Der Pfalzwerke-Konzern hat im vergangenen Jahr ein Ebit von 72,7 Mio. Euro erwirtschaftet, das entspricht einem Rückgang von rund 18 Prozent. Der Konzern-Jahresüberschuss brach deutlich ein auf 10,7 Mio. Euro (Vorjahr: 35,5 Mio.). Der Konzernumsatz stieg hingegen aufgrund höherer Erstattungen aus dem EEG-Wälzungsmechanismus um etwa 14 Mio. auf 1,32 Mrd. Euro. Neben einem herausfordernden Marktumfeld wurden vor allem die zunehmend komplexer werdenden Rahmenbedingungen und ein hoher Wettbewerbsdruck als Gründe für die Ergebnisentwicklung angegeben.
Der ungeplante Stillstand des Geothermiekraftwerks in Insheim, ein höherer Zinsaufwand für die Bilanzierung der Pensionsrückstellungen und eine geringere Ergebnisabführung der Pfalzwerke Netz belasteten das Ergebnis der Pfalzwerke AG. Der Jahresüberschuss sank von 30,3 Mio. Euro im Vorjahr auf nunmehr 12,2 Mio. Euro. Der Umsatz stieg um 13,5 auf 856,6 Mio. Euro. Die Pfalzwerke AG schüttet eine Dividende von 6,60 Euro pro Stückaktie aus.
Innovative Apps befeuern Kundenwechsel
"2018 war ein sehr anspruchsvolles Geschäftsjahr. Immer mehr Strom- und Gaskunden wechseln ihre Lieferanten. Befördert wird dies inzwischen unter anderem durch innovative Apps", konstatierte Werner Hitschler, Kaufmännischer Vorstand der Pfalzwerke AG. Laut der Zeitung "Rheinpfalz" konnte der Regionalversorger dennoch seine Kundenzahl auf die Rekordmarke von über 500.000 hochschrauben – das sind 170.000 mehr als zu Beginn der Strommarktliberalisierung.
Wesentlicher Erfolgsbaustein im Vertrieb ist die Onlinemarke "123energie", hier konnte die Kundenzahl weiter ausgebaut werden. Erfolgreich entwickelt hat sich laut den Pfalzwerken auch die Ende 2016 begonnene strategische Partnerschaft mit der Handelskette Aldi Süd. Diese wird fortgesetzt und künftig um Gasangebote erweitert.
Schwieriges Umfeld für KWK-Projekte
Die Wirtschaftlichkeit energiepolitisch sinnvoller Energiewende-Projekte vor Ort gerät hingegen laut René Chassein, demTtechnischen Vorstand der Pfalzwerke, zunehmend unter Druck. "Trotz ungebrochenem Bekenntnis zu der klimapolitisch notwendigen Transformation des Energiesystems verengen sich die ordnungspolitischen Rahmenbedingungen für unser Engagement bei den erneuerbaren Energien und bei der Kraft-Wärme-Kopplung", kritisierte Chassein.
Mit dem Bau und der Inbetriebnahme einer neuen KWK-Anlage für die Fernwärmeversorgung des US-Flugplatzes Ramstein haben die Pfalzwerke hier im vergangenen Jahr gemeinsam mit den Stadtwerken Ramstein ein Großprojekt realisiert. Große Fortschritte macht der Regionalversorger auch beim flächendeckenden Ausbau der Ladeinfrastruktur. Dank des Bundesprogramms "Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge" und in Kooperation mit Partnern wurden allein im vergangenen Jahr 80 eigene Ladepunkte errichtet – mittlerweile ist deren Zahl auf 98 angestiegen.
Bundesweiter E-Mobilitätsdienstleister als Ziel
Mit einer bundesweit tätigen Baumarktkette wurde zudem ein Kooperationsvertrag über die Ausstattung der Markt-Parkplätze mit Ladesäulen abgeschlossen, auch Partnerschaften mit Lebensmittelhandelsketten werden angestrebt. Ziel ist die Errichtung einer wirtschaftlichen Schnellladeinfrastruktur und die Etablierung als bundesweiter E-Mobilitätsdienstleister.
Pfalzsolar auf Wachstumskurs
Erfreulich entwickeln sich weiterhin die Geschäfte der Tochter Pfalzsolar. Insgesamt setzte das Unternehmen mehr als 4 MWp PV-Leistung ab, diese verteilt sich auf 400 kleine Anlagen. Auch international ist die Pfalzsolar weiterhin auf Wachstumskurs, insbesondere in den Niederlanden. Die Entwicklung von Projekten in den USA wurde vorangetrieben, die mögliche Gesamtleistung liegt aktuell bei rund 300 MWp.
Um den digitalen Wandel und den Einsatz neuer Technologien im Unternehmnen zu fördern, haben die Pfalzwerke die "Initiative Digitale Transformation" ins Leben gerufen. Hier arbeiten Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen und Töchtern an der Entwicklung und Bewertung neuer Ideen. Außerdem engagiert sich das Unternehmen in zahlreichen Forschungsprojekten, unter anderem zum Thema LoRaWAN (Long Range Wide Area Network).
Testversuch mit LoRaWan beim Winzer
Über Sensoren im eigenen Stromnetz wird beispielsweise die neue Technologie bereits getestet, die Informationen fließen direkt an die Netzleitstelle. Im Rahmen der Vineyard-Cloud wird das Netz auch bei einem Winzer getestet. Dort werden die Arbeiten im Weinberg mit Hilfe von Sendern und Smartphone parzellen- und zeilengenau dokumentiert. Zudem stellt die Cloud individuell relevante Wetterdaten zur Verfügung, dies ermöglicht eine noch effizientere Steuerung der Winzertätigkeiten.
Für das laufende Jahr erwartet der Pfalzwerke-Vorstand aufgrund des Wettbewerbsdrucks einen sinkenden Absatz im Vertrieb und ein Ebit deutlich unter Vorjahresniveau. "Der beschlossene beschleunigte Ausstieg aus der Kohle setzt außerdem eine rasante technologische Entwicklung voraus und wird große Umwälzungen mit sich bringen", resümiert Werner Hitschler. Bei allen Schwierigkeiten biete das den Pfalzwerken aber auch Chancen – unter anderem bei der Entwicklung neuer Produkte und Geschäftsfelder. (hoe)



