Angesichts der Preissprünge beim Gas schägt Spanien einen gemeinsamen Einkauf oder eine gemeinsame  Lagerung von Energie innerhalb der EU vor.

Angesichts der Preissprünge beim Gas schägt Spanien einen gemeinsamen Einkauf oder eine gemeinsame Lagerung von Energie innerhalb der EU vor.

Bild: © Ingo Bartussek/Adobestock

Der Lieferstopp des Gasversorgers Gas.de stellt viele Stadtwerke vor große Herausforderungen. Als Grundversorger in ihrem Marktgebiet müssen sie die Ersatzversorgung betroffener Kund:innen sicherstellen. Doch die dafür benötigten Mengen müssen zu den aktuell rekordhohen Preisen nachbeschafft werden.

Einige Stadtwerke, vor allem in Nordrhein-Westfalen, etwa in Krefeld oder Dinslaken, hatten darauf vor einigen Wochen bereits mit der Einführung von separaten und höheren Grund- und Ersatzversorgungstarifen reagiert. Laut dem Verband VKU sprechen dafür viele gute Argumente, es gibt bei diesem Thema aber auch divergierende Rechtsauffassungen. Gemäß ZfK-Recherchen hat aber erst eine  überschaubare Gruppe an Energieversorgern bisher diese Variante eingeführt.

Stadtwerke Kiel prüfen die Einführung eines separaten Tarifs

Für einen derartigen separaten Tarif für Neukund:innen haben sich vor kurzem auch die Mönchengladbacher NEW und die Stadtwerke Bochum entschieden. Die NEW muss durch den Lieferstopp von Gas.de rund 4000 Kund:innen von Gas.de übernehmen, die Stadtwerke Bochum schreiben von 1500.

„Die benötigten Mengen waren nicht vorhersehbar und wir konnten diese nicht vorab beschaffen. Dementsprechend muss eine eintretende Unterdeckung zu aktuellem Preisniveau hinzugekauft werden“, erklärt die NEW auf ZfK-Anfrage.

Einen Zuwachs von 1400 neue Kund:innen von Gas.de verzeichnen die Stadtwerke Kiel  „Wir rechnen noch mit weiteren Kunden, die wir als Grundversorger ungeplant in die Ersatzversorgung aufnehmen müssen. Diese Mengen sind in dieser Höhe nicht planbar gewesen. Daher prüfen wir aktuell auch die Einführung eines separaten Ersatz- und Grundversorgungstarifs“, sagt Stadtwerke-Sprecher Sönke Schuster.

Leipzig prüft noch, Bielefeld verweist auf rechtliche Unsicherheiten

Die Leipziger Stadtwerke haben aufgrund der „Liefereinstellungen von wirtschaftlich angeschlagenen Wettbewerbern“ bisher etwa 1.000 Kund:innen in die Ersatzversorgung übernommen. Die benötigten Mengen müssten jetzt nachbeschafft werden, heißt es.  „Wie wir damit weiter umgehen, bewerten wir aktuell. Die Verlagerung von Kosten der offensichtlich nicht verbraucherfreundlich agierenden ,Billiganbieter' auf Grundversorger ist jedenfalls inakzeptabel“, sagt Frank Viereckl, der Pressesprecher der Leipziger Stadtwerke.

Auf einen zweiten Grundversorgungstarif verzichten wollen hingegen die Stadtwerke Bielefeld. Und das trotz eines Neukundenzuwachses von rund 1000 Kund:innen von Gas.de. „Die rechtlichen Einschätzungen zu solchen Lösungen sind in der Branche aktuell nicht einheitlich und auch die praktische Umsetzung ist im Detail nicht unproblematisch. Wir werden den Markt intensiv weiter beobachten und dann unsere Schlüsse ziehen“, heißt es auf Anfrage. Für die Ersatzversorgung von Kund:innen im „Nicht-Haushalts-Bereich“ seien hingegen zum 1. Dezember neue Preise in Kraft getreten.  

EVM: 4500 Neukunden, aber kein gesonderter Tarif

Auch die EVM aus Koblenz schließt einen gesonderten Tarif für Neukund:innen in der Grund- und Ersatzversorgung momentan aus – und das obwohl der Koblenzer Regionalversorger nun für 4500 Haushalte aus dem Gas.de-Portfolio als Ersatzversorger einspringen muss. Die betroffenen Haushalte würden zum aktuell gültigen Ersatzversorgungstarif beschafft, heißt es. „Die benötigten Mengen beschaffen wir kurzfristig; teilweise reichen aber auch bereits beschaffte Mengen aus“, so ein EVM-Sprecher.

EWV Stolberg: "Aufwand ist mit der BEV-Insolvenz vergleichbar"

Die EWV-Energie- und Wasserversorgung GmbH aus Stolberg im Rheinland hat 2900 Kund:innen in die Grund- und Ersatzversorgung übernommen. „Der Aufwand ist in etwa mit der BEV-Insolvenz aus dem Jahr 2019 vergleichbar“, heißt es auf Anfrage.  Angesichts der hohen Anzahl von Kund:innen werden man die  Gasmengen zum aktuellen Preisniveau hinzukaufen müssen.

Haushaltskund:innen fielen bei der EWV aber automatisch weiter in die klassische Grund- und Ersatzversorgung. Hier gebe es nur diesen einen Tarif. Für Nicht-Haushaltskund:innen mit einem Verbrauch von über 10.000 Kilowattstunden habe man hingegen im Oktober einen Tarif für Neukund:innen in der Grund- und Ersatzversorgung eingeführt.

Auch Eon plant aktuell keinen Tarif-Split

"Die Diskussionen um separate Tarife für die Ersatz- und Grundversorgung für neue Kunden verfolgen wir mit Interesse. Eine solche Aufteilung ist aber aktuell nicht geplant", schreibt schließlich der mit Abstand größte Gasgrundversorger Eon Energie.

Generell beschaffe man den größten Teil der Energiemengen langfristig und könne auch auf mögliche Ausfälle von Wettbewerbern reagieren. Zu konkreten Zahlen mit Blick auf Neukund:innen in der Ersatzversorgerung wollte sich der Energiekonzern aber nicht äußern. (hoe)

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