Thomas Junker erhebt schwere Vorwürfe gegen den Aufsichtsrat der Stadtwerke Neumünster. Von Januar 2017 bis Ende Januar 2019 war Junker als Technischer Geschäftsführer für den Kommunalversorger tätig.

Thomas Junker erhebt schwere Vorwürfe gegen den Aufsichtsrat der Stadtwerke Neumünster. Von Januar 2017 bis Ende Januar 2019 war Junker als Technischer Geschäftsführer für den Kommunalversorger tätig.

Bild: © SWN

Ende Januar hatten sich die Stadtwerke Neumünster (SWN) mit sofortiger Wirkung von ihrem Technischen Geschäftsführer Thomas Junker getrennt. Eine offizielle Begründung für seine Abberufung hat er nach eigenen Angaben bis heute nicht erhalten. "Ich habe die ersten vier Wochen nach meiner Abberufung abgewartet und auf eine gütliche Einigung gehofft, doch es ist nichts passiert", sagt Junker auf ZfK-Anfrage. Stattdessen soll ein externer Revisor damit beauftragt worden sein, im Nachhinein einen Grund für die Trennung zu finden. "Ich gehe davon aus, dass nach der nächsten Aufsichtsratssitzung eine konstruierte Begründung vorgelegt wird", erklärte der 47-Jährige. Deshalb hat er am Donnerstag Klage gegen seine Kündigung eingereicht. Der Diplom-Ingenieur bestätigte in dem Telefonat zudem nochmals die schweren Vorwürfe gegen den SWN-Aufsichtsrat, die er jüngst in einem Artikel im "Holsteinischen Courier" erhoben hatte.

"Aufsichtspflichten jahrelang vernachlässigt"

Dem Kontrollgremium wirft Junker Versagen und unzulässige Vorteilsnahme vor. "Ich verstehe ja, dass wir Geschäftsführer uns bei vielen Aufsichtsräten unbeliebt gemacht haben durch die transparente Aufklärung der Missstände bei den SWN und unser Streben, das Unternehmen voranzubringen: Niemand bekommt gerne bescheinigt, dass er seine Aufsichtspflichten jahrelang vernachlässigt hat", erklärte er. Einige Aufsichtsräte hätten persönliche Vorteile genossen, dies habe er abgestellt. Er könne nicht nachvollziehen, warum der Aufsichtsrat keine einvernehmliche Trennung anstrebe und stattdessen eine "Rufmord-Kampagne" gegen ihn führe.

SWN-Aufsichtsratschefin Monika Schmidt wollte die Vorwürfe gegenüber dem Courier mit Verweis auf die laufende rechtliche Auseinandersetzung nicht kommentieren, ein SWN-Sprecher verwies auf die Zuständigkeit des Kontrollgremiums in der Angelegenheit. Weder Schmidt noch der SWN-Sprecher bestätigten die Existenz eines externen Revisors. Trotz seiner deutlichen Kritik hofft Thomas Junker dennoch weiterhin auf eine "einvernehmliche Lösung".

Viele Altlasten

Junker war von Anfang 2017 bis Ende Januar 2019 Technischer Geschäftsführer bei den SWN. Im Geschäftsjahr 2017 schrieb der Kommunalversorger einen Millionenverlust von 5,5 Mio. Euro, für 2018 wurde ein weiteres Millionendefizit prognostiziert – die endgültigen Zahlen liegen aber noch nicht vor. Die Verlustjahre hängen vor allem mit Altlasten zusammen, die bereits vor der Amtsübernahme Junkers und des ebenfalls im Januar 2017 neu berufenen Kaufmännischen Geschäftsführers, Tino Schmelzle, bestanden haben sollen. Junkers Amtszeit war geprägt von umfangreichen Umbau- und Aufräumarbeiten und der Beseitigung zahlreicher Schwachstellen und damit einhergehend auch mit der Trennung von einigen Führungskräften. So wurde unter anderem die hochriskante Stromeinkaufsstrategie angepasst, die defizitäre Telekommunikationssparte völlig neu aufgestellt, erstmals eine kaufmännische Steuerung eingeführt und der Kommunalkonzern zudem strategisch neu ausgerichtet.

Der im November 2018 verabschiedete Wirtschaftsplan sieht für das laufende Jahr einen Turnaround und einen Gewinn im sechsstelligen Bereich vor, dazu hat auch ein Kosteneinsparungs- und Effizienzsteigerungsprogramm in wesentlichem Maße beigetragen. Vor kurzem wurde aber auch bekannt, dass die Banken für die spätestens im April anstehende Anschlussfinanzierung eine Kapitalerhöhung in Höhe von 12 Mio. Euro fordern. Seit Anfang des Jahres wird das Unternehmen vom langjährigen, früheren SWN-Chef Bernd Michaelis geleitet, er fungiert für einen befristeten Zeitraum als Sprecher der Geschäftsführung. Er und der Kaufmännische Geschäftsführer Tino Schmelzle bilden aktuell das SWN-Führungsduo. (hoe)

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