29 Gemeinden und der Landkreis Unterallgäu haben im Dezember 2024 das Regionalwerk Unterallgäu gegründet.

29 Gemeinden und der Landkreis Unterallgäu haben im Dezember 2024 das Regionalwerk Unterallgäu gegründet.

Bild: © Landkreis Unterallgäu

Energiewende geht am besten gemeinsam – aus dieser Überzeugung haben sich 29 Gemeinden bayrischem Unterallgäu ein neues kommunales Unternehmen gegründet: das Regionalwerk Unterallgäu. Die Erneuerbare-Energien-Projekte sollen so ausgestattet und konzipiert werden, dass sie ohne staatliche Förderprogramme wertschöpfend sind, erklärt der neue Geschäftsführer Dietmar Schell im Interview.

Das Regionalwerk ist zu hundert Prozent in kommunaler Hand und entwickelt Projekte. Dafür haben die Gesellschafter insgesamt ein Gründungskapital von 1,3 Millionen Euro aufgebracht.

Herr Schell, Sie haben bereits 17 PV-Projekte in der Pipeline. Was ist Ihr Zeithorizont?

Zielsetzung für 2025 ist die Inbetriebnahme von zwei großen Projekten. Eine 15-MW-Freiflächenanlage entlang der Autobahn bei Wiedergeltingen und – aus meiner Sicht eine herausragende Besonderheit – eine 9-MW-Agri-PV-Anlage mit nachführendem Trackersystem in Niederrieden.

Sofern die Projektplanungen ideal weiterlaufen, können im Jahr 2025 und 2026 weitere 13MW (drei Anlagen) aufgebaut werden, diese sind im Landkreis Unterallgäu an unterschiedlichen Standorten.

Alle weiteren Projekte sind für 2026 bis 2029 geplant, dies hängt auch mit dem stetig fortschreitenden Netzausbau vor Ort zusammen. Hier sind wir sehr zuversichtlich, dass der gut geplante Netzausbau der LVN (LEW Verteilnetz GmbH) greift und uns dabei unterstützt.

Welche Finanzierungsstrategie verfolgen Sie?

Die Finanzierungsmodelle sind vielfältig. Vorrangig werden Beteiligungen direkt von unseren Gesellschafterkommunen angestrebt. Dabei genießt die Standort-Kommune ein Vorzugsrecht von 51 Prozent der Anteile, die sie bei Bedarf selbst weitergeben darf, zum Beispiel auch an Bürgerenergiegenossenschaften.

Idealerweise zeichnen die anderen Gesellschafterkommunen die verbleibenden 49 Prozent, sodass die gesamte Projektgesellschaft als GmbH & Co.KG in kommunaler Hand bleibt – mindestens sollen jedoch 51 Prozent in kommunalem Besitz bleiben. Sollten nicht alle 100 Prozent der Anteile kommunal gezeichnet werden, öffnen wir diese und lassen priorisiert Bürgerbeteiligungen in unterschiedlicher Form zu. Bei den Finanzierungspartnern greifen wir bevorzugt auf lokale Institute zu.
 
Welche Rolle spielen staatliche Förderprogramme bei der Finanzierung und Entwicklung Ihrer Projekte?

Idealerweise keine. Die Projekte sollen so ausgestattet und konzipiert werden, dass sie ohne staatliche Förderprogramme wertschöpfend sind. Im Innovationsumfeld mit z.B. hybriden Kraftwerken (Wind, Solar, Speicher als Elektronen und Wasserstoff, KI-Prognose und -Automatisierung) ist jedoch aktuell meistens eine Förderunterstützung notwendig und sinnvoll. Die Erkenntnisse aus dem Realbetrieb dienen der weiteren Entwicklung und sorgen hier für zukünftige, intelligente Energiesysteme.
 
Wie sind Sie an die Flächen gekommen, gehören diese den Kommunen?

