwerkeumfeld

"Wir glauben an einen Energiemarkt, in dem nicht Größe, sondern Transparenz und Wettbewerb entscheiden. Mit 'biddingground' schaffen wir einen Ort, an dem Versorger ihre Stärken ausspielen können – effizient, fair und kundennah“, sagt Christina Kretzschmar, Geschäftsführerin von Biddingground.

In einem kleinen Team von drei Leuten wurde die Lösung entwickelt, in die Plattform ist über einen Beirat auch einiges an Expertise aus dem Stadtwerkeumfeld eingeflossen. Die Stadtwerke hätten keine Streuverluste oder Kosten für die Kundengewinnung in einem hart umkämpften Markt. Das Angebot finanziert sich über Provisionen für gewisse Leistungspakete, diese fallen aber beim Geschäftskunden und nicht beim Versorger an.

Zahl der Versorger pro Ausschreibung ist begrenzt

Um die Erfolgswahrscheinlichkeit zu erhöhen, ist die Zahl der maximal teilnehmenden Versorger auf zehn begrenzt. "Ein Stadtwerk kann genau definieren, ob es beispielsweise nur den Strombedarf einer größeren Bäckerei bedienen will und beispielsweise ein Industriebetrieb mit einer Abnahme von 20 Gigawattstunden von vornherein ausscheidet“, so Kretzschmar weiter.

Eine Besonderheit der Plattform sei, dass die Stromkunden genau spezifizieren können, welche Anforderungen Angebote erfüllen sollen. Beispielsweise ob man 20 oder 30 Prozent Mengenflexibilität benötigt oder ein Tool zur Lastganganalyse benötigt.

Während der Strom für Gewerbekunden im Tarifbereich strukturiert, langfristig beschafft wird, setzt man bei Sondervertragskunden auf eine Back-to-back-Beschaffung. Die Angebote haben deshalb in der Regel nur eine kurze Bindefrist von zwei Stunden. Die Margenstrukturen sind hier in der Regel geringer als im Tarifkundengeschäft.

Erste Stadtwerke machen bereits auf der Plattform mit

Der gesamte Ausschreibungsprozess bleibt in den eigenen Händen der Geschäftskunden, von der ersten Bedarfsmeldung bis zur finalen Entscheidung. Unternehmen können zunächst indikative Angebote einholen, Marktpreise vergleichen und anschließend verbindlich ausschreiben. "Alles funktioniert als Self-Service, ohne Makler oder externe Abhängigkeiten. "So behalten Unternehmen jederzeit den Überblick und treffen Entscheidungen auf Basis transparenter Daten“, erklärt Kretzschmar.

Biddingground wird erstmals am 23. und 24. September einem größeren Publikum auf dem Ostdeutschen Energieforum in Leipzig vorgesellt. Die erste Resonanz ist laut Christina Kretzschmar "sehr positiv“. "Wir nehmen viel Interesse in der Stadtwerkebranche wahr und haben auch schon einige Verträge mit Stadtwerken abgeschlossen.“ Dabei handle es sich sowohl um kleinere Kommunalversorger als auch um größere aus Städten mit über 500000 Einwohnern.

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