Auf der Homepage der Stadtwerke Neumünster (SWN) findet sich sein Name noch nicht, auch eine Pressemitteilung blieb bisher aus: Ohne großes öffentliches Aufheben hat der langjährige frühere SWN-Chef Bernd Michaelis (67) am vergangenen Mittwoch (2. Januar) seine Arbeit als neuer Sprecher der Geschäftsführung des Kommunalkonzerns aufgenommen. Das erklärte SWN-Aufsichtsratschefin Monika Schmidt (SPD) auf ZfK-Anfrage. Das wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen bestätigte die Personalie, bezeichnete Michaelis aber als weiteren Geschäftsführer, dessen künftige Rolle in dem kommunalen Konzern in den nächsten Tagen noch definiert werde.
"Es gibt noch sehr viel Arbeit"
Laut der Aufsichtsratsvorsitzenden Monika Schmidt soll der gelernte Banker und Ökonom Michaelis vor allem die Sanierung des Unternehmens und die Gespräche mit den Kreditinstituten vorantreiben. "Beim gerade aufgelegten Restrukturierungsprogramm der SWN gibt es noch sehr viel Arbeit, das ist kein Selbstläufer. Es muss an vielen Stellschrauben gedreht werden", bekräftigte die Aufsichtsratsvorsitzende. Die Berufung von Michaelis sei deshalb angesichts der schwierigen Situtation vor allem als Hilfe und Unterstützung gedacht. Als Misstrauensvotum oder einen neuen Aufpasser für die bisherige Doppelspitze, die "sehr viel gerackert hat", will sie die Ernennung nicht verstanden wissen.
"Ist das nicht Vertrauensbeweis genug?"
"Der Aufsichtsrat hat im Dezember den Wirtschaftsplan für 2019 einstimmig genehmigt, ist das nicht Vertrauensbeweis genug?", so die Aufsichtsratsvorsitzende mit Blick auf die aktuelle SWN-Führungscrew um den Technischen Geschäftsführer Thomas Junker und den Kaufmännischen Geschäftsführer Tino Schmelzle. Das Kontrollgremium der SWN habe für die Millionenverluste des Unternehmens in den Geschäftsjahren 2017 und 2018 verbal "viel Prügel bekommen". Bei der Aufarbeitung im Aufsichtsrat habe es verschiedene Hinweise gegeben, dass das Unternehmen bei der Restrukturierung intern weitere Unterstützung benötige. Laut dem Wirtschaftsplan erwarten die SWN im Geschäftsjahr 2019 den Turnaround und rechnen mit einem Konzerngewinn von 786.000 Euro.
"Kollegialer Austausch"
Wie die künftige Aufgabenverteilung in der SWN-Geschäftsführung künftig aussehen wird und ob die bisherigen Geschäftsführer weitermachen, das entscheidet sich in den nächsten Tagen und Wochen. "Herr Michaelis steht im engen Austausch mit den beiden Geschäftsführern Thomas Junker und Tino Schmelzle", heißt es von Seiten der SWN. "Die drei Geschäftsführer haben einen sehr kollegialen und freundschaftlichen Umgang miteinander und beraten die künftige Geschäftsverteilung wie ordentliche Kaufleute", berichtet Schmidt. Die Gespräche seien bisher "völlig entspannt und unaufgeregt" verlaufen. Eine konkrete Frist, bis zu der eine abschließende Entscheidung über die künftige Struktur der Geschäftsleitung zu erwarten ist, nannte die SPD-Ratsfrau nicht. Sicher ist offenbar, dass das Mandat des neuen Sprechers der Geschäftsführung befristet ist.
Von der Veba zur Schleswag
Der bereits pensionierte Michaelis werde für das Unternehmen mit seiner Sanierungserfahrung und dank seiner Kontakte eine große Hilfe sein, ist die Chefin des Kontrollgremiums überzeugt. So hat der Diplom-Kaufmann nach seinem Ausscheiden bei den SWN Ende 2011 noch zwei weitere Jahre als Geschäftsführer die erfolgreiche Sanierung der Stadtwerke Nortorf verantwortet. Der aus dem Sauerland stammende Ökonom kam über ein Engagement bei der Veba (heute Eon) in die Energiewirtschaft und war unter anderem als Prokurist für Personal bei der Schleswag tätig. Von dort war er 2002 zu den Stadtwerken Neumünster gewechselt, wo er bis zu seiner Pensionierung Ende 2011 fast zehn Jahre als Kaufmännischer Geschäftsführer tätig war. (hoe)



