Die Essener RAG-Stiftung erwägt, über ein befristetes Engagement als Treuhänderin den Sanierungsprozess des kommunalen Energiekonzerns Steag zu unterstützen. Laut einem Artikel der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung soll es hierzu bereits Gespräche mit dem Management des Unternehmens sowie den Oberbürgermeistern der beteiligten Städte und dem Chef der Gewerkschaft IGBCE, Michael Vassiliadis, gegeben haben.
Insbesondere die erwarteten finanziellen Folgen der beschlossenen Modalitäten des Kohleausstiegs machen der Steag zu schaffen. Das Unternehmen hatte deshalb bereits Ende September ein umfassendes Sanierungsprogramm vorgelegt, dass die Streichung von insgesamt 1000 Stellen in Deutschland vorsieht.
Verhandlungen über Beitrag der Stakeholder zur Sanierung
Über die Details und darüber, welche Beiträge die einzelnen Stakeholder – also die Steag-Geschäftsführung, die Gesellschafter, die Arbeitnehmer und die Banken – im Rahmen einer Restrukturierung erbringen können, werde derzeit verhandelt. Das erklärte Guntram Pehlke, Vorstandsvorsitzender der Dortmunder Stadtwerke AG – DSW21 und Aufsichtsratsvorsitzender von Steag, im Gespräch mit der ZfK. DSW21 ist der größte der sechs Gesellschafter und hält 36 Prozent der Steag-Anteile, die in der Kommunalen Beteiligungsgesellschaft KSBG gebündelt sind.
Die KSBG hatte die Steag 2012 für rund 1,2 Mrd. Euro gekauft, die Transaktion wurde mehrheitlich über Kredite finanziert. Darlehen in Höhe von etwa 350 Mio. Euro müssen noch zurückgezahlt werden. Die Steag benötigt zudem in den nächsten Jahren rund 400 Mio. Euro für Wachstumsinvestitionen und den weiteren Umbau des Geschäftsmodells, unter anderem in Richtung erneuerbare Energien.
Im Rahmen der Restrukturierung sollen auch Banken einen Beitrag leisten. Weil mit Essen, Duisburg, Bochum, Oberhausen und Dinslaken fünf der sechs Konsorten ihre Steag-Anteile verkaufen wollen, sei im Kreis der Gesellschafter keine Bereitschaft erkennbar, weiteres Eigenkapital in die Steag zu geben, so Pehlke.
Konsorten als stille Teilhaber?
Das nun andiskutierte Treuhänder-Modell mit der RAG-Stiftung könnte einen Ausweg bieten. Die Konsorten würden in diesem Fall sämtliche Anteile und Rechte an die RAG übertragen und stille Teilhaber werden. Die finanzstarke RAG-Stiftung könnte die Steag bei den Bankengesprächen unterstützen. Für einen Ausgleich von Verlusten steht sie laut dem WAZ-Artikel aber nicht zur Verfügung. Allgemein geht man von einer harten Sanierung aus, bei der auch über eine Veräußerung von Unternehmensteilen nachgedacht werde.
"Wenn die Steag das benötigte Kapital erhält, hat sie auch eine Zukunft", betont Guntram Pehlke. Das Unternehmen sei in vielen Bereichen richtig gut aufgestellt, etwa bei den erneuerbaren Energien und den dezentralen Dienstleistungen. Ab 2023 sehe der Restrukturierungsplan der Steag auch wieder eine Ausschüttung aus den erwirtschafteten Erträgen an die KSBG vor. Für die Jahre 2021 und 2022 ist diese offenbar nicht geplant, die vorgesehene jährliche Tilgungsrate der für den Steag-Kauf aufgenommenen Kredite muss in diesem Zeitraum wohl anderweitig finanziert werden.
Pehlke: "Marktgerechter Preis aktuell kaum erzielen"
Ein marktgerechter Erlös, der das wirkliche Potenzial des Unternehmens abbilde, lasse sich für die Steag-Anteile aktuell kaum erzielen, so Pehlke. „Der Restrukturierungsplan ist noch nicht umgesetzt. Wir wissen zum Beispiel noch gar nicht, was mit den restlichen Kraftwerken passiert, die nicht in der ersten Auktionsrunde waren.“ In der ersten Auktionsrunde hatte zunächst der Steag-Kraftwerksblock Walsum 9 den Zuschlag erhalten.
Die RAG-Stiftung soll laut Satzung generell den Ausstieg aus dem Steinkohlebergbau in Deutschland und die daraus resultierenden Folgekosten finanzieren. Ihr Gesamtvermögen lag Ende 2019 laut Geschäftsbericht bei knapp 19 Mrd. Euro. (hoe)



