Über Kooperationen ist der Regionalversorger Enni Energie & Umwelt Niederrhein (Enni) aus Moers bereits in den vergangenen Jahren signifikant gewachsen. Mit dem Einstieg der mehrheitlich kommunalen NEW Niederrhein Energie und Wasser (NEW) aus Mönchengladbach erfolgt nun der nächste Wachstumsschritt.
Die NEW wird neuer Gesellschafter von Enni und hält künftig eine Beteiligung von 18,1 Prozent. Die Mönchengladbacher übernehmen die Anteile von Westenergie.
Im Gegenzug übernimmt Enni 25,1 Prozent der Anteile an der Erneuerbaren-Tochter der NEW, der NEW re, und stärkt so seine Position im Bereich der regenerativen Energien.
Enni-Chef Krämer: "Gesellschafterwechsel zahlt auf unsere Nachhaltigkeitsziele ein"
"Enni und NEW passen sehr gut zusammen, das Unternehmen ist wie wir kommunal geprägt und hat auch Interesse an der guten Entwicklung der Region. Der Gesellschafterwechsel ist sehr positiv für uns, er zahlt auch auf unsere Nachhaltigkeitsziele ein", sagte Enni-Chef Stefan Krämer am vergangenen Freitag (4. August) bei einer Pressekonferenz.
Die NEW re war bisher ein Gemeinschaftsunternehmen der NEW und der Stadtwerke Grefrath, die Verteilung der Solar-und Windprojekte reicht von Grefrath im Norden bis nach Geilenkirchen im ehemaligen Braunkohlerevier.
Die beiden Unternehmen, die sich in direkter Nachbarschaft befinden, kennen sich bereits seit Längerem aus der gemeinsamen Zusammenarbeit in der Stadtwerkekooperation Trianel.
"Viel Entwicklungspotenzial im Erneuerbaren-Bereich"
Das Stammgebiet von NEW biete sehr gute Voraussetzungen für den Erneuerbarenausbau, so Krämer. Dort gebe es viele Flächen aus dem Braunkohletagebau, auf denen Erneuerbaren-Anlagen installiert werden könnten. „Wir können hier mit unserem Anteil vom Wachstum der NEW Re mitprofitieren und dieses mitgestalten. Hier sehen wir noch viel Entwickungspotenzial“, betonte Krämer. Enni bringe viel Know-how aus dem Solarbereich in die Kooperation mit ein und plant in diesem Segment rund ein Dutzend weitere Solarparks und Investitionen von rund 50 Mio. Euro.
Eine Enni-Mitarbeiterin wird auch einen der beiden Geschäftsführerposten bei NEW Re übernehmen. Das Erzeugungsportfolio der NEW Re umfasst sechs eigene Windenergieanlagen mit insgesamt 15,3 MW und 28 eigene PV-Anlagen mit insgesamt 3,0 MWp Leistung. Das Portfolio enthält zudem vier Beteiligungen in Höhe von gesamthaft 23,2 MW Leistung (Windenergie / Biogas), desweiteren befinden sich fünf Windparks (rund 80 MW) und zwei Solarparks (rund 20 MW) in der Projektpipeline.
Doppelstockmodell für Rheinberger Strom- und Gasnetze
Teil des aktuellen Wachstumspakets ist auch die Gründung einer gemeinsamen Netzgesellschaft in Rheinberg. An dieser wird Enni den Löwenanteil halten, die Westenergie als heute größte Eon-Tochter Minderheitsgesellschafter sein. „Damit liegen die Rheinberger Strom- und Gasnetze jetzt in einer Hand“, sieht Krämer hierin die Chance, auch in seiner Nachbarstadt den Umbruch der Energieversorgung aktiv mitzugestalten.
Auch die neue Rheinberger Netzkooperation helfe dabei, Kosten zu reduzieren und Ergebnisse in der Region zu halten. Enni wird am neuen emeinschaftsunternehmen Energienetze Rheinberg GmbH einen Anteil von 82 Prozent halten, Westenergie ist über ihre Tochter Westnetz mit 18 Prozent beteiligt. Über ein sogenanntes Doppelstockmodell bringen die Partner in unterschiedlichen gesellschaftsrechtlichen Konstellationen ihre bisherigen Rheinberger Strom- und Gasnetze in dieses Modell ein.
Die Netze liegen damit gebündelt in einer Hand. „Das spart auch bei der Erneuerung der Netze Zeit und Kosten“, so Krämer. Trotzdem bleiben den Rheinberger Bürgern die gewohnten Anlaufstellen erhalten.
Chancen zur Entwicklung eines Versorgungsunternehmens in Rheinberg
„Wir haben über Pachtverträge geregelt, dass in den technischen Belangen beim Gas die Gelsenwasser und beim Strom Westnetz weiter die Betriebsführung übernehmen.“ Sein Unternehmen verantwortet dabei die kaufmännischen Dienstleistungen für die Netzgesellschaften. Krämer sieht hier insgesamt die Chance, perspektivisch ein Versorgungsunternehmen für Rheinberg zu entwickeln. „Das ist in Zeiten des Umbruchs in der Energielandschaft für die Stadt eine interessante Option“, ist er überzeugt.
Im November 2018 und im Februar 2022 hatte Enni bereits zwei wichtige Wachstumsschritte vollzogen, unter anderem durch den Einstieg der Gelsenwasser AG als Gesellschafter und die Einbringung verschiedener Gas- und Stromnetze in die Enni. Mit der Beteiligung an der Erdgasversorgung Schwalmtal etwa gelang erstmals der Sprung in den Kreis Viersen.
Enni rechnet mit Ergebnissteigerung von 0,6 Mio. Euro pro Jahr
Insgesamt bleibt Enni auch in der neuen Konstellation mehrheitlich im Besitz der Stadt Moers, die über die Enni Stadt & Service Niederrhein weiter 62,88 Prozent der Anteile hält. NEW ist nun mit 18,1 Prozent, Gelsenwasser, auch durch die Übernahme eines Teils der Westenergie-Anteile und eine vereinbarte Barkapitaleinzahlung, weiter mit 15 Prozent an Enni beteiligt.
Auch die Stadt Neukirchen-Vluyn wird mit einem Anteil von nun 4,22 Prozent an Enni beteiligt bleiben. Die rechnet durch die jetzigen Transaktionen über Betriebsführungs- und Beteiligungserträge mit einem zusätzlichen jährlichen Ergebnis vor Steuern von rund 600.000 Euro.
Unternehmenswert von Enni hat sich seit Gründung vervierfacht
Ein Kooperationsmodell zwischen den Energieversorgern Rhenag und RWE und den Städten Moers und Neukirchen-Vluyn liegt auch der Unternehmensgründung von Enni im Jahr 2000 zugrunde. „Mit einem Überschuss von zuletzt rund 33 Millionen Euro ist Enni für die kommunalen Haushalte heute eine wichtige Stütze und mit über 300 Millionen Euro viermal so viel wie zur Gründung wert“, erläuterte der Aufsichtsratsvorsitzende Volker Marschmann.
Der Regionalversorger ist aktuell neben seinem Stammgebiet vor allem im Kreis Wesel tätig, will künftig aber auch in den Landkreisen Kleve und Viersen wachsen. (hoe)



