Die Energieversorgung Oberhausen setzt unter anderem auf KI-Anwendungen im Kundenservice.

Die Energieversorgung Oberhausen setzt unter anderem auf KI-Anwendungen im Kundenservice.

Bild: © evo

Das operative Ergebnis bei der Energieversorgung Oberhausen (EVO) belief sich nach 65,6 Millionen Euro im Vorjahr im Geschäftsjahr 2025 auf lediglich 15,9 Millionen Euro. Trotz eines deutlichen Rückgangs herrscht beim nordrhein-westfälischen Regionalversorger keine Katerstimmung.

Denn im vergangenen Jahr profitierte die EVO noch von dem Sondereffekt aus dem Verkauf der Steag-Anteile in Höhe von 48 Millionen Euro. "Bereinigt um diesen Effekt haben wir das beste operative Ebit der Unternehmensgeschichte aus dem Vorjahr exakt bestätigt. Das ist etwas, was uns wirklich freut", sagte der kaufmännische EVO-Vorstand Timm Dolezych im Gespräch mit der ZFK. In diesem Jahr wird die EVO 125 Jahre alt. Für die Kunden bereitet der Versorger in diesem Zusammenhang eine Reihe von besonderen Aktionen und Veranstaltungen.

Hohe Investitionen

Die Gesamtinvestitionen beliefen sich im Geschäftsjahr 2025 auf rund 24 Millionen Euro – ohne Finanzanlagen. Das ist das zweithöchste operative Investitionsvolumen der Unternehmensgeschichte. Lediglich im Jahr 2020, als das Gasmotorenkraftwerk errichtet wurde, lagen die Investitionen höher. Den Schwerpunkt der Investitionen bildete die Netzinfrastruktur.

EVO-Vorstände Christian Basler (l.) und Timm Dolezych blicken auf erfolgreiches Geschäftsjahr 2025 zurück.Bild: @ EVO

Der Großteil des Betrags entfiel dabei auf den Ausbau und die Digitalisierung der Stromnetze (12,5 Millionen Euro), mit dem Ziel, ein intelligentes, steuerbares Netzsystem zu errichten – so Technikvorstand Christian Basler.

Millionenschwere Investitionen gab es auch in den Bereich Wärme (7,5 Millionen Euro), konkret: in den Umbau der Fernwärmeerzeugung, den Ausbau der Wärmenetze sowie Nahwärmeprojekte. Der kommunale Wärmeplan stehe in Oberhausen fest und wurde beim Land Nordrhein-Westfalen eingereicht, sagte er weiter im Gespräch mit der ZFK. Auch wenn der Plan noch nicht in allen Details feststehe, zeichneten sich klare Trends hin zur Nutzung der industriellen Abwärme und Fernwärme für die Raumwärmeversorgung ab. "Der Anteil der Fernwärme könnte von heute rund 37 Prozent auf etwa 55 Prozent bis 2045 wachsen."

Tiefengeothermie als wichtiger Baustein

Neben der Modernisierung der Müllverbrennungsanlage, was ihre Leistung auf 110 Megawatt beinahe verdoppeln wird, rechnet die EVO, basierend auf einer Studie des Fraunhofer IEG, mit einem hohen Nutzungspotenzial von Tiefengeothermie. Bis 2045 könnte diese Ressource etwa 22 Prozent der Wärmeversorgung stellen, so die Erwartung. Die EVO ist Mitglied in der Geothermie-Allianz NRW und hat gemeinsam mit den Stadtwerken Mülheim die Gesellschaft Erneuerbare Wärmeversorgung Stadtwerke GmbH (EWS GmbH) gegründet. Zuletzt wurde auch ein Förderantrag für die Probebohrung gestellt.

Neben dem Fernwärmegeschäft und einem starken Netzergebnis erwies sich auch das klassische Strom- und Commodity-Geschäft 2025 als eine tragende Säule des Bilanzergebnisses – so Dolezych.

Zum Ende des Jahres 2025 zählte die EVO etwa 104.000 Stromkunden, rund 24.000 Gaskunden und 30.000 Fernwärmekunden. Im Vorjahresvergleich bedeutet dies einen Netto-Zuwachs um 5000 beziehungsweise 200 Kunden.

