Heiko Schäffer, was bringt junge Talente dazu, sich für eine Führungsaufgabe in der Kommunalwirtschaft zu entscheiden?
Da gibt es sicher eine ganze Reihe von sehr guten Gründen. Für viele, mit denen ich gesprochen habe, steht die vielfältige und verantwortungsvolle Aufgabe im Vordergrund. Die meisten haben bereits Erfahrungen in der Kommunalwirtschaft, teilweise im eigenen Haus, gesammelt. Sie wissen um die guten Bedingungen, um die tollen Menschen und um die breiten Gestaltungsmöglichkeiten in der Kommunalwirtschaft. Die wichtigen Themen unserer Zeit werden dort gelöst: Energie- und Wärmewende, Anpassung an klimatische Veränderungen, Umstellung der Mobilität und vieles mehr.
Diese großen, abstrakten Aufgaben werden vor Ort ganz konkret und die jungen Führungskräfte ergreifen die Chance, hier etwas bewirken zu können. Das macht die Branche besonders attraktiv. Ich denke, das, was allgemein für die junge Generation gilt, das stärkere Streben nach Sinnhaftigkeit der Aufgabe und nach Übernahme sozialer Verantwortung, spielt auch hier eine Rolle. Denn schließlich können viele ihre Stadt oder Region aktiv durch diese Funktionen gestalten, das heißt für gute und moderne Lebensbedingungen sorgen.
Blickt diese jüngere Generation anders auf die Kommunalwirtschaft?
Ich denke, jede Generation hat einen eigenen, neuen Blick auf ihr Wirkungsumfeld. Junge Führungskräfte heute bringen sicher eine hohe Affinität für digitale Lösungen, für Flexibilität und agile Arbeitsmethoden und für eine gewandelte Arbeits- und Führungskultur mit. Und, wie gesagt, sie sehen die Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit im Lichte der heutigen, großen Aufgaben der Gesellschaft.
Wie kam es zur Gründung des Netzwerks Junge Geschäftsführung und worüber tauschen die Mitglieder sich dort aus?
Der Impuls kam tatsächlich von jungen Führungskräften aus der Mitgliedschaft. Hier gab es einen Bedarf. Generell kennt sich die Branche, die Erfahrenen haben viele Kontakte und seit Jahren bewährte Netzwerke. Das ist bei den (Dienst-)Jüngeren naturgemäß noch nicht so vorhanden.
Genau hier wollten wir unterstützen, quasi den Katalysator bieten, ein eigenes Telefonbuch mit belastbarem Netzwerk vielleicht etwas schneller aufzubauen. Und offenbar haben wir damit den Nerv getroffen. Unser Aufruf stieß gleich auf großes Interesse und die Nachfrage hält an.
Das Netzwerk lebt von seinem vertraulichen Rahmen. Inhalte möchte ich hier daher nicht vertiefen. Aber selbstverständlich haben die Netzwerkmitglieder oft gleiche Herausforderungen oder ähnliche Fragestellungen, wozu man sich dann austauschen und auch mal einen Tipp holen kann. Das ist nach meinem Erachten der große Mehrwert der Einrichtung.
Um welche Themen geht es da beispielsweise?
Die aktuellen Fachthemen der Kommunalwirtschaft, seien es Fragen der Energie- oder Wärmewende, Herausforderungen in der Abfall- oder Wasserwirtschaft oder die Frage, wie Fachkräfte gewonnen und Kolleginnen und Kollegen gehalten werden können, treiben natürlich auch die jungen Führungskräfte um.
Um aktuelle Anliegen zu diskutieren, ohne starre Agenda oder Statuten und in wechselnder Zusammensetzung, treffen wir uns bei Mitgliedern und am Rande von Branchenveranstaltungen wie der E-World. Kürzlich hatten wir ein spannendes Netzwerktreffen in unserem VKU-Büro in Brüssel, dort dann mit fachlichem Schwerpunkt auf EU-Politik.
Der Verband bietet generell nur den Rahmen und Impulse an, die Inhalte gestalten die jungen Geschäftsführer und Geschäftsführerinnen selbst. Es gibt zudem den Austausch über eine geschlossene Gruppe in einem Karrierenetzwerk und natürlich mittlerweile auch den intendierten kurzen Draht untereinander.
Gibt es eine Altersgrenze für die Mitgliedschaft? Wie kann man mitmachen?
Es gibt keine starre Altersgrenze, aber der Zweck des Netzwerks gibt eine gewisse Orientierung. Wer Interesse hat, kann mich gerne kontaktieren unter schaeffer@vku.de.
Die Fragen stellte Pauline Faust
Mehr zum Thema aus dem ZfK-Archiv:
Junge Führung, klare Ziele: Daniel Töpfer transformiert die Stadtwerke Soltau
