Bereits eine durch Vorgänger veranlasste Prüfung im Jahr 2019 habe ergeben, dass das Entgelt für Fernwärme zu hoch war, erklärt Michael Böddeker, Geschäftsführer, SWN.

Bereits eine durch Vorgänger veranlasste Prüfung im Jahr 2019 habe ergeben, dass das Entgelt für Fernwärme zu hoch war, erklärt Michael Böddeker, Geschäftsführer, SWN.

Bild: © Stadtwerke Neumünster

Durch den Verkauf einer Netzbeteiligung wollen die Stadtwerke Neumünster (SWN) einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag einnehmen. Das Geld soll vor allem für den Ausbau erneuerbarer Energien verwendet werden, aber auch zur Schuldentilgung und der Ausschüttung einer Dividende von zwei Millionen Euro an die Stadt. Der zu 100 Prozent kommunale Versorger aus Schleswig-Holstein bestätigte gegenüber der ZfK einen Artikel aus den „Kieler Nachrichten“. Diese hatten aus einer Ratsvorlage für eine nicht-öffentliche Sitzung am 13. Dezember zitiert, die offenbar vorab durchgesickert ist. Der Deal ist demnach bereits ausgehandelt.

Und darum geht es genau: Die SWN sind indirekt an der Schleswig Holstein Netz AG (SH Netz) beteiligt über die „Neumünster Netz Beteiligungs GmbH“ (NNB). Der Anteil der SWN an der NNB beträgt 49,9 Prozent, die restlichen Anteile liegen bei der Eon-Tochter Hansewerk AG.  An diese will die SWN nun ihren NNB-Anteil verkaufen. Die NNB wiederum halten 7,2 Prozent an der SH Netz AG.

Die Stadtwerke Neumünster waren 2010 vollständig rekommunalisiert worden. Im Gegenzug für den Ausstieg der Eon-Hanse AG als Gesellschafter der SWN hatten die Neumünsteraner ihre Strom- und Gasnetze an die SH Netz übertragen.

Eigenes Stromportfolio soll sukzessive auf grüne Energien umgestellt werden

Mit den Einnahmen aus der Veräußerung der Beteiligung soll vor allem das eigene Stromportfolio sukzessive auf regenerativ erzeugte Energie umgestellt werden. Aktuell produzieren die SWN 20 Prozent ihres Gesamtstromabsatzes über eigene Anlagen, die restlichen 80 Prozent kaufen sie extern zu.

Um das zu ändern, wurden im Herbst die SWN Natur GmbH und deren Tochtergesellschaft SWN Solar GmbH gegründet. Die SWN Natur GmbH soll vor allem ein Beteiligungsportfolio im Bereich erneuerbare Energien aufbauen. Ziel ist es, dass über diese Gesellschaft perspektivisch 40 Prozent des Stromabsatzes der SWN-Kunden erbracht werden.

Die SWN Solar GmbH wiederum wird Projekte in Norddeutschland, insbesondere im Umland von Neumünster entwickeln. Bei dieser Gesellschaft soll der Mutterkonzern SWN 51 Prozent halten und zusätzlich ein Partner mit PV-Expertise, insbesondere bei Planung und Entwicklung, bis zu 49 Prozent der Anteile übernehmen. Die Suche läuft noch, erste PV-Projekte sind dennoch bereits in der Umsetzung.

Größere Unabhängigkeit von den Energiemärkten

„Bis 2030 wollen wir nahezu den gesamten Strom für unsere Kunden mit unserem eigenen Portfolio aus erneuerbaren Energien erzeugen“, sagt eine Sprecherin. Mit dem Ausbau der Erneuerbaren wolle man auch die Preisstabilität erhöhen und unabhängiger von den Energiemärkten werden. Auch die Entwicklung eines regionalen Stromprodukts, das eine Teilhabe an der Energiewende vor Ort ermöglichen soll, ist geplant.

Die Stadt Neumünster will bis 2035 klimaneutral sein, dazu muss auch die Fernwärmeerzeugung im Kraftwerk Neumünster umgestellt werden. Laut der Ratsvorlage planen die SWN für ihre Erneuerbarenoffensive mit Ausgaben im hohen zweistelligen Millionenbereich.

Der Kommunalversorger bleibt weiterhin für den Betrieb und den Unterhalt der Strom- und Gasnetze in Neumünster zuständig, der Konzessionsvertrag von SH Netz und SWN läuft noch bis 2034. (hoe)

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