Auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern setzen einige Stadtwerke mittlerweile auf die Immobilienwirtschaft. Die GGEW aus Bensheim hat erst vergangenes Jahr eine entsprechende Satzungsänderung vorgenommen, in Heidenheim ist die dortige Stadtwerkegruppe hier seit längerem aktiv, in Osnabrück steht dieser Schritt bevor. Das sind nur einige Beispiele. Nun haben sich auch die Stadtwerke im niedersächsischen Zeven für den Einstieg in diesen Geschäftsbereich entschieden.
Weitere Projekte denkbar
Aufsichtsrat, Stadtrat und Kommunalaufsicht haben der Erweiterung des Gesellschaftervertrags bereits zugestimmt. Das erste Projekt wird ein Mehrfamilienhaus auf einem stadtwerkeeigenen Grundstück sein. Hier sollen, unter anderem moderne energiewirtschaftliche Versorgung, Smart Home sowie E-Mobilität inklusive Car-Sharing berücksichtigt werden. "Inwieweit weitere Immobilienprojekte bis hin zu sozialem Wohnungsbau folgen, sollen Kommunal- und Marktentwicklungen zeigen", heißt es in der Pressemitteilung.
"Hohe Veränderungsgeschwindigkeit"
"Die Energiewirtschaft unterliegt einer hohen Veränderungsgeschwindigkeit. Ob wir unser Geld in fünf bis zehn Jahren noch genauso verdienen wie heute, muss hinterfragt werden", erklärt Marcel Meggender, Geschäftsführer der Stadtwerke Zeven. In teils überregulierten Feldern wie zum Beispiel Mieter-Strom oder Messstellenbetrieb sei es für Stadtwerke nicht leicht, auf Dauer rentabel zu sein.
Deshalb müsse man die Möglichkeiten neuer Geschäftsfelder ständig im Auge behalten. "Es braucht Geschäftsfelder mit Substanz, und dazu gehört, gerade im kommunalen Umfeld, die Immobilienwirtschaft", so Meggeneder.
Geschäftsfeld wird als Sparte geführt
Das neue Geschäftsfeld wird bei den Stadtwerken Zeven zunächst als Sparte geführt. Über eine mögliche, spätere Ausgründung als Tochter oder innerhalb einer Holding werde zu gegebener Zeit entschieden. Der zu 100 Prozent kommunale Versorger aus der Nähe von Bremen ist bisher in der Strom-, Gas-, Wasser- und Wärmeversorgung und der E-Mobilität tätig.
Gemeinsames Wallbox-Angebot mit SW Rotenburg
Der angekündigte Schritt zeugt auch von einer entsprechenden Umtriebigkeit und einem Unternehmergeist des vergleichsweise kleinen Stadtwerks. 2018 erwirtschaftete der Kommunalversorger aus Zeven laut Bundesanzeiger Umsatzerlöse von knapp 24 Mio. Euro und ein Ergebnis nach Steuern von rund 1,12 Mio. Euro. Vor zwei Jahren hatten die Stadtwerke Zeven gemeinsam und die Stadtwerke Rotenburg gemeinsam ein Wallbox-Angebot inklusive Ladetarif entwickelt. (hoe)


