Um die Klimaschutzziele der Stadt Konstanz bis 2035 zu erreichen und finanziell zu stemmen, favorisieren die zu 100 Prozent kommunalen Stadtwerke Konstanz offenbar den Einstieg der Thüga als Minderheitsgesellschafter.
„Wir haben verschiedene Netzwerke angefragt, von der EnBW bis zur Thüga. Nach diesem unverbindlichen Markterkundungsverfahren haben wir eine Bewertung vorgenommen“, erklärte Stadtwerkechef Norbert Reuter in einem Interview mit der Regionalzeitung „Südkurier“. Das Thüga-Modell habe sich dabei als sehr interessant erwiesen und befinde sich in der engeren Auswahl, weil es dort auch schon Lösungen zu Herausforderungen gebe, vor denen man auch in Konstanz stehe.
Es seien bereits Gespräche mit mehreren möglichen Partnern geführt worden, heißt es in einer ergänzend verschickten Pressemitteilung der Stadtwerke. Im Laufe des Jahres soll Klarheit geschaffen werden, mit welchem der Partner die Herausforderungen künftig gemeinsam angegangen werden.
Reuter: "Werden weiterhin nahezu alle Entscheidungen selbst festlegen"
Geplant sei, die energiewirtschaftlichen Bereiche in einer Stadtwerke Konstanz Energie GmbH anzusiedeln, so Reuter. Der künftige Partner soll dabei eine Minderheitsbeteiligung mit bis zu 25,1 Prozent erhalten, die restlichen rund Dreiviertel verblieben bei den Stadtwerken.
„Wir werden deshalb auch weiterhin nahezu alle Entscheidungen selbst festlegen und steuern, haben aber ein starkes Kooperationsnetzwerk zur Bewältigung der Herausforderungen an der Seite“, so der Geschäftsführer.
Auch die Bürger sollen bei Entscheidung miteinbezogen werden
Der Aufsichts- und Gemeinderat sei eng in die Planungen eingebunden und treffe in der jeweiligen Zuständigkeit auch die Entscheidungen für die nächsten Schritte. Auch die Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger sei mittels eines hierfür geeigneten Verfahrens vorgesehen.
Man habe sich in den vergangenen Jahren intensiv damit auseinandergesetzt, welche Kooperationen und Netzwerke es im Bereich der Umsetzung der Energiewende gebe. „Einige sind sehr leistungsfähig und versuchen gemeinsame Herausforderungen gemeinsam zu lösen“, so Reuter.
Kooperation soll auch Wettbewerbsfähigkeit stärken
Man werde die Klimaschutzziele zwar auch aus eigener Kraft stemmen können, aber „nicht so schnell und erfolgreich und vor allem risikominimiert wie in einem Kooperationsmodell in einem Netzwerk, in dem wir voneinander lernen“.
Die Kooperation soll zudem die Wettbewerbsfähigkeit stärken und dafür sorgen, dass die Stadtwerke auch in einem veränderten Marktumfeld weiterhin erfolgreich sind, sie alle Arbeitsplätze sichern und neue entstehen lassen können.
"Vielzahl von marktfähigen Lösungen für Energie- und Wärmewende notwendig"
Die Stadtwerke spielen bei der Umsetzung der Klimaneutralitätsziele in Konstanz eine Schlüsselrolle. Allein für die Wärmenetze rechnet Reuter mit Investitionen von rund 400 Mio. Euro, auch der Ausbau der Stromnetze erfordere erhebliche Millionensummen.
Zusammen mit dem deutlichen Ausbau regenerativer Energieerzeugung und der intelligenten Verknüpfung von Erzeugung und Verbrauch stünden die Stadtwerke vor einer erheblichen Transformation zu einem umfassenden Energie- und Wärmedienstleister. Es ist dabei Ziel, möglichst viele Kundinnen und Kunden mit guten Wärme- und Energiedienstleistungen zu versorgen.
Norbert Reuter: „Hierzu bedarf es einer Vielzahl von marktfähigen Lösungen, die innerhalb eines Kooperationsnetzwerkes besser, schneller und günstiger verfügbar sind als alleine.“
Neue Modelle jenseits der Bankenfinanzierung erforderlich
Diese Investitionen müssten erstens wirtschaftlich sein und bräuchten zweitens eine Vorfinanzierung. Deshalb müsse man Modelle finden, die neben der klassischen Bankenfinanzierung Kapital einbrächten. Dafür müsse man das Eigenkapital erhöhen und alternative Finanzierungsformen anwenden, beispielsweise Bürger-Beteiligungsmodelle.
ZfK-Podcast: Mainova-Chef spricht unter anderem über Finanzierung der Energiewende
Wie die Energiewende vor Ort umgesetzt und finanziert werden soll, ist generell eine der größten Zukunftsherausforderungen der Stadtwerkebranche. In Frankfurt am Main wären beispielsweise allein für Investitionen in die Wärmewende rund 10 Mrd. Euro erforderlich, wie Mainova-Chef Constantin Alsheimer im aktuellen ZfK-Podcast ausführt. Welche Gedanken er sich zu dem Thema macht und welche Finanzierungsmodelle er für realistisch oder diskussionswürdig hält, hören Sie hier. (hoe)



