Auf die Fachkräfte kommt es an: ein Wärmepumpen-Installateur im Forschungs-, Entwicklungs- und Trainingszentrum in London

Auf die Fachkräfte kommt es an: ein Wärmepumpen-Installateur im Forschungs-, Entwicklungs- und Trainingszentrum in London

Bild: © Octopus Energy

Als der britische Energiekonzern Octopus Energy mit der Übernahme des Münchner Startups 4Hundred in den deutschen Markt einstieg, machte er mit der Ankündigung Schlagzeilen, bis 2024 eine Million Strom- und Gaskunden gewinnen zu wollen.

Nach mehr als einem Jahr Energiekrise sagt Florian Geier, Head of Operations bei der in Octopus Energy Germany umbenannten deutschen Tochter, nun: "Wir wollen weiterhin eine Million Strom- und Gaskunden erreichen. Ob wir das aber 2024 schaffen oder etwas später, ist für uns nicht entscheidend. Das hängt auch davon ab, wann sich der Energiemarkt wieder stabilisiert, Prognosen und Risiken wieder leichter einzuschätzen sind." Derzeit hat das Unternehmen nach eigenen Angaben eine Kundenzahl im sechsstelligen Bereich.

Forcieren des Dienstleistungsgeschäfts

Zum Start des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und wieder im Sommer, als etwa Unsicherheiten über die Zukunft der Ostseepipeline Nord Stream 1 die Großhandelspreise für Strom und Gas nach oben peitschten, setzte Octopus ebenso wie viele Mitbewerber seinen Neukundenvertrieb im Commodity-Bereich aus.

"Stattdessen haben wir unser Dienstleistungsgeschäft forciert und den Vertrieb von Wärmepumpen ein halbes bis dreiviertel Jahr früher als geplant gestartet“, sagt Geier. "Und das ist erst der Anfang."

Hoffen auf Smart-Meter-Rollout

Noch dieses Jahr soll die Testphase neuer dynamischer Tarife hierzulande enden, die der Mutterkonzern in Großbritannien bereits anbietet. '"Ziel ist es, smarte Tarife im Laufe des nächsten Jahres auf den Markt zu bringen", sagt Geier. Octopus hofft dabei, dass auch in Deutschland insgesamt der Smart-Meter-Rollout in Gang kommt.

"Hätten wir eine deutlich höhere Smart-Meter-Dichte als jetzt, könnten wir über unsere Plattformen Kraken und Kraken Flex wesentlich smartere und günstigere Tarife für unsere Kunden anbieten."

"Stromvertrag nur noch ein Baustein unter vielen"

Außerdem sei das Unternehmen an den Themen Photovoltaik und Batteriespeicher dran, führt Geier aus. Am Ende des Prozesses will Octopus ein grünes Komplettpaket für Kunden bieten können. "Aus unserer Sicht klappt die Energiewende nämlich nur dann, wenn Energie ganzheitlich betrachtet wird", erklärt der Manager. "Der Stromvertrag ist dann nur noch ein Baustein unter vielen."

Wie viele Wärmepumpenkunden Octopus nach großen Werbekampagnen unter anderem in Berlin schon gewonnen hat, will Geier nicht verraten. Nur so viel: Die Nachfrage sei "sehr hoch". Mehrheitlich Bestands-, aber auch viele Neukunden zeigten Interesse.

Lieber Direktvertrieb als Vergleichsportale

Insgesamt sieht Geier im Wärmepumpenvertrieb großes Potenzial. "Der Markt ist sehr offen und auch wesentlich größer als bei Photovoltaik, wo schon deutlich mehr Kunden Anlagen installiert oder gepachtet haben", sagt der Manager.

Seit einigen Wochen ist Octopus auch beim klassischen Commodity-Vertrieb wieder aktiv, selbst wenn das Unternehmen auf den gängigen Vergleichsportalen selten ganz vorne mitmischt. "Unser Ziel ist aber ohnehin nie, günstigster Anbieter zu sein, sondern mit den Themen Nachhaltigkeit, Kundenerlebnis und immer mehr auch mit unserem erweiterten Portfolio zu punkten", sagt Geier. "Außerdem hat sich gezeigt, dass der Direktvertrieb vor Ort bei uns deutlich besser funktioniert als die Präsenz auf bundesweiten Vergleichsportalen."

"Kunden wünschen sich Transparenz"

Geier freut sich, dass die derzeitige Bonischlacht auf den Vergleichsportalen mit Einführung der Preisbremsen vorerst ein Ende finden dürfte. Dann dürfen Anbieter mit Gutschriften von höchstens 50 Euro werben.

"Auch wir haben früher mit Boni gearbeitet", gibt Geier zu. "Wir haben dann aber aufgehört. Unsere erfolgreichste Zeit war tatsächlich auch die, als wir keine Gutschriften mehr geboten haben, sondern mit attraktiveren, langfristigen Garantien unterwegs waren." Zwar hätten Boni zuletzt eine Renaissance erlebt, sagt er. "Aber zugleich leidet dadurch die Vergleichbarkeit. Und prinzipiell wünschen sich Kunden dann doch lieber Transparenz." (aba)

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