Sowohl als auch. Hier befinden wir uns in einer sehr angenehmen Situation. Einerseits gibt es kommunale Flächen. Andererseits – und das zeigt die Verbundenheit der Eigentümer mit der Region wie auch das Vertrauen in die Kommune und uns als kommunales Unternehmen – ist das Interesse und eine gemeinsame Planung ein entscheidendes Element, sowohl bei den bisherigen und sicher auch bei allen zukünftigen Projekten. Das Vertrauen stützt sich dabei unter anderem darauf, dass wir vollkommen transparent über unsere Planungen mit den Eigentümern sprechen.
 
Welche Vorteile sehen Sie für die beteiligten Gemeinden?

Die Vorteile gerne als Schlagworte: Wertschöpfung, Unabhängigkeit, Technologie, Akzeptanz. Die finanziellen Aspekte ergeben sich schon aus der Rendite der Anlage, ergänzt über PPA-Verträge mit regionalen Unternehmen oder Liegenschaften.

"Die Standortgemeinden profitieren zudem von §6 des EEG."

Die Standortgemeinden profitieren zudem von §6 des EEG (Finanzielle Beteiligung der Kommunen am Ausbau). Damit steigern wir direkt die Unabhängigkeit und können agil neue Technologien zum Einsatz bringen. Die Akzeptanz ergibt sich für uns nicht nur aus diesen drei Vorteilen, sondern auch, weil wir durch die 100 Prozent kommunale Trägerschaft die reinste Form der Bürgerbeteiligung darstellen. Wir dienen somit der Allgemeinheit und dem Gemeinwohl.
 
Werden Sie für die Umsetzung Personal einstellen, also die Projektierung inhouse machen?

So schnell es möglich ist, werden wir weiteres Personal anstellen. Es ist erklärtes Ziel des Regionalwerk Unterallgäu, Kompetenzen und das Wissen inhouse aufzubauen und Projekte selbständig durchzuführen. Unsere Attraktivität hilft sicher bei der Personalentwicklung, stehen wir doch für viele Lebens-Werte und -Qualität, kombiniert mit nachhaltigem und technologisch sehr zukunftsorientiertem Handeln.

Um die Frage konkret zu beantworten: Stand heute werden wir externe Dienstleister einsetzen. Wir haben im Unterallgäu lokal ansässige, viele gute Projektierer und tolle Unternehmen unterschiedlicher Größe und ich bin mir sicher, dass diese gerne mit uns zusammenarbeiten werden.
 
Neben Photovoltaik sind auch Projekte im Bereich Windkraft und Stromspeicher geplant. Welche Rolle werden diese Technologien im Portfolio des Regionalwerks spielen?

Beide werden eine sehr große Rolle spielen! Die Bereiche Windkraft und Stromspeicher sind Garanten für das Gelingen der Energiewende – oder wie ich lieber sage: Energiezukunft. Wir sind bereits mittendrin und aktiv in Gesprächen und Vorbereitungen. Bei der Windkraft beraten und unterstützen wir die Kommunen und die Eigentümer schon heute und geben Sicherheit bei den Entscheidungen. Aktuell laufen gerade die Planfeststellungen der Windvorranggebiete durch das RVDI (Regionalverband Donau-Iller). Wir alle sind sehr drauf gespannt, welche Gebiete tatsächlich festgelegt werden.

Beim Stromspeicher sind wir aktuell daran, alle schon geplanten Projekte exemplarisch neu zu konzipieren, was der Einsatz von Speichern vor Ort für Auswirkungen hat. Hier ist unsere Marschrichtung klar: Die Speicher gehören direkt an die Erzeugungsanlage oder als vor dem Netz vorgeschalteter Puffer mehrerer Erzeugungsanlagen. Beides hat den riesigen Vorteil, dass wir damit, wenn auch im kleinen und lokalen Maße, die Netze entlasten und zumindest mit einem kleinen Teil netzdienlich agieren. Zum Wohl und zur Akzeptanz der Energiezukunft.

Die Fragen stellte Pauline Faust.

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