Die Absatzmenge bei Strom ging um vier Prozent auf 366 Gigawattstunden zurück, was die EVO auf die Umstrukturierung der Lieferungen von Verlustmengen zurückführt. Bei Gas legte der Absatz um ein Prozent auf 537 Gigawattstunden zu, bei Wärme um zwei Prozent auf 416 Gigawattstunden. Diese positive Entwicklung führt Dolezych auf eine Reihe von Faktoren zurück.

Der Preisfaktor

Gleich zum Jahresbeginn hatte die EVO die Strom- und Gastarife um acht beziehungsweise ein Prozent gesenkt. Eine Senkung zum 1. Oktober um zwei Prozent gab es auch für Fernwärmetarife. Dies sei die zweite Preissenkung in Folge für die Energiekunden seit 2024 gewesen, sagte Dolezych. Mit attraktiven Konditionen punkte sein Unternehmen inzwischen vor allem im bundesweiten Vertrieb. Die hohe Kündigungsquote bei Verträgen, die über Vergleichsportale abgeschlossen werden, schreckt den Vorstand nicht ab.

Der designierte Evo-Vorstand Timm Dolezych kommt von Syna.Bild: © Evo

"Wir gehen ein kalkuliertes Risiko und haben einen Business-Case, der bestimmte Kundenverluste nach einem, zwei, drei Jahren einpreist",

Timm Dolezych

Kaufmännischer Vorstand der EVO.

"Wir gehen ein kalkuliertes Risiko und haben einen Business-Case, der bestimmte Kundenverluste nach einem, zwei, drei Jahren einpreist", erläuterte er. Das Monitoring des Kundenverhaltens und der Tarife laufe kontinuierlich. "Wenn wir merken, dass es nicht funktioniert, müssen wir die Reißleine ziehen." Im Moment aber erreiche die EVO neue Kunden, die ihr positive Bewertungen im Wechselprozess bescheinigen.

Iran-Konflikt sorgt für Akquise-Unterbrechung

Einige Wochen nach dem Ausbruch des Iran-Konflikts musste der Regionalversorger auf die Bremse treten und stoppte die aktive Akquise über die Vergleichsportale. Die Volatilität auf den Märkten war einfach zu hoch, um ernsthaft prognostizierbare Tarife anzubieten, erinnert sich Dolezych. "Wenn der Kunde akzeptiert und wir an den Preis gebunden sind, tragen wir das Overnight-Risiko – und das konnten wir nicht verantworten." Inzwischen werben die Oberhausener wieder über alle gängigen Kanäle, inklusive einer Preisgarantie.

Der Kundenservice

Im Vertrieb setzt der Versorger auf Salesforce als zentrales System für Prozessqualität im Kundenservice. Im Kundenservice ist die Plattform bereits live, im Vertrieb laufe die Implementierung, so Dolezych. Die Einführung hat laut Dolezych messbare Verbesserungen gebracht, darunter die Steuerungsqualität im Tagesgeschäft und kürzere Durchlaufzeiten.

Im Zuge der Implementierung habe die EVO gemeinsam mit Salesforce eine spezielle Template-Lösung für Stadtwerke entwickelt, die sich auf die wesentlichen Prozesse konzentriert. Sie sei inzwischen praxiserprobt, schnell implementierbar, intuitiv bedienbar und zu überschaubaren Kosten erhältlich. Inzwischen habe die EVO für diese Anwendung zwei Energieunternehmen als Kunden gewonnen. Perspektivisch könnte in diesem Segment ein neues Standbein entstehen, hieß es aus Oberhausen.

Nach eigenen Angaben fällt das Kundenfeedback positiv aus: 83 Prozent seien mit dem Service der EVO "zufrieden oder sehr zufrieden", so eine aktuelle Umfrage. Neben der Neukundenakquise belohnt die EVO ihre Bestandskunden mit Treueaktionen, hat die Aktivitäten in der persönlichen Beratung verstärkt und 800.000 Euro in soziales, sportliches und kulturelles Sponsoring investiert. Dieses bleibe bei den Kunden nicht unbemerkt, ist Dolezych überzeugt.

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