Der Verbund Energie Nordschaumburg wird zunächst mit zwei Produkten an den Markt gehen. Die Vermarktung des "grünen" Strom- und des grünen Gasprodukts übernehmen die Stadtwerke Wunstorf, wie Geschäftsführer Henning Radant bestätigt. Der Kommunalversorger ist unter anderem für die Betriebsführung, den Jahresabschluss und die Abrechnungen zuständig.
An der neuen Gesellschaft werden die Stadtwerke dabei mit 26 Prozent, die niedersächsischen Samtgemeinden Nenndorf (43 Prozent) und Sachsenhagen (26 Prozent) sowie die Bürgerenergiegenossenschaft Schaumburg mit 5 Prozent beteiligt sein.
Gründung im Januar
Radant freut sich besonders, dass die Bürgerenergiegenossenschaft Teil der Kooperation wird. Denn deren grüner Strom aus Solar- und vier großen Windkraftanlagen wird künftig vor Ort verbraucht. Dazu nehmen die Stadtwerke die Anlagen mit in ihren Bilanzkreis auf und sichern mittels Zertifikaten die regionale Herkunft. Die Herkunftsnachweise kommen über den Energieversorger Uniper, der auch den Bilanzkreis führt.
Nachdem die ersten Beratungen bereits 2020 stattfanden, haben nun auch alle notwendigen Gremien in Nenndorf und Sachsenhagen sowie die Bürgerenergiegenossenschaft zugestimmt. Im Januar wollen die Beteiligten zum Notar gehen und die Gesellschaft gründen, wie Radant ankündigt. Der Name orientiert sich dabei an der Region Nordschaumburg, in dem beide Gemeinden liegen.
Amortisierung bis 2024
Die Vertriebsaktivitäten des Energieverbundes sollen ab April 2022 starten. Neben dem Grünstrom verkauft die Gesellschaft dabei auch „grünes“ Gas. Möglich ist dies dank dem Zertifikate-Handel. Die Stadtwerke greifen hier auf den Anbieter KlimaInvest zurück. "Wir warten noch auf das 'Go' von der Kommunalaufsicht des Landkreises Nordschaumburg", erklärt Radant. Die zukünftige Website, ein Tarifrechner und Werbe-Kampagnen seien bereits in Vorbereitung.
"Wir haben drei Szenarien gebaut: Middle-Case wären wir nach drei Jahren (Ende 2024) in den grünen Zahlen. Beim Worst-Case erst in 8 Jahren", so der Stadtwerke Geschäftsführer. In drei Jahren wollen die Beteiligten dann nochmals beratschlagen.
1000 bis 1500 Kunden
In besten Fall würde sich der Verbund bereits in zwei Jahren rechnen. Aber das Szenario sei eher unrealistisch. "In der konservativen Schätzung rechnen wir mit jeweils 1000 bis 1500 Kunden jeweils für Gas und für Strom innerhalb der ersten drei Jahren", erläutert Radant die wirtschaftlichen Erwägungen. Etwa 28.000 Einwohner umfasst die Region derzeit, die Hälfte sind Stromkunden, ein Viertel sind Gaskunden.
Im Erfolgsfall könnten weitere Energiedienstleistungen und Beratungsangebote folgen. So ist strategisch die Installation von E-Ladesäulen denkbar. Gleiches gelte für Wallboxen und PV-Aufdach-Anlagen. Operativ werden die SW Wunstorf alle Vorhaben umsetzen. Auch die Beteiligung an einer neuen Bürger-Solaranlage der Genossenschaft ist im Gespräch.
Strom aus Bürgerwindpark
"Mit der Bürgerenergiegenossenschaft haben wir jetzt einen Partner an der Seite, der für uns grüne Energie erzeugt", nennt Radant die Vorteile an der Kooperation. "Wir hatten bisher noch keine regenerativen Energiequellen im Portfolio."
Den Ökostrom bezieht der Verbund aus dem örtlichen Bürgerwindpark Beckedorf/Riepen. Die Samtgemeinden wirken dabei als Botschafter, die für Akzeptanz bei den Bürgern sorgen. Die Stadtwerke Wunstdorf bringen demgegenüber das Know-how zur Umsetzung mit.
Virtuelle Kooperation
Die größte Herausforderung bei der Gründung sei die politische Überzeugung gewesen, sagt Radant. Die Gemeinden haben keine Mitarbeiter in der künftigen Gesellschaft. Ein Geschäftsführer und ein Prokurist sind rechtlich verantwortlich. Das tatsächliche Geschäft wickeln jedoch die Mitarbeiter der Stadtwerke Wunstorf ab.
Es handelt sich um ein virtuelles Kooperationsmodell, das gegenüber Kunden jedoch als einheitliches Unternehmen auftritt. "Unsere Partner haben die Vorteile dieses Modells dann schnell erkannt", resümiert der Stadtwerke-Geschäftsführer. (jk)



