Seit zwei Jahren ist Daniel Töpfer Geschäftsführer der Stadtwerke Soltau in Niedersachsen.

Seit zwei Jahren ist Daniel Töpfer Geschäftsführer der Stadtwerke Soltau in Niedersachsen.

Bild: © SW Soltau

Die Kommunalen brauchen frischen Wind, davon ist Daniel Töpfer überzeugt. "Unsere Branche hat enormen Modernisierungsbedarf und ist nicht unbedingt bekannt für ihre Agilität oder Innovationskraft", sagt der 36-jährige Geschäftsführer der Stadtwerke Soltau in Niedersachsen. "Der Schlüssel liegt in einem echten Wandel bei den Entscheidern."

Es bringe nichts, in schwierigen Zeiten immer auf die gleichen Personen zu setzen, die seit 20 Jahren dabei seien. "Was es braucht, sind mutige Entscheidungen – und die Bereitschaft, auch jüngeren Kolleginnen und Kollegen eine Chance zu geben, sich zu beweisen."

Die Kommunalverwaltung empfindet er als schwerfällig

Seit 2023 ist Töpfer alleiniger Geschäftsführer in Soltau. Zuvor legte er eine steile Karriere in der Kommunalpolitik hin. Nach dem Studium der Verwaltungswissenschaften arbeitete Töpfer als Referent des Oberbürgermeisters im baden-württembergischen Böblingen.

Dort leitete er die Geschäftsstelle des Gemeinderats mit vier Mitarbeiterinnen. "Ich merkte schnell, wie schwerfällig Verwaltung sein kann", berichtet Töpfer. Zu dieser Zeit lernt er durch seinen Chef, der zudem im Aufsichtsrat der Stadtwerke Böblingen saß, die Arbeit eines Versorgungsunternehmens kennen.

"Dabei wurde mir bewusst, wie viel dynamischer es dort zuging", erzählt Töpfer. "Während im Gemeinderat minutenlang über die Aufstellung einer Parkbank diskutiert wurde, entschieden die Stadtwerke in kürzester Zeit über Investitionen in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro – das fand ich beeindruckend." Zudem sei in der Verwaltung "viel gemeckert worden", ohne Verantwortung zu übernehmen.

Die Zentrale der Stadtwerke Soltau.

Bild: © SW Soltau

Mit 25 Jahren wird er Bürgermeister

2014, mit gerade 25 Jahren, kandidierte er im baden-württembergischen Weissach als Bürgermeister. Töpfer ist CDU-Mitglied, trat aber als unabhängiger Kandidat an. Nach seiner Wahl begann die eigentliche Herausforderung: Aufräumen in der Gemeindeverwaltung.

Diese hatte in den vergangenen zehn Jahren keinen einzigen Jahresabschluss erstellt – trotz Mahnungen der Aufsichtsbehörde. Unter Töpfers Führung konnte in Weissach schließlich klar Schiff gemacht werden, so gut, dass sein Nachfolger ihm attestierte, ein "aufgeräumtes Haus" hinterlassen zu haben.

Er will die Stadtwerke fit für die Zukunft machen

Nach acht Jahren Weissach suchte Töpfer neue Herausforderungen. Eine OB-Wahl in der Großen Kreisstadt Esslingen am Neckar verliert er knapp. Dafür überzeugt er die Stadt Soltau 2023 von sich. Deren Stadtwerke stehen finanziell gut dar. Auch die Energiekrise umschifften die Stadtwerke dank langfristiger Beschaffung. Im vergangenen Jahr wurde die Beteiligung der SWB AG abgelöst, sodass die Stadtwerke nun wieder allein in kommunaler Hand liegen.

In der Vergangenheit waren Verantwortlichkeiten unklar zugeordnet.

Die Stadtwerkebranche sei zwar moderner als die Verwaltung – aber noch nicht modern genug. So sieht Töpfer trotz solidem Haushalt auch in Soltau Optimierungspotenzial: "Derzeit befinden wir uns mitten in einem großen Strategieprozess, der die Grundlage der Unternehmensentwicklung bis 2030 bildet", sagt der Geschäftsführer. Im Fokus stehen dort der operative Netzbetrieb und das Netzmanagement.

"In der Vergangenheit waren hier Verantwortlichkeiten unklar zugeordnet und unsere Vertriebsstrategie blieb oberflächlich", erklärt er. "Ein Beispiel: Man bot zwei Wallboxen an und dachte, das würde genügen." Themen wie PV seien bewusst anderen überlassen worden.

Heute sehe das anders aus. Soltau hat eine neue Organisationseinheit geschaffen: die Abteilung "Energienahe Dienstleistungen". Sie gehört zum Vertrieb und besteht aus zwei Vollzeitkräften sowie einer Führungskraft. Sie beschäftigen sich gezielt mit Produktentwicklung und -bündelung.

Außerdem wurde eine abteilungsübergreifende Stabsstelle für die Projektkoordination eingerichtet. Ihre Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass alle Beteiligten frühzeitig miteinander kommunizieren: "Ein Netzmanager und ein Monteur verstehen sich gut, da sie ähnliche Arbeitskontexte haben", erläutert Töpfer, "das Energiedatenmanagement und ein Monteur hingegen liegen weiter auseinander."

Neue Führungskräfte haben einen neuen Führungsstil

Mit dem Thema Führung beschäftigt sich Töpfer auch als Lehrbeauftragter an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg. "Gute Führung bedeutet, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem sich Mitarbeitende als Teil einer Gemeinschaft fühlen, die ein gemeinsames Ziel verfolgt", sagt Töpfer. Die Anforderungen an Führung wandelten sich stetig.

"Der entscheidende Punkt ist aber: Die Zeiten autokratischer oder streng hierarchischer Führung sind längst vorbei." Stattdessen ginge es darum, Führung als kooperative Aufgabe zu verstehen, bei der jede und jeder Einzelne wertvolle Beiträge leisten kann – und das wird zunehmend auch von jungen Talenten erwartet.

Das ist die bestinvestierte Zeit einer Geschäftsführung.

Töpfer will nah an der Basis bleiben. "Das bedeutet für mich, nicht nur zu Beginn meiner Tätigkeit, sondern auch regelmäßig im Laufe des Jahres, einen ganzen Tag in verschiedenen Bereichen des Unternehmens mitzuarbeiten", sagt er.

"Egal, ob auf der Kläranlage, mit unseren Monteuren, im Kundencenter oder im Badebetrieb unserer Soltau-Therme – ich nehme mir diese Zeit ganz gezielt, um den Anschluss nicht zu verlieren." Für mich ist das eine enorme Hilfe, um die Auswirkungen meiner Entscheidungen besser einordnen zu können. "Das ist die bestinvestierte Zeit einer Geschäftsführung."

Töpfer engagiert sich im Netzwerk

Führungskräfte aus Töpfers Generation gibt es noch nicht viele. Umso wichtiger sei es, sich auszutauschen, erzählt er. Mit dieser Einstellung hat er auch beim VKU das Netzwerk "Junge Geschäftsführung" mitinitiiert. Die Gruppe wird dort von Heiko Schäffer, Geschäftsführer Zentralabteilung, betreut und nimmt neue Mitglieder auf.

In unserer Reihe "Neue Perspektiven" wollen wir jüngere Führungskräfte vorstellen. Kennen Sie weitere interessante Kandidat*innen? Vorschläge gerne an p-faust(at)zfk.de

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