Auf Basis der gesammelten Informationen schätzt der VKU, dass bisher etwa drei Viertel der rund 1.500 berechtigten Erdgaslieferanten und Wärmeversorger ihren Anspruch geltend gemacht und davon etwa 40 Prozent erhalten haben.

Auf Basis der gesammelten Informationen schätzt der VKU, dass bisher etwa drei Viertel der rund 1.500 berechtigten Erdgaslieferanten und Wärmeversorger ihren Anspruch geltend gemacht und davon etwa 40 Prozent erhalten haben.

Bild: © Steidi/Adobestock

Trotz der Preisbremsen der Bundesregierung bei Strom, Gas und Wärme müssen Stadtwerke wegen der Energiekrise mit einem starken Anstieg der Zahlungsausfälle rechnen. Das zeigt eine Analyse der Strategieberatung Oliver Wyman.

„Stadtwerke müssen sich trotz staatlicher Unterstützung für Verbraucher und Unternehmen auf Zahlungsausfälle in Höhe von fünf bis zehn Prozent des Umsatzes einstellen“, sagt Jörg Stäglich, Leiter der europäischen Energy & Natural Resources Practice und globaler Leiter des Bereichs Energieversorger bei Oliver Wyman.
 

Bislang habe die Zahlungsausfallquote bei maximal einem Prozent gelegen. Die Berater haben ermittelt, dass sich Energiekosten für Haushalte trotz Preisbremse um 40 Prozent erhöhen. Unternehmen zahlen demnach sogar 150 Prozent mehr für Gas und bis zu 50 Prozent mehr für Strom. „Aufgrund der massiven Preissteigerungen in Kombination mit der hohen Inflation sowie der Konjunkturabkühlung wird eine wachsende Zahl von Kunden der Stadtwerke nicht mehr in der Lage sein, ihren Abschlag oder Rechnung zu zahlen“, sagt Stäglich. „Das betrifft Privatpersonen und Unternehmen gleichermaßen.“ 

Ausfälle von 5 Prozent des Umsatzes kosten die Hälfte des Gewinns

Den mehr als 1000 Stadtwerken in Deutschland drohen laut Berechnungen der Berater deutliche Gewinnrückgänge – und je nach Szenario teilweise sogar Verluste. Viele Stadtwerke haben im Sommer und Herbst Rückstellungen mit Blick auf die gestiegenen Zahlungsausfallrisiken gebildet. Vielerorts waren Kommunalversorger zeitweilig von ähnlichen Ausfallquoten von bis zu zehn Prozent ausgegangen, auch der der Verband VKU. Mit der sich abzeichnenden Verabschiedung der Preisbremsen war der Tenor in der Branche entspannter geworden. Es wurde zwar weiterhin mit einem Anstieg der Zahlungsausfälle gerechnet, aber nicht mehr in dem Ausmaß wie im Sommer oder frühen Herbst.

Die Oliver Wyman-Berater haben die Folgen zunehmender Zahlungsausfälle bei 22 Stadtwerken verschiedener Größenklassen untersucht – von Großunternehmen mit einem Umsatz von mehr als 2,5 Milliarden Euro bis hin zu kleinen Stadtwerken mit weniger als 30 Millionen Euro. Sollten die Ausfälle eine Höhe von fünf Prozent des Umsatzes erreichen, würde dies im Schnitt rund die Hälfte des Gewinns (Ebit) kosten.

Engere Kooperationen mit Privatwirtschaft als Finanzierungsalternative

Eine Zahlungsausfallquote von zehn Prozent würde bei 50 Prozent der betrachteten Stadtwerke bereits dem Wegfall des gesamten Gewinns entsprechen. „In beiden Szenarien werden einzelne Unternehmen auch Verluste schreiben“, erläutert Thomas Fritz, Partner Energy & Natural Resources bei Oliver Wyman. „Im schlimmsten Fall benötigt das Stadtwerk dann selbst finanzielle Hilfe, um seine Liquidität sicherzustellen.“ 

Langfristig müssten die Unternehmen über alternative Finanzierungs-Strategien nachdenken, beispielsweise engere Kooperationen mit der Privatwirtschaft. „Public Private Partnerships könnten bei Infrastrukturinvestitionen neue Finanzquellen eröffnen“, sagt Stäglich.

Es drohen negative Folgen für die Daseinsvorsorge

Wenn Ausschüttungen der Stadtwerke ausbleiben, werde sich in vielen Kommunen die etwa durch die Corona-Pandemie ohnehin angespannte Haushaltslage weiter verschärfen – möglicherweise mit negativen Folgen für die Daseinsvorsorge, heißt es weiter.  

Zudem würde rechnerisch die Eigenkapitalquote bei bis zu der Hälfte der Versorger auf unter 30 Prozent absinken, müssten diese offene Forderungen abgeschrieben werden. „Dies hätte schwerwiegende Folgen für die Finanzierung“, erläutert Fritz. „Viele Kreditverträge verlangen von Unternehmen eine Eigenkapitalquote von über 30 Prozent. Wird die Grenze gerissen, wird die Aufnahme neuer Finanzmittel schwieriger.“ Damit könnte die Energiewende weiter ins Stocken geraten: Allein den Investitionsbedarf in die Verteilnetze taxiert das Beratungsunternehmen insgesamt auf 100 bis 135 Milliarden Euro bis 2037.

Partnerschaften helfen beim Kostensenken

Wichtig sei es deshalb in der aktuellen Lage Transparenz zu schaffen. „Stadtwerke müssen die Ausfallrisiken genau identifizieren und ihren Liquiditätsbedarf entlang verschiedener Szenarien ermitteln“, sagt Christopher Sohn, Principal in der Energy & Natural Resources Practice bei Oliver Wyman. Als nächsten Schritt sieht er ein „aktives Management der Kundenportfolien“, um Kunden mit Finanznöten entgegenzukommen.

„Indem Stadtwerke Ratenzahlungen oder verringerte Abschläge akzeptieren, können sie komplette Ausfälle vermeiden.“ Zudem sieht Sohn Potenzial, die Kosten zu senken – etwa über neue Partnerschaften mit anderen Stadtwerken. „Eine gemeinsame Bewirtschaftung der Netze beispielsweise kann günstiger sein. Auch die Digitalisierung lässt sich im Verbund effizienter vorantreiben.“  (hoe)

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