Vor allem Stadtwerke und Industriekunden zählen zu den wichtigsten Zielgruppen des neuen Ökoenergie-Labels "WE LOVE ENERGY". "Wir wollen Stadtwerke attraktiver machen und insbesondere Kunden in einer immer mehr digitalisierten Gesellschaft, eine zeitgemäße Lösung bieten", kündigt Paul Petereit, Mitgründer des in Berlin ansässigen Labels, an. Der 32-Jährige und Mitgründerin Jennifer Rosner verfügen über langjährige Erfahrung im Bereich Sales und Trading von erneuerbaren Energien.
"Viele Ökoenergielabel sind zu komplex und intransparent"
Laut Petereit sind Ökoenergielabel und insbesondere ihre zusätzlichen Förderkomponenten noch zu komplex. Dies hänge mit dem alleinigen Fokus auf Erzeugungsanlagen zusammen. Indirekte Fördermechanismen, mit dem Ziel durch Altersbegrenzung der Erzeugungsanlage einen Zubau zu erwirken, seien zu intransparent. Verbraucher hätten es schwer, nachzuvollziehen, ob oder wo eine Förderung stattfindet. Zudem seien die mittlerweile sehr umfangreichen Anforderungskataloge selbst für fachkundige Marktteilnehmer schwer zu differenzieren.
"Ganzheitlicher Nachhaltigkeitsansatz"
Von diesem etablierten Ansatz grenze sich "WE LOVE ENERGY" bewusst ab. Das neue Label setze stattdessen auf einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz und auf Transparenz und Nachvollziehbarkeit. "Neben der Förderung des Verbrauchs von erneuerbaren Energien unterstützen wir zusätzlich nachhaltige Projekte", erklärt Petereit.
Aktive Partizipation von Mitarbeitern und Endkunden
Im Gegensatz zur indirekten Förderung des Baus neuer Kraftwerke, solle durch die direkte Investition in nachhaltige Geschäftsideen "ein schnellerer, innovativerer und effizienterer Weg zur Erhöhung einer nachhaltigen Wirkung entstehen", so Petereit. Endverbraucher respektive Mitarbeiter werden dabei mit einbezogen und haben die Möglichkeit, ihren Ökostrom – respektive Ökogasvertrag aktiv mitzugestalten. Finanziert aus Lizenzeinnahmen werden mindestens 90 Prozent des Nettogewinns in nachhaltige Projekte und Start-ups investiert.
Anforderungskatalog mit TÜV Rheinland erarbeitet
Konkret funktioniert das Geschäftsmodell so: Ein Stadtwerk oder ein Industriekunde kann die Gesamtheit oder einen Teil seines zuvor selbst am Markt beschafften Ökostrom- oder Ökogasportfolios unter dem Label "WE LOVE ENERGY" vertreiben und vermarkten. Voraussetzung hierfür ist ein Lizenzvertrag sowie die Erfüllung eines Anforderungskatalogs, den das Berliner Start-up gemeinsam mit dem TÜV Rheinland erarbeitet hat.
Doppelvermarktungsverbot
Dieser sieht etwa ein Doppelvermarktungsverbot sowie den Verzicht auf Produktions- und Investitionszuschüsse vor. Pro abgesetzte MWh bezahlt der Labelnehmer eine Lizenzgebühr in Höhe von 0,55€/MWh. Der TÜV stellt die Einhaltung des Anforderungskatalogs sowie des Investitionsversprechens sicher.
Mehrwert für Kunden und Mitarbeiter
Das Stadtwerk oder das Industrieunternehmen als Lizenznehmer erwirbt dabei insbesondere einen Mehrwert für seine Endkunden und Mitarbeiter. Diese können sich auf der Plattform von "WE LOVE ENERGY" registrieren und transparent darüber abstimmen, welche Projekte gefördert werden sollen. Bis zu sechs Projekte werden dort vorgestellt, die Auswahl wird alle paar Wochen erneuert.
Regionalität steht im Fokus
Ausgewählte Start-ups und Projekte müssen die Ziele nachhaltiger Entwicklung der UN erfüllen. Die Gründerfirmen können sich mit ihrer Idee bei dem neuen Label bewerben, parallel wird über zwei Businessdeveloper der Markt aktiv gescoutet. Aktuell ausschließlich in Deutschland, denn Regionalität stehe im Fokus, so Petereit. Bei der Kommunikation der Projekte setze man auf eine umfassende Begleitung über Social-Media-Kanäle. Das Label hat auf Instagram bereits über 1000 Follower.
Prominente Unterstützung durch Beirat
Als ersten großen Vertriebspartner hat das Start-up Statkraft gewonnen. Der norwegische Energiekonzern bietet seinen Geschäftskunden künftig das "WE LOVE ENERGY"-Label zur Vermarktung ihrer Ökoenergieprodukte an. Im Beirat des sechsköpfigen Teams ist Reinhard Klimek, aktuell Director of Trading und Portfoliomanagement bei der Stadtwerkekooperation Trianel. Er unterstützt die Gründer mit seiner langjährigen Erfahrung im Energiemarkt. Das neue Label soll mittelfristig auch in Österreich und der Schweiz angeboten und sukzessive international aufgebaut werden. (hoe)



