RWE hat seine Strategie „Growing Green“ für die nächste Dekade vorgestellt. Insgesamt 50 Milliarden Euro sollen demnach in das Kerngeschäft investiert werden, davon 80 Prozent in erneuerbare Energien. Jedes Jahr will der viele Jahre vor allem für die Kohleverstromung stehende Konzern im Schnitt fünf Milliarden Euro in Offshore- und Onshore-Windkraft, Solar, Speicher, flexible Backup-Kapazitäten und Wasserstoff stecken.
RWE erweitere so sein Portfolio in den Märkten Europa, Nordamerika und im asiatisch-pazifischen Raum um 25 auf 50 Gigawatt (GW), teilte der Dax-Konzern am Montag mit. Bislang wollte RWE seine Gesamtleistung pro Jahr um durchschnittlich 1,5 GW steigern. Künftig sollen es 2,5 GW jährlich sein. Darin enthalten ist auch grüner Wasserstoff: Bis zum Ende der Dekade plant RWE den Aufbau von 2 GW eigener Elektrolysekapazitäten.
Finanzierung aus dem operativen Cashflow
Den größten Teil des Investitionsprogramms wollen die Essener aus dem operativen Cashflow finanzieren. RWE verfüge angesichts einer „hervorragenden Bonität und einer niedrigen Verschuldung“ über große finanzielle Spielräume, erklärte Finanzvorstand Michael Müller. Das „grüne Wachstum“ solle auch „grün finanziert“ werden, sagte Müller mit Blick auf die zunehmend auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Anforderungen der Investoren.
Bei Offshore-Wind will RWE die Kapazitäten von 2,4 auf 8 Gigawatt im Jahr 2030 mehr als verdreifachen. Der Fokus der Aktivitäten liegt dabei auf Europa sowie Nordamerika und den asiatischen Märkten. Bei Onshore-Wind und Solar soll die installierte Leistung von 7 GW auf 20 GW ausgebaut werden – und zwar jeweils zur Hälfte in Europa und in Nordamerika.
Chancen für Solarprojekte vor allem in den USA
Im Bereich Solar steht dabei ein Ausbau der Kapazität von unter 1 GW auf 8 GW auf dem Plan. Hier böten sich vor allem in den USA mit großen zur Verfügung stehenden Flächen Chancen, hieß es. Im Geschäft mit Batteriespeichern wird bis 2030 ein Wachstum bis zu einer Kapazität von 3 GW angepeilt.
Klare Forderungen für den Bau neuer Gaskraftwerke
An seinen Gaskraftwerken will RWE weiterhin festhalten und auch bei Bedarf in den angestammten Märkten Deutschland, Großbritannien und Benelux neue Blöcke zubauen, erklärte RWE-Chef Krebber. Mit 14 GW installierter Leistung verfüge RWE aktuell über die zweitgrößte Gaskraftwerksflotte Europas. Künftig könnten Anlagen mit einer Leistung von mindestens 2 GW neu entstehen – allerdings nur unter ganz klar definierten Bedingungen in puncto Dekarbonisierungspfad und Wirtschaftlichkeit.
So müsse die neue Bundesregierung klar definieren, wo genau ein künftiges Wasserstoffnetz geplant sei und wie die Vergütung für als Back-up zur Verfügung stehende Gaskraftwerke geregelt werden könne. „Sonst werden wir nicht investieren“, betonte Krebber.
Gaskraftwerke seien gerade für Deutschland angesichts des doppelten Ausstiegs aus der Atomkraft und der Kohleverstromung notwendig. Doch würden diese Erzeugungsanlagen nicht mehr als sieben bis neun Jahre am Netz sein und zum Schluss lediglich eine geringe Auslastung haben. RWE gehe davon aus, dass Gaskraftwerke bis zum Jahr 2035 nur noch CO2-frei gefahren werden könnten.
Regionalbüros für Erneuerbaren-Ausbau in Deutschland
In Deutschland will RWE in den 2020er Jahren zwischen 10 und 15 Milliarden Euro investieren. Um das regional geprägte Onshore-Wind- und Solargeschäft zu steuern, sollen sieben weitere Büros in unterschiedlichen Teilen Deutschlands entstehen. Kurzfristig würden hierfür etwa 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Projektentwicklung vor Ort eingestellt. (hil)



