Der Pfalzwerke-Konzern erwartet für das laufende Jahr ein Ebit deutlich unter Vorjahresniveau, ist aber dennoch zuversichtlich, die aktuelle Rezession zu meistern. "Wir beobachten seit Mitte März einen spürbaren Rückgang unseres Stromabsatzes an Industrie- und Stadtwerkekunden. Die zuviel beschafften Strommengen können wir am Energiemarkt derzeit meist nur mit Verlust wieder verkaufen", erklärte der kaufmännische Vorstand der Pfalzwerke AG, Werner Hitschler. Hinzu komme das aktuelle Zahlungsmoratorium für Privat und Geschäftskunden mit erheblichen Zahlungsausfallrisiken für das Unternehmen einher.
Pfalzwerke sehen sich gut aufgestellt
Dennoch herrschte an der gestrigen Hauptversammlung des Regionalversorgers alles andere als Pessimismus. „Durch unser langjähriges Engagement bei den erneuerbaren Energien und CO2-sparenden Technologien sowie als frühzeitiger Wegbereiter der Elektromobilität sind wir für die Transformationsschritte des Energiesystems gut vorbereitet, allerdings benötigen wir verbindliche gesetzliche Rahmenbedingungen für unsere Investitionen“, betonte der technische Vorstand René Chassein.
Durch die Beteiligung an Forschungsprojekten habe man direkten Zugang zu aktuellen technologischen Entwicklungen für die notwendige Digitalisierung der Energiewende und sei zudem aufgrund diverser Initiativen innovations- und wettbewerbsfähig. „Deshalb sind wir zuversichtlich, dass wir uns weiterhin erfolgreich in dem schwierigen Branchenumfeld behaupten können“, betonte Chassein.
Konzern steigert Umsatz und Gewinn
Dass das Geschäftsmodell solide ist und die strategische Aufstellung Früchte trägt, belegen auch die Zahlen für das Geschäftsjahr 2019, die gestern bekannt gegeben wurden. Die 41 zum Pfalzwerke Konzern gehörenden Gesellschaften erwirtschafteten steigerten den Umsatz um 74,9 Mio. auf 1,39 Mrd. Euro. Gründe hierfür sind höhere Erstattungen aus dem EEG-Wälzungsmechanismus in der Pfalzwerke Netz AG und höheren Erlöse der Pfalzsolar GmbH. Das Betriebsergbnis stieg um 3,9 Mio auf 74,6 Mio. Euro. Der Konzern-Jahresüberschuss liegt mit 14,1 Millionen Euro über dem Vorjahresergebnis von 10,7 Millionen Euro.
Auch die AG sieht sich auf Kurs
Auch die Pfalzwerke AG steigerte ihre Umsatzerlöse und zwar auf 872,6 Mio. Euro – das ist ein Plus von 16 Mio. Euro. Diese resultieren vor allem aus höheren Erlösen im Strom- und Gasgeschäft, die insbesondere auf gestiegene Absatzzahlen im Online-Vertrieb zurückzuführen sind. Dagegen ging das Betriebsergebnis auf 14,2 Millionen Euro zurück (Vorjahr: 17 Millionen Euro). Dies hängt mit einem geringeren geringeren Rohertrag und eines höheren Personalaufwand zusammen. Unterm Strich steht ein ahresüberschuss in Höhe von 13,7 Millionen Euro (Vorjahr: 12,2 Millionen Euro).
Die Pfalzwerke AG schüttet 2019 eine um 10 Cent erhöhte Dividende von 6,70 Euro pro Stückaktie aus. Gleichzeitig erfolgt eine Zuführung in die Gewinnrücklagen von 1,3 Millionen Euro zur Stärkung der Eigenkapitalquote.
Dichtes Ladenetz
Zu den Meilensteinen im vergangenen Jahr zählt das Unternehmen unter anderem die Fortschritte beim Ladesäulenausbau. Aus dem Bundesprogramm „Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge“ erhielt der Regionalversorger allein 2019 den Zuschlag für 122 Ladepunkte an 52 Standorten. Mit Hilfe der Förderung und in Kooperation mit Partnern wurden so im vergangenen Jahr insgesamt bereits 80 eigene E-Ladepunkte errichtet – darunter auch die ersten Schnellladestationen außerhalb des Netzgebietes. Mit über 200 öffentlich zugänglichen Ladepunkten hat das Unternehmen nach eigenen Angaben inzwischen das dichteste Ladenetz in Rheinland-Pfalz.
Ziel: Bundesweiter Mobilitätsdienstleister
Darüber hinaus wurden wichtige Partnerschaften geschlossen – beispielsweise mit dem Unternehmen VIRTA für die Themen Backend- und Abrechnungsdienstleistungen sowie mit Filialisten wie Hornbach und REWE Südwest. Ziel ist es, eine wirtschaftliche Ladeinfrastruktur zu errichten und sich so als E-Mobilitätsdienstleister – auch bundesweit – zu etablieren.
Großes LoRaWAN-Netz
Im Strom- und Gasvertrieb konnte das Unternehmen trotz hohem Wettbewerbsdruck die Kundenzahl der bundesweit tätigten Online-Tochter 123energie ausbauen. Auch im Bereich LoRaWAN hat ich das Unternehmen eine gute Ausgangsposition aufgebaut. Mit dieser Funktechnologie wird im gesamten Pfalzwerke-Netzgebiet durch die Vernetzung von Sensoren eine Infrastruktur für das Internet der Dinge aufgebaut werden. Großteile des Netzgebiets sind bereits erschlossen. Das Pfalzwerke-Funknetz ist laut dem Unternehmen eines der größten zusammenhängenden LoRaWAN-Netze in Deutschland. Erste Produkte für Stadtwerke und Versorger wie das Stationsmonitoring für Transformatorstationen seien bereits entwickelt. (hoe)



