Der dänische Energiekonzern Orsted hat mit Schwierigkeiten in den Lieferketten und mit gestiegenen Zinsen zu kämpfen. Das Unternehmen musste im Zusammenhang mit US-Windparks daher Wertberichtigungen in Höhe von 2,1 Mrd. Euro vornehmen. Das heißt, sollte sich an den Problemen nichts ändern, dürfte das Ergebnis entsprechend schlechter ausfallen. In der Folge brach die Aktie um fast 20 Prozent ein und erreichte den niedrigsten Stand seit Anfang 2019. Gegenüber dem Rekordhoch in 2021 hat das Papier somit einen Verlust von 68 Prozent eingefahren.
Es bestehe ein zunehmendes Risiko, dass einige Zulieferer ihre Verpflichtungen nicht einhalten könnten, erläuterte Orsted die Hintergründe. Der dänische Konzern rechnet damit, dass dies die Errichtung von Anlagen verzögern und zu zusätzlichen Kosten führen könnte. Hinzu kommt weiterhin, dass bei den Projekten Ocean Wind 1, Sunrise Wind und Revolution Wind erhoffte Steuergutschriften wegfallen könnten. Dabei geht es um die sogenannte Investment Tax Credits (ITC), bei denen es in den Verhandlungen zuletzt keine Fortschritte gab.
Branche im Minus
Orsted ist der Weltmarktführer im Bereich der Offshore-Windkraftanlagen. Die schlechten Nachrichten haben daher Signalwirkung für die Branche. So verlor die Aktie des deutschen Konkurrenten Vestas zwischenzeitlich mehr als vier Prozent. Auch Nordex und Siemens Energy mussten sich mit Verlusten abfinden, genauso wie Iberdrola und RWE. Der Branchenindex der Energiewirtschaft, der Stoxx Europe 600 Utilities, fuhr mit einem Minus von mehr als zwei Prozent das schlechteste Ergebnis von allen Sektoren ein.
Zwar haben die Wertberichtigungen laut Orsted keinen Einfluss auf die mittelfristigen Aussichten; der dänische Konzern hält an der Prognose für die Rendite auf das eingesetzte Kapital (Roce) von rund 14 Prozent im Zeitraum von 2023 bis 2030 fest. Analysten reagierten aber skeptisch. So stufte die französische Bank BNP Paribas Orsted auf "Neutral" ab. Enttäuscht hatte die Analysten vor allem, dass die erst im Januar angekündigten Gewinne nun wieder in Frage stehen.
Wichtiger USA-Markt
Wie es bei Orsted weitergeht, dürfte in der Branche aufmerksam verfolgt werden. Denn die USA sind ein zunehmend wichtiger Markt für Offshore-Windkraftanlagen. Die US-Regierung möchte bis 2030 eine Offshore-Leistung von 30 GW aufbauen.
So hat der deutsche Energiekonzern RWE erst kürzlich den Zuschlag in der ersten Auktion des US-Innenministeriums für Offshore-Windflächen im Golf von Mexiko verbucht. Die Essener sicherten sich ein Pachtgebiet, das ein Potenzial für die Errichtung für Offshore-Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 2 GW hat. Dafür zahlte RWE 5,6 Mio. US-Dollar (rund 5,1 Mio. Euro). Die Anlagen sollen bis Mitte der 2030er-Jahre in Betrieb gehen.
24 GW Pipeline
"Seit unserem Eintritt in den US-Offshore-Markt im vergangenen Jahr haben wir unsere Präsenz zügig ausgebaut", lässt sich Sven Utermöhlen, CEO RWE Offshore Wind, in einer Pressemitteilung zitieren. Die USA spielen nach Unternehmensangaben eine Schlüsselrolle in der Erneuerbaren-Strategie von RWE. Der Konzern verfügt in den USA bereits über ein Erneuerbaren-Portfolio von 8 GW und hat weitere 24 GW in der Pipeline. (jk